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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 29.03.2004

Leora Tanenbaum - Catfight
Tatjana Zilg

Gehen Frauen mit Konkurrenz subtiler um als M√§nner? Das Buch untersucht weibliche Rivalit√§t in Arbeitswelt, auf Partnersuche und unter M√ľttern. Ein pessimistischer Blickwinkel mit positivem Ausblick



Konkurrenzverhalten unter Frauen - ein heikles Thema.
Die Autorin Leora Tanenbaum sieht Frauen unter einem enormen Druck, der dazu f√ľhrt, dass sie sich st√§ndig mit ihren Geschlechtsgenossinnen vergleichen. Ist die andere erfolgreicher, attraktiver, besser angezogen, weiter in ihrer Karriere, so schlage die Neidfalle zu, was zu subtilen Machtk√§mpfen und Herabsetzungen f√ľhre. Die Konsequenz ist, dass M√§nner in ihrer dominanten Position weiter gest√§rkt werden.

Der Druck wird nach Ansicht Tanenbaums durch die widerspr√ľchlichen gesellschaftlichen Erwartungen und Rollenbilder, die an die heutige Frau gestellt werden, erzeugt. So sollen Frauen zum einem hohe Qualifikationen erwerben und erfolgreich im Beruf sein, zum anderem sollen sie rechtzeitig einen Lebenspartner finden und Kinder bekommen. Auch das Sch√∂nheitsideal sei wieder gestiegen: Wurde die Betonung von K√∂rperlichkeit in der ersten Phase der Frauenbewegung noch abgelehnt, so tr√§gt die erfolgreiche Frau der 90er wieder enge k√∂rperbetonende, modische Kleidung.

Frauen werden mit √§usserst widerspr√ľchlichen Vorurteilen konfrontiert: Weiblichkeit wird oft mit wenig Entscheidungsfreudigkeit gleichgesetzt, man traut Frauen keine F√ľhrungsqualit√§ten zu. - Wenn sie jedoch in F√ľhrungspositionen aufgestiegen sind, wird ihnen vorgeworfen, sie seien aggressiv und maskulin.

Anhand von meist Einzelbeispielen will Tanenbaum darlegen, dass Frauen durch den massiven Druck, der auf ihnen lastet, st√§ndig glauben, ihren Wert beweisen und ihrer Umwelt demonstrieren zu m√ľssen, dass sie ihre Position auch verdient haben. Durch die st√§ndige kritische Beobachtung durch ihr m√§nnliches Umfeld sind sie √ľberkritisch mit sich selbst und geraten in einem Profilierungszwang gegen√ľber anderen Frauen, der gegenseitigen Respekt, Anerkennung und Wertsch√§tzung sowie kooperative Teamarbeit verhindert. Dies wird nach Tanenbaum durch die gesellschaftliche Vorrangstellung der M√§nner verst√§rkt: M√§nnern wird mehr Kompetenz und Handlungsf√§higkeit in der Politik zugetraut, der Grossteil der ArbeitnehmerInnen bevorzugt einen Mann als Chef. Hier fragt sich, ob Tanenbaums Thesen teils nicht sehr amerikaspezifisch sind. In Deutschland bekommen bei der gro√üen Unzufriedenheit mit der gegenw√§rtigen politischen Situation Frauen in politischen √Ąmtern doch verst√§rkt positive Aufmerksamkeit.

Die Identfikation mit den dominanten Werten wird als "Bienenk√∂nigin"-Ph√§nomen bezeichnet. Hierzu verweist Tanenbaum auf eine Studie vom Januar 1974 (!) der Zeitschrift "Psychology Today" √ľber Frauen, die "in einem m√§nnlich gepr√§gten Bereich" erfolgreich sind.
Sie bezeichnet dies als bahnbrechende Studie, die noch heute gilt. Dieser lange Zeitraum mutet doch eher unglaubw√ľrdig an. Die Ergebnisse dieser Studie belegen, dass die befragten Frauen wenig kritisch gegen√ľber dem f√ľr Frauen schwer zu durchbrechendem Hierarchiesystem sind und sich im hohen Ma√üe mit ihren m√§nnlichen Kollegen identifizieren. Die Distanzierung vom Emanzipationsgedanken, indem die Frau in einer F√ľhrungsposition sich selbst als Ausnahme, als einzigartig definiert, wird mit dem Sonderstatus eine Bienenk√∂nigin verglichen.

