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AVIVA-BERLIN.de im September 2021 - Beitrag vom 05.01.2005


Frau ohne Kind
Julia Mende

Eine Tafelrunde der etwas anderen Art: Viola Roggenkamp hat zwölf kinderlose Frauen zusammengeführt und sie gebeten, von ihrer oftmals schweren Entscheidung gegen die Mutterrolle zu erzählen.




Wie ist sie eigentlich, die Frau ohne Kind? Egoistisch? Beruflich erfolgreich, aber einsam? Frei und ungebunden? Von Müttern bemitleidet, weil sie das besondere Gefühl, ein Kind zu haben, nie erlebt hat? Oder vielleicht bewundert, weil sie sich frei und ganz bewusst gegen die Mutterrolle entschieden hat? Tatsache ist, dass die Zahl der Geburten in Deutschland stetig sinkt. Die kinderlose Frau ist längst kein Ausnahmephänomen mehr. Immer mehr Frauen entscheiden sich ganz bewusst gegen ein Kind.

Viola Roggenkamp erkannte, dass das Thema "Frau ohne Kind" viel Gesprächstoff bietet und hat zwölf Frauen zu einer Tafelrunde geladen. Sie alle verbindet ein Leben ohne Kind(er). Neben kulinarischen Hochgenüssen werden an diesem Abend auch persönliche Geschichten aufgetischt. Jede der zwölf Frauen erzählt, warum sie sich gegen ein Kind entschieden hat. So verschieden, wie die Frauen selbst, sind auch ihre Geschichten. Mal traurig und wehmütig, mal komisch und locker, mal zornig und verbittert, aber immer schonungslos offen. Da ist zum Beispiel Martina, die promovierte Diplompädagogin, die mit 38 Jahren feststellen muss, dass ihr Ehemann ihr die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, längst abgenommen hat. Er selbst ist 55, hat bereits eigene Kinder und wird bald Opa. Ein weiteres Kind kommt daher nicht für ihn in Frage.

Ähnlich ergeht es der inzwischen 53 jährigen Renate. Aus Rücksicht zu ihrem Mann, der beruflich viel unterwegs ist, schob sie ihren Kinderwunsch auf. Die fadenscheinigen Ausreden und die häufige Abwesenheit ihres Mannes lassen sie misstrauisch werden.
Bei ihren Nachforschungen muss sie erfahren, dass er mit einer anderen Frau eine kleine Tochter hat, die er jahrelang vor Renate verbarg.

Ganz anders sieht es dagegen bei der lesbischen Barbara aus. Die 48 jährige konnte sich nie mit dem Gedanken anfreunden, selbst ein Kind auszutragen. Ihre Frau hingegen wünscht sich mit Hilfe künstlicher Befruchtung Nachwuchs und macht Barbara somit vielleicht bald zur Co-Mutter.

Diese persönlichen und intimen Geschichten gemixt mit historischen Informationen über kinderlose Frauen hätten "Frau ohne Kind" zu einer sehr interessanten und empfehlenswerten Lektüre machen können.
Dieses Buch ist jedoch leider keine liebevolle Betrachtung über Menschen, die Entscheidungen treffen. Es wirkt vielmehr wie eine Rechtfertigung für den Entschluss, kein Kind zu wollen. Kaum eine der Frauen scheint glücklich zu sein, in ihren Aussagen schwingt eine gehörige Portion Verbitterung mit. Selbst im intimen Kreis der Frauen argumentieren die Erzählerinnen aus jener Abwehrhaltung heraus, die sie auch im Alltag einzunehmen scheinen. Hinter den Bemerkungen von Außenstehenden wird nur zu gerne gleich ein Angriff vermutet. Ein Angriff auf ihre Entscheidungsfreiheit als Frau, auf ihren Lebensstil. Sind Frauen ohne Kinder wirklich so? Am Ende bleibt die traurige Erkenntnis, dass man so nie werden möchte.

Zur Autorin: Viola Roggenkamp, geboren 1948, deutsche Jüdin, lebt als freie Autorin in Hamburg. Sie zählt zu den bekanntesten feministischen Publizistinnen in Deutschland. Sie hat Psychologie, Philosophie und Musik studiert, reiste und lebte mehrere Jahre in Ländern Asiens und in Israel.
Sie beschäftigt sich mit Feminismus, Psychoanalyse und jüdisch-deutschen Zusammenhängen. Zahlreiche Veröffentlichungen in politischen und belletristischen Anthologien liegen vor sowie "Von mir soll sie das haben? Sieben Porträts von Müttern lesbischer Töchter." (Krug & Schadenberg Verlag, 1996) und "Tu mir eine Liebe. Meine Mamme." Jüdische Frauen und Männer in Deutschland sprechen über ihre Mutter (2002). Im Frühjahr 2004 veröffentlichte sie mit großem Erfolg ihren ersten Roman, "Familienleben" und im Herbst 2004 das Pendant zum "Mütter"-Buch: "Mein Bild von ihm. Lesbische Frauen erzählen von ihren Vätern". Viola Roggenkamp ist langjährige ZEIT-Autorin, Kolumnistin der taz und schreibt für die Jüdische Allgemeine. Des Weiteren ist sie Mitglied im Kuratorium des Feministischen Instituts der Heinrich-Böll-Stiftung.

AVIVA-Tipp: Gute Ansätze, einseitig interpretiert. "Frau ohne Kind" hinterlässt einen schalen Nachgeschmack und bietet keine neuen Erkenntnisse.

Viola Roggenkamp
Frau ohne Kind
Gespräche und Geschichten- eine Tafelrunde

Europa Verlag GmbH, Februar 2004
ISBN 3-203-81512-5
17,90 Euro
239 Seiten, Hardcover90008115&artiId=2725064"



Literatur

Beitrag vom 05.01.2005

AVIVA-Redaktion 






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