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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 28.08.2003

Wenn das Gl├╝ck kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen
Jana Scheerer

Halinka ist 12 Jahre alt und wohnt im Heim. Dort ist das ├ťberleben nicht einfach. Und Freundschaften st├Âren da nur. Oder doch nicht? Mirjam Pressler erz├Ąhlt eine traurige Geschichte voller Hoffnung.



Was mit ihrer Mutter los ist, wei├č Halinka nicht. Sie hat getrunken und Halinka geschlagen. Menschen, die Schlechtes erlebt haben, k├Ânnen selbst schlecht werden, sagt Tante Lou. Halinkas Mutter hat Schlimmes erlebt. Sie ist polnische J├╝din. Es ist 1952. Seit zwei Jahren ist Halinka im Heim.

Im Heim geht es ums ├ťberleben. Wer am st├Ąrksten ist, bekommt die meisten Kartoffeln und wer Schw├Ąche zeigt, wird das Opfer st├Ąndiger Sticheleien. Halinka passiert das nicht mehr, sie kennt sich inzwischen aus mit dem Leben im Heim.

Nicht so Renate, eines der sieben M├Ądchen, mit denen Halinka das Zimmer teilt. Jeden Abend weint Renate sich in den Schlaf. Halinka wei├č nicht warum, und zun├Ąchst ist es ihr auch egal. Gef├╝hle erlaubt sie sich nur ihrer Tante Lou gegen├╝ber. Bei ihr m├Âchte sie gerne leben, doch das Jugendamt erlaubt das erst, wenn Tante Lou verheiratet ist.

Als die Heimkinder zu einer Sammelaktion f├╝r das M├╝ttergenesungswerk aufgerufen werden, reagieren sie zun├Ąchst reserviert: F├╝r ihre M├╝tter ist dieses Geld bestimmt nicht gedacht! Halinka zieht mit einer B├╝chse los. Und siehe da: Das Sammeln l├Ąuft gut, und ganz nebenbei f├Ąllt f├╝r Halinka auch noch etwas dabei ab.

Denn wer am meisten sammelt, bekommt am Schluss der Aktion einen Preis. Halinka nimmt sich diesen Preis schon vorher: Mit einer Schere trennt sie den Draht der B├╝chse auf und nimmt zehn Mark f├╝r die Fahrt zu Tante Lou heraus. Trotzdem ist ihre B├╝chse die schwerste und vollste - und tats├Ąchlich gewinnt Halinka den Preis.

Halinkas Geschichte ist voller Verst├Ąndnis und Einsicht in die Psyche dieses zw├Âlfj├Ąhrigen M├Ądchens erz├Ąhlt. Besonders Erfrischend ist die Abwesenheit des moralischen Zeigefingers: Halinka stiehlt Geld aus der B├╝chse und bekommt trotzdem auch den Preis f├╝r die h├Âchste Sammelsumme - denn gut und b├Âse werden hier nicht auf "strafrechtlicher", sondern auf emotionaler Ebene verhandelt.

Tief beeindruckend ist auch der Einblick in die Welt des Mangels, in der diese M├Ądchen aufwachsen - emotional und materiell. Wenn Halinka gut angezogene Kinder an der Hand der Eltern sieht, wird sie unendlich w├╝tend. Und ihr Staunen beim Anblick eines Schlossparks ber├╝hrt genauso wie ihr Genuss eines Wiener W├╝rstchens.

Mirjam Pressler ist 1940 in Darmstadt geboren und besuchte die Hochschule f├╝r Bildende K├╝nste in Frankfurt. Heute lebt sie als freie Schriftstellerin und ├ťbersetzerin in M├╝nchen. "Wenn das Gl├╝ck kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen" wurde mit dem Z├╝rcher Jugendliteraturpreis "La vache qui lit" ausgezeichnet.

Halinka pr├╝gelt sich schlie├člich mit einem anderen M├Ądchen, um Renate zu sch├╝tzen. Damit verschafft Halinka sich Respekt und ├Âffnet sich f├╝r Renates Freundschaft. Denn in Person der kleinen, schwachen und z├Ąrtlichen Renate kommt das Gl├╝ck - und Halinka stellt ihm einen Stuhl hin.



Mirjam Pressler
Wenn das Gl├╝ck kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen

Beltz & Gelberg, 1998
ISBN 3 407 78293 4
Paperback, 209 Seiten
Euro 7,90

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Literatur Beitrag vom 28.08.2003 AVIVA-Redaktion 





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