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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 14.01.2011

Judy Chicago und Frances Borzello - Frida Kahlo: Face to Face
Anna Hohle

Seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts hat Frida Kahlo eine wahre Popularit├Ąts-Renaissance erlebt. Die K├╝nstlerin und Feministin Judy Chicago hat nun einen weiteren Bildband zum Werk ...



... der herausragenden mexikanischen Malerin herausgebracht.

Judy Chicago erlangte sp├Ątestens mit ihrer Installation The Dinner Party (1979) ÔÇô einer monumentalen Hommage an historische Frauenpers├Ânlichkeiten ÔÇô weltweite Bekanntheit. Seit Jahrzehnten setzt sie sich unerm├╝dlich f├╝r eine ad├Ąquate W├╝rdigung der Leistungen von K├╝nstlerinnen f├╝r das weltweite Kulturerbe ein.

In Frida Kahlo: Face to Face begibt sie sich gemeinsam mit ihrer Co-Autorin, der Kunsthistorikerin Frances Borzello, auf die Suche nach einem objektiven und unverf├Ąlschten Blick auf Kahlos umfangreiches Werk. Zu oft sei deren Kunst, so Chicago, als Ausdruck einer blo├čen Reaktion wahrgenommen worden: h├Ąufig auf die Bilder Diego Rivieras oder biographische Umst├Ąnde. Selten w├╝rden ihre Bildnisse als eigenst├Ąndige Kreationen betrachtet, als Kunst, die nicht auf etwas referiert, die nicht nur verarbeitet, sondern auch im Sinne einer l┬┤art pour l┬┤art eine ├╝berpersonelle G├╝ltigkeit besitzt.

Chicago und Borzello w├Ąhlten 90 Arbeiten Kahlos aus, um sie in dem 249 Seiten umfassenden Bildband anhand verschiedener ├╝bergeordneter Kategorien zu betrachten. Es handelt sich dabei um Begriffe, die wiederkehrende Themen in Kahlos Werk beschreiben, ohne es jedoch auf diese wenigen Motive beschr├Ąnken zu wollen.

Anhand jener Stichworte, die gleichzeitig als Kapitel├╝berschriften dienen, geben Chicago und Borzello einen Einblick in das weite Themen-Spektrum von Kahlos Kunst.
Unter der ├ťberschrift Frida┬┤s Circle verzeichnen sie zun├Ąchst Portraits von engen FreundInnen, G├Ânnern und Familienmitgliedern. Das anschlie├čende Kapitel Mirror Images fasst Bildexempel f├╝r die reichhaltigen Facetten von Kahlos Spiel mit Identit├Ąten und (konstruierten) Selbstbildern zusammen.
Es folgen Beispiele unter den Kapitel├╝berschriften Mexican Identity und My Diego, welches die Pr├Ąsenz der Person Diego Rivieras in Kahlos Bildnissen zum Thema hat. Fridas Cosmology, My Menagerie,Fruit and Flowers sowie Divided Self bilden weitere Themenschwerpunkte. Das letzte Kapitel befasst sich unter der ├ťberschrift Inside Out mit jenen Werken Kahlos, die die BetrachterInnen mit der schonungslosen Darstellung von K├Ârperlichkeit, Brutalit├Ąt, Schmerz und Leid konfrontieren.

Einen besonderen Reiz erh├Ąlt Frida Kahlo: Face to Face durch die bildbegleitenden Kommentare Chicagos und Borzellos, die sich in Dialogform interpretatorisch mit Kahlos Darstellungen auseinandersetzen. Immer wieder zieht Chicago dabei beispielhaft Werke zeitgen├Âssischer K├╝nstlerInnen heran, an denen sich der Einfluss Kahlos ablesen l├Ąsst. Im Vorwort Frida Kahlo and I schildert sie zudem ihre eigene k├╝nstlerische Auseinandersetzung mit der Mexikanerin.

Frances Borzello widmet sich in ihrem einf├╝hrenden Text The Art of Life einem speziellen Merkmal von Kahlos Arbeit: Der h├Ąufigen Anspielung auf die Retablos: kleine Votivbildchen der mexikanischen Volkskunst, die sich in Dank der ├ťberwindung von Leid und Gefahr durch Heilige widmen. Borzello betont die gro├če Bedeutung jenes Formates f├╝r Kahlos Kunst: "The overwhelming characteristic of even the most primitive retablo is its intimicy: its evidence of the fervent emotion of people dealing with distressing events with space for their personal words of thanks. All at once Frida had a format that allowed her to speak about the things that overwhelmed, disturbed, or fascinated her".

