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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 15.02.2009

Ellen Ismail - Sudaniya. Frauen aus Sudan
Claire Horst

"Freiheit ist ein Wort, das sich nur auf M├Ąnner bezieht". Dieses Zitat einer jungen Frau ist beispielhaft f├╝r die Aussagen der Sudanesinnen, die Ellen Ismail f├╝r ihr Buch ├╝ber Frauen im Sudan ...



... interviewt hat. Die promovierte Ethnologin lebte ├╝ber 20 Jahre in dem afrikanischen Land. Sie setzt sich seit Jahrzehnten f├╝r die Bek├Ąmpfung der weiblichen Beschneidung ein und hat im Sudan mehrere Frauenprojekte mitbegr├╝ndet.

Ismail hat 1989/90 und 2007/08 mit fast 30 Frauen ├╝ber das Leben im Sudan gesprochen. Die Gespr├Ąche verdeutlichen vor allem eins: Trotz ihrer sehr unterschiedlichen Lebensumst├Ąnde sind alle Frauen dem traditionellen Rollenverst├Ąndnis des Sudans, unterworfen. Eine gro├če Rolle spielt in den Gespr├Ąchen die k├Ârperliche Unterdr├╝ckung, die in der so genannten weiblichen Beschneidung (eigentlich einer Genitalverst├╝mmelung) zum Ausdruck kommt. Im Norden des Landes sind fast 90 Prozent der Frauen auch heute noch beschnitten.

Die patriarchale Struktur dr├╝ckt sich in allen Lebensbereichen aus. So k├Ânnen M├Ąnner im Sudan bis zu vier Frauen heiraten ÔÇô unabh├Ąngig von ihrer Religion. Viele Frauen berichten Scheidungen des Mannes, damit er eine j├╝ngere dazunehmen kann. Scheidung ist zwar auch Frauen erlaubt, jedoch haben sie dann keinen Anspruch auf ihre Kinder und verlieren ihren gesellschaftlichen Status.

Neben der Beziehung von Frauen und M├Ąnnern untersucht Ismail auch die Rolle von Traditionen wie dem Zar, einer Zeremonie, an der nur Frauen teilnehmen d├╝rfen. Die befragten Frauen stellen Zar als eine Art Gruppentherapie dar, bei der Frauen tanzen, singen und sogar Alkohol trinken und rauchen k├Ânnen, eine sonst unvorstellbare Freiheit. Eine Frau formuliert es so: Der Za erlaubt es den Frauen, sich wie M├Ąnner zu bewegen.

In den Interviews wird auch deutlich, dass es im Sudan eine gebildete weibliche Oberschicht gibt ÔÇô Frauen, die eine Universit├Ąt besucht und eine qualifizierte Stelle haben. Der Vergleich mit den Gespr├Ąchen von 1989 zeigt, dass die Stellung der Frauen sich verbessert hat, wenn auch nur minimal.

Wie die Autorin im Vorwort bemerkt, ist die Auswahl ihrer Gespr├Ąchspartnerinnen keineswegs repr├Ąsentativ f├╝r die Bev├Âlkerungsstruktur des Sudans ÔÇô sie hat vor allem mit St├Ądterinnen und mit ├╝berproportional vielen Akademikerinnen gesprochen. Trotzdem zeigt sich eine gro├če Bandbreite von Denkweisen. F├╝r einige Frauen ist der Kampf um Gleichberechtigung selbstverst├Ąndlich, w├Ąhrend andere davon ├╝berzeugt sind, dass M├Ąnner und Frauen von Natur aus unterschiedlich seien.

Die befragten Frauen sprechen sehr offen ├╝ber ihre Einstellung zu der Gesellschaft, in der sie leben. Die Leserin erf├Ąhrt sehr viel ├╝ber eine Lebenswelt, die in Deutschland fast unbekannt ist. Hintergrundinformationen zur Geschichte und Kultur des Landes bietet die Autorin im ersten Teil des Buches, einer Einf├╝hrung in verschiedene Aspekte der Gesellschaft des Sudans, etwa Familienstrukturen, Religionen und Menschenrechtslage. Hier wird die Auseinandersetzung zwischen westlichen und orthodox-islamischen Einfl├╝ssen deutlich, die oft auf dem R├╝cken der Frauen ausgetragen wird.

In diesem Teil wird auch das Bildungssystem des Landes dargestellt. Ein kaum bekanntes Thema sind die "Frauen des Widerstands", die bereits seit den vierziger Jahren f├╝r Frauenrechte im Sudan gek├Ąmpft haben. Die Organisation "Sudanese Women`s Union", die sich seit 1951 f├╝r Frauenrechte einsetzte, wurde unter der jetzigen Milit├Ąrregierung verboten. Ismail stellt die heutige Situation, in der Frauen in allen Lebensbereichen, bis hin zu ihrer Bekleidung, strengen Gesetzen unterworfen sind, der historischen Vergangenheit gegen├╝ber und berichtet von der gro├čen Macht der K├Âniginnen der Nilk├Ânigreiche.

Zur Autorin: Ellen Ismail promovierte in Ethnologie, Afrikanistik und Anglistik an der Universit├Ąt zu K├Âln. Sie lebte mehr als 20 Jahre im Sudan, lehrte und forschte an der University of Khartoum und war in der Entwicklungshilfe im Sudan t├Ątig. Seit 1979 engagiert sie sich f├╝r die Bek├Ąmpfung der weiblichen Beschneidung. Ellen Ismail ist mit einem sudanesischen Musikethnologen verheiratet und Mutter von drei Kindern. (Quelle: www.ellen-ismail.de)

AVIVA-Tipp: Insgesamt bietet das Buch umfangreiche Informationen ├╝ber das Leben von Frauen in einem Land, das zumeist nur aus der Kriegsberichterstattung bekannt ist. Spannend und oft sehr ber├╝hrend wird es durch die pers├Ânliche Erz├Ąhlweise der einzelnen Frauen. Ein kleines Manko sind die manchmal stark verallgemeinernden Bemerkungen und die zahlreichen Wiederholungen im Theorieteil.

Ellen Ismail
Sudaniya - Frauen aus Sudan

Peter Hammer Verlag, ├╝berarbeitete Neuausgabe, September 2008
Broschiert, 250 Seiten, mit Fotos
ISBN 978-3-7795-0203-6
19,90 Euro

Literatur Beitrag vom 15.02.2009 Claire Horst 





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