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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 04.02.2003

Fania Fénelon - Das Mädchenorchester von Auschwitz
Natasa Konopitzky

"Man sollte ‚Ķ f√ľr den Hass Worte erfinden, die noch unverbraucht, noch nicht abgegriffen sind, die noch keinem anderen Hass dienten!"



Auschwitz, Januar 1944. Die Pariser S√§ngerin Fania F√©nelon, Tochter eines wohlhabenden j√ľdischen Kaufmanns, entkommt bei ihrer Ankunft knapp der Gaskammer und findet sich anschlie√üend in einer "grotesken" Situation wieder: Als vermeintlich privilegiertes Mitglied des M√§dchenorchesters muss sie in einer Vernichtungsmaschinerie, die bis zu 25.000 Menschen t√§glich mordet, singen und Musikkompositionen neu arrangieren...

Soup√© f√ľr die Schl√§chter der SS und "motivierende" M√§rsche f√ľr deren Opfer

Jeden Tag spielen Fania F√©nelon und ihre Leidensgenossinnen um ihr Leben. In blauen Faltenr√∂cken stimmen die Musikerinnen einen Marsch an, w√§hrend vor ihren Augen Lagerinsassinnen von den Hunden der SS zerfleischt werden. Das Orchester spielt f√ľr Mengele oder die Lagerf√ľhrerin, die im Anschluss an ihrer "harten Arbeit" nach etwas Entspannung suchen, aber auch f√ľr die Frauen, deren K√∂rper am elektrischen Zaun zucken.

Spielen, um zu √ľberleben

Todesangst bestimmt den Alltag der j√ľdischen und nicht-j√ľdischen Musikerinnen aus allen Teilen Europas. Sie werden geschlagen, erniedrigt und haben kaum etwas zu essen. Alma Ros√©, die Nichte Gustav Mahlers, leitet das Frauenorchester, das st√§ndig vor der willk√ľrlichen Aufl√∂sung bedroht ist.
Mit sehr strenger Hand und einem Taktstock, der gleichzeitig auch zur Z√ľchtigung dient, versucht sie die jungen Frauen zu H√∂chstleistungen anzutreiben. Verzweifelt sehen die Musikerinnen das Orchester als Rettung vor der Gaskammer.

Alltag in der Hölle von Auschwitz

Der Tod ist allgegenw√§rtig, die SS unberechenbar, fast 50 Frauen sind auf engstem Raum eingesperrt. Anschaulich transportiert F√©nelon die unglaubliche Gef√ľhlsintensit√§t dieser Extremsituation. Mit viel Einf√ľhlungsverm√∂gen beschreibt sie die Beziehungen der Frauen untereinander. H√∂flichkeiten verlieren ihre Funktion, es herrscht rohe Ehrlichkeit. Gegenseitig geben sie sich Halt, erleben Momente ausgelassenen Gl√ľcks, bestehlen sich, schlagen sich.
Hass und Eifersucht sind auf der Tagesordnung.
Mit bewundernswerter Lebendigkeit und Leichtigkeit erzählt Fénelon von dem Horror des Lagerlebens, aber auch von dessen freudigen Augenblicken.
Sie l√§sst ihren Mith√§ftlingen viel Raum und gibt die Gespr√§che in direkter Rede wieder, wodurch ein sehr authentisches und unmittelbares Bild entsteht. Schon nach k√ľrzester Zeit sp√ľrt frau, wie die Intensit√§t der Angst das Zeitgef√ľhl schwinden l√§sst, jegliche Erinnerung an ein Leben in Freiheit zu einem fernen Traum und totaler Wahnwitz zum Alltag wird.



Fania Fénelon
Das Mädchenorchester in Auschwitz

Dtv Deutscher Taschenbuch Verlag, 2002
320 Seiten. kartoniert
&euro 9,97
ISBN 3-423-01706-6200410943075"

Literatur Beitrag vom 04.02.2003 AVIVA-Redaktion 





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