Das Resultat der Zusammenarbeit von Chicago und Borzello ist ein sehens- und lesenswerter Einblick in die Arbeit einer brillanten Malerin und gleichzeitig ein faszinierender Dialog zwischen den Werken ganz unterschiedlicher K├╝nstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Kahlo war eine der ersten in gro├čem Rahmen erfolgreichen K├╝nstlerinnen und bezeichnet in diesem Sinne laut Chicago auch ein "symbol of the new freedom claimed by women artists and the historic changes that brought women┬┤s creative voices into the world".

Ihr k├╝nstlerisches Erbe ├Âffnet den BetrachterInnen den Blick auf das Verborgene, Unheimliche, Triebhafte und Unbewusste ÔÇô das durch und durch Private und verweist dennoch auf die Universalit├Ąt jener Erfahrungen. Sie war Chicago zufolge "able to transform her private reality into universal thruths, thereby transcending the rallying cry of 1970s feminism ÔÇô that the personal is the political. Instead, her work teaches us that through art, one person┬┤s private universe has the capacity to reveal many people`s experiences".

Nicht zuletzt verdienen die f├╝r Buchumschlag und Layout des Bandes zust├Ąndigen GrafikerInnen ein dickes Lob. Hochwertiges Material und edles Design bestimmen bereits das auffallend sch├Âne Cover. Jede der 249 Seiten ist dank der kunstvollen Gestaltung einen zweiten Blick wert. Frida Kahlo: Face to Face ist rein optisch definitiv zu schade f├╝rs Regal und stellt selbst ein kleines Kunstwerk dar.

AVIVA-Tipp: Dieser umfangreiche Bildband gef├Ąllt zun├Ąchst rein optisch: Es ist ein wahres Vergn├╝gen, ihn zu durchbl├Ąttern und sich am aufwendigen und bildsch├Ânen Layout zu erfreuen. Auch inhaltlich ├╝berzeugt das Konzept von Chicago und Borzello: Es l├Ądt zu einer differenzierten Auseinandersetzung mit dem Werk der mexikanischen Malerin ein, ohne sich auf die bekannten biographischen Eckdaten zu beschr├Ąnken. Die LeserInnen erhalten Einblicke in die zahlreichen Facetten des Werkes einer faszinierenden Frau und schillernden Pers├Ânlichkeit, die trotz widrigster Lebensumst├Ąnde eine Vorreiterin weiblicher Kunst wurde.

Zu den Autorinnen:

Judy Chicago
ist K├╝nstlerin, Autorin, Erzieherin und Feministin. Sie gr├╝ndete in den siebziger Jahren gemeinsam mit Miriam Schapiro das CalArts Feminist Art Program und organisierte mit Womanhouse eine der ersten feministischen Kunstausstellungen. Mit der Installation The Dinner Party wurde sie weltbekannt. Dar├╝ber hinaus initiierte sie viele weitere feministische Kunstprojekte wie das Birth Project, Powerplay und Resolutions: A Stitch in Time. Ihr Projekt The Holocaust Project: From Darkness Into Light thematisiert den V├Âlkermord an den europ├Ąischen Juden im 20. Jahrhundert. Chicago erhielt zahlreiche internationale Preise. 2005 wurde sie vom Magazin der Union for Reform Judaism zu einer der Eight Jewish Women Who Changed the World gew├Ąhlt.
Weitere Infos und Kontakt: www.judychicago.com

Frances Borzello ist Kunsthistorikerin und Autorin. Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit bildet das Thema Frauen in der Kunstgeschichte. Borzello untersuchte dabei sowohl die Thematik der Frau als Model als auch die der Frau als K├╝nstlerin. Sie ver├Âffentlichte zahlreiche Publikationen wie Ihre eigene Welt. Frauen in der Kunstgeschichte, Wie Frauen sich sehen. Selbstbildnisse aus f├╝nf Jahrhunderten, A World of Our Own: Women as Artists, Reclining Nude und The Artist┬┤s Model. Borzello lebt und arbeitet in London.

(Quellen: Verlagsinformation, Homepage von Judy Chicago)

Judy Chicago und Frances Borzello
Frida Kahlo: Face to Face

Prestel-Verlag, erschienen Oktober 2010
englisch
Bildband, Hardcover, 252 Seiten
ISBN 978-3791343600
49,95 Euro
www.randomhouse.de

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"Maren Gottschalk - Die Farben meiner Seele. Die Lebensgeschichte der Frida Kahlo"

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Literatur Beitrag vom 14.01.2011 AVIVA-Redaktion 





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