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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 09.03.2005

Weit ist der Weg nach Westen - Auf der Fluchtroute von Marion GrÀfin Dönhoff
Tina Kosleck

Tatjana GrĂ€fin Dönhoff begibt sich auf eine Zeitreise und folgt der Fluchtroute, die ihre Großtante Marion im Jahr 1945 aus Ostpreußen angetreten ist.



Im Jahr 1945 floh Marion GrĂ€fin Dönhoff vor der Roten Armee aus ihrer Heimat Ostpreußen in Richtung Westen. In acht Wochen legte sie 1.600 Kilometer auf dem RĂŒcken ihres Pferdes Alarich zurĂŒck, bevor sie in Westfalen ankam. Fast ein halbes Jahrhundert spĂ€ter begibt ihre Großnichte Tatjana sich auf Spurensuche, folgt der Route, die ihre Großtante damals eingeschlagen hat.

Aus dem damaligen Quittanien in Ostpreußen ist Kwitajni geworden. Das halbe Jahrhundert hat Spuren hinterlassen. Kriegsende, kalter Krieg, Wendezeit und EU-Beitritt - all diese Zeiten streift Tatjana GrĂ€fin Dönhoff auf ihrer Zeitreise.
Alle bekommen durch die Geschichten, die Menschen ĂŒber sie zu erzĂ€hlen haben, eine Erfahrbarkeit. Es sind Menschen, die damals gelebt haben, die heute leben. Sie alle haben eine Geschichte zu erzĂ€hlen und dafĂŒr leiht Tatjana GrĂ€fin Dönhoff ihnen ihre Stimme. So gelingt es der Autorin, ihren LeserInnen einen Einblick in den Alltag ihrer nahen und doch so fernen polnischen NachbarInnen zu ermöglichen.

Es sind Landschaftsbeschreibungen, Erinnerungen ihrer Großtante und PortrĂ€ts, mit denen die Autorin ihren Weg beschreitet. Warmherzig macht Tatjana GrĂ€fin Dönhoff ihre LeserInnen mit den Menschen, die sie getroffen hat, bekannt - und den LeserInnen gefĂ€lltÂŽs.

Die Menschen, Landschaften und GebĂ€ude, die Tatjana GrĂ€fin Dönhoff, ihren LeserInnen vorstellt, werden von wunderbaren, eindrĂŒcklichen Momentaufnahmen des Fotografen Jo Röttger begleitet und ergĂ€nzt. Durch die Verbindung von Bildern und Text werden eben diese Menschen, Landschaften, GebĂ€ude zum Leben erweckt. Besonders die Portraits sind gelungen: Menschen, die nur selten direkt in die Kamera blicken, sondern in ihrem Alltag, ihrer Arbeit - manchmal in der Bewegung - von seiner Kamera eingefangen wurden.

In ihrem Vorwort schreibt Tatjana GrĂ€fin Dönhoff, dass sie sich auf ihrer Reise verliebt hat, dass sie sich "im Land ihrer VĂ€ter emotional zu Hause fĂŒhlt". Dass sie dieses GefĂŒhl in ihrem Buch vermitteln kann, ist ihr großer Verdienst und bringt Lust am Lesen.

Marion GrĂ€fin Dönhoff wurde nach Kriegsende als Publizistin und Herausgeberin der ZEIT bekannt. Sie schrieb ein Buch ĂŒber ihre Flucht "Namen, die keiner mehr nennt". Alice Schwarzer verfasste eine Biographie ĂŒber Marion GrĂ€fin Dönhoff "Marion Dönhoff. Ein widerstĂ€ndiges Leben".

AVIVA-Tipp: Nicht nur fĂŒr Ostpreußen-Kenner und -LiebhaberInnen eine Ă€ußerst interessante, dabei aber auch unterhaltsame LektĂŒre.

Zur Autorin: Tatjana GrĂ€fin Dönhoff, geboren 1959, studierte Politologie, Journalistik und Geschichte und arbeitet seit den achtziger Jahren als Journalistin und Autorin, u.a. fĂŒr die Magazine Stern, Max, Marie Claire, Playboy und The European.

Zum Fotografen: Jo Röttger, geboren 1954, studierte Fotografie in Dortmund. Seit 1981 arbeitet er mit dem ZEIT-Magazin zusammen. 1984 wurde er Mitglied der Fotografengruppe "Visum" und arbeitete fĂŒr verschiedene internationale Magazine. Heute lebt er in Hamburg, ist hauptsĂ€chlich fĂŒr Corporate Communication tĂ€tig und realisiert eigene fotografische Projekte.



Weit ist der Weg nach Westen
Auf der Fluchtroute von Marion GrÀfin Dönhoff
Tatjana GrÀfin Dönhoff

Fotos Jo Röttger
Nicolai-Verlag, erschienen Oktober 2004
ISBN 3-89479-215-9
248 Seiten, gebunden
29,90 Euro200665039275"

Literatur Beitrag vom 09.03.2005 AVIVA-Redaktion 





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