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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2020 - Beitrag vom 30.12.2010


Jonathan Safran Foer - Tiere essen
Britta Leudolph

Fleisch ist in den letzten 50 Jahren immer billiger geworden, parallel dazu ist der Fleischkonsum gestiegen. Doch was sind die wahren Kosten für diesen Exzess? Und wer zahlt? Dieses Buch gibt ...




... schonungslose Antworten.

In den Supermärkten sind die Regale und Kühltruhen prall gefüllt sowohl mit Rinder-, Schweine- und Hühnerfleisch als auch Fischprodukten in vielen Variationen und dazu ausgesprochen billig. Die meisten KonsumentInnen sind sich kaum bewusst darüber, woher das Fleisch kommt und warum der Preis so niedrig ist. Die Zauberformel heißt Massentierhaltung. Dabei ist die Fleischindustrie äußerst bemüht, den Eindruck zu erwecken, die Tiere würden natürlich gehalten: auf den Packungen werden allzu gern grüne Weiden oder bäuerliche Mühlen gezeigt.

Jonathan Safran Foer befasst sich in "Tiere essen" mit der traurigen Realität. Er bezieht sich dabei auf Daten aus den USA, doch die Zahlen für Europa sind ähnlich: "Etwa 98 Prozent aller Hühner und Schweine, die für den Verzehr bestimmt sind, stammen in Deutschland aus Massentierhaltung – das sind über 500 Millionen Tiere im Jahr. Würde man auch die Rinder und Fische hinzurechnen – die aus verschiedenen Gründen schwieriger zu quantifizieren sind – wäre die Zahl noch bedeutend höher."

Doch was bedeutet Massentierhaltung und warum ist die Fleischindustrie so bemüht, die Realität verschleiern? Die Fleischindustrie macht sich zunutze, dass in diesen Tagen nur noch wenige einen direkten Bezug zu Nutztieren haben. Mastfarmen werden von der Öffentlichkeit abgeschottet, die Tiere darin werden in den meisten Fällen die Sonne erst zu Gesicht bekommen, wenn sie zusammengepfercht zum Schlachthof gebracht werden. Falls sie bis dahin überlebt haben! "Massentierhaltung ist weniger von einem Maßnahmenkatalog als von einer Geisteshaltung bestimmt: Die Produktionskosten werden auf ein Minimum gedrückt, und Kosten wie Umweltzerstörung, Krankheiten bei Menschen und das Leiden der Türe werden systematisch ignoriert und nach außen verlagert. […] In der Massentierhaltung gilt die Natur als etwas zu Überwindendes."

Das hat nicht nur fatale Folgen für die Tiere selbst, die immer ein erbärmliches Leben führen, sondern auch für die Gesundheit derer, die diese Tiere essen. Dies lässt sich etwa am Beispiel von Masthühnern darstellen: "Es liegt auf der Hand, dass es nicht besonders gesund sein kann, deformierte, mit Medikamenten abgefüllte, gestresste Vögel in einem schmutzigen Raum voller Kot zusammenzupferchen. Abgesehen von Deformitäten sind Augenschäden, Blindheit, bakterielle Knocheninfektionen, Wirbelverschiebungen, Lähmungen, innere Blutungen, Anämie, Sehnenschäden, verkrümmte Unterschenkel und Hälse, Erkrankungen der Atemwege und schwache Immunsysteme häufige und seit Langem bekannte Probleme in der Massentierhaltung. Wissenschaftliche Studien und amerikanische Regierungsberichte lassen darauf schließen, dass praktisch alle Hühner […] mit E.coli infiziert werden (ein Indikator für fäkale Verunreinigungen) und zwischen 39 und 75 Prozent der Hühner im Supermarkt es immer noch sind." Damit die VerbraucherInnen das alles nicht am Geschmack erkennen, werden dem Huhn "Bouillon" oder Salzlösung injiziert. Übrigens: Artgerechte Haltung für ein Masthuhn bedeutet, dass ihm eine Fläche von ungefähr einen Din A4 Blatt zur Verfügung steht. Willkommen in der schönen neuen Konsumwelt!

Jonathan Safran Foer war nicht immer Veganer. Erst seit der Geburt seines Sohnes beschloss er, sich mit dem Thema Fleischkonsum dezidiert auseinander zu setzen. Er brach in eine Hühnerfarm ein, besuchte einen Schlachthof und auch Farmen, auf den Tiere wirklich artgerecht gehalten werden. Seine Recherchen ließen für ihn nur einen Schluss zu: Sein Kind wird ohne tierische Nahrung aufwachsen.

Zum Autor: Jonathan Safran Foer wurde 1977 in Washington D.C. geboren und ist Nachkomme jüdischer EinwandererInnen. Er studierte Philosophie in Princeton und lebt und schreibt in Brooklyn, New York. Er wurde international bekannt mit seinen beiden Romanen "Alles ist erleuchtet" und "Extrem laut und unglaublich nah", die mehrfach ausgezeichnet und in 36 Sprachen übersetzt wurden.

Weitere Infos finden Sie unter: www.eatinganimals.com

AVIVA-Tipp: "Tiere Essen" ist ein wahrlich beeindruckendes Buch. Es zeigt allzu deutlich, welchen Preis Nutztiere, aber auch die Menschen für den hohen Konsum an Fleischprodukten zahlen. Jonathan Safran Foer untersucht alle Aspekte der Massentierhaltung: abartige Tierquälerei, Überzüchtung, Medikamentenmissbrauch, als auch Umweltverschmutzung. Der wahre Preis wird nicht von der Fleischindustrie gezahlt, sondern von allen Mitgliedern der Gesellschaft. Die Lektüre dieses Buches ist oft schwierig und kaum zu ertragen und doch hat es die Kraft, das Bewusstsein zu schärfen und das eigene Essverhalten zu hinterfragen, im besten Fall sogar gründlich zu ändern.

Jonathan Safran Foer
Tiere essen

Originaltitel: Eating Animals
Aus dem Amerikanischen von Isabel Bogdan, Ingo Herzke und Brigitte Jakobeit
Kiepenheuer und Witsch, erschienen August 2010
Gebunden, 399 Seiten
ISBN 978-3-462-04044-9
19,95 Euro


Literatur

Beitrag vom 30.12.2010

Britta Leudolph 






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