Neben den vielen Einzelfallbeispielen sowie einigen populärwissenschaftlichen Untersuchungen analysiert Tanenbaum auch literarische Texte.
Die Faszination vieler Kulturen am M√§rchen √ľber Aschenputtel, die von ihrer b√∂sen Stiefmutter und deren T√∂chter aus Angst vor ihrer Sch√∂nheit und purer Rachsucht kleingehalten wird, zeigt, dass Konkurrenz und Rivalit√§t ein Thema ist, das Frauen mythisch bewegt.

Tanenbaum beschreibt, dass Frauen weiterhin stark von der Suche nach dem richtigen Partner gepr√§gt seien, der sie um M√§nner mit den Waffen der Sch√∂nheitsindustrie konkurrieren l√§sst. Sch√∂nheitsideale sind tief verinnerlicht, wozu sie u. a. den Erfolg der "Bridget Jones"- Romane von Helen Fielding heranzieht. Sehr bedenklich sind die Ausf√ľhrungen zur Partnersuche schwarzer Frauen. Offensichtlich geht Tanenbaum davon aus, dass eine schwarze Frau immer einen schwarzen Mann sucht, denn sie sieht das spezifische Problem darin, dass es weitaus weniger attraktive schwarze M√§nner gibt als schwarze Frauen. Die Unterscheidung zwischen "schwarzen" und "wei√üen Amerika" mutet rassistisch an.

In einem abschlie√üendem Epilog gibt Tanenbaum konkrete Handlungsvorschl√§ge zur Milderung der destruktiven Konkurrenz, der aber zum Verh√§ltnis der ausf√ľhrlichen Fallbeispiele sehr kurz ausf√§llt und lediglich einige Gedanken der Emanzipationsbewegung aufgreift.

Leora Tanenbaum ist in den USA als Sachbuch-Autorin und Journalistin sehr bekannt. Ihr erstes provokativ betiteltes Buch "Slut! Growing Up Female with a Bad Reputation" untersuchte, wieso und mit welchen Folgen bestimmte M√§dchen an der Schule oder der Universit√§t als "Schlampen" gebrandmarkt werden. Sie lebt in New York und schreibt f√ľr Zeitschriften wie Ms., Seventeen und The Nation.

AVIVA-Tipp: Die Aktualit√§t des Buches erscheint fragw√ľrdig. Der Erfolg von "Sex & The City", "Ally Mac Beal", "Bridget Jones", die Tanenbaum als Beleg daf√ľr benennt, dass Konkurrenz unter Frauen gesellschaftlich propagiert wird, zeigt auch, dass das Bewusstsein √ľber das Ph√§nomen sehr gestiegen ist, und die Bereitschaft, sich damit auch auf ironische Art auseinander zusetzen, gro√ü. Zu kurz kommt auch die Darstellung der Gegenseite: Das m√§nnliche Konkurrenzverhalten. Tanenbaum meint, meist ohne konkrete Fallbeispiele, dass M√§nner mit Konkurrenz offener und ehrlicher als Frauen umgehen. Dem widerspricht die seit einigen Jahren aktuelle Diskussion um Mobbing am Arbeitsplatz, in der etliche F√§lle von √§ussert hinterh√§ltigem Macht- und Verdr√§ngungsk√§mpfen durch M√§nner bekannt wurden.



Catfight
Weibliches Konkurrenzverhalten - und wie Männer davon profitieren
Leora Tanenbaum

Ariston im Heinrich Hugendubel Verlag
März 2004
ISBN 3 7205 2511 2
Euro 19,95
224 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag200268288575"

Literatur Beitrag vom 29.03.2004 AVIVA-Redaktion 





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