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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 08.02.2006

Scham - Karin Alvtegen
Tatjana Zilg

Drei UnfĂ€lle, ein Mordfall. Verlust und Schmerz. Vier Frauen verlieren die ihnen wichtigsten Menschen. FĂŒr drei bedeutet dies auch Schuld und Scham, Flucht in ein inneres GefĂ€ngnis. Psychothriller



Monika Lundvall scheint ein Leben zu fĂŒhren, wie es sich viele Frauen wĂŒnschen wĂŒrden. Zwar hat sie keinen Partner, aber sie ist sehr erfolgreich in ihrem Beruf als Ärztin an einem Krankenhaus und bewohnt eine Eigentumswohnung in einer der begehrtesten Gegenden der Kleinstadt. Mit 38 Jahren begegnet sie Thomas, der GefĂŒhle in ihr zum Schwingen bringen kann, die sie tief in sich verborgen hatte, denn sie glaubt kein Recht darauf zu haben, glĂŒcklich zu sein.
Sie trĂ€gt seit ihrem siebzehnten Lebensjahr ein Geheimnis mit sich herum, das sie bisher niemanden anvertrauen konnte. Ihr Bruder starb bei einem Feuer, das nach einer Party im Haus einer Freundin ausbrach. Monika ĂŒberlebte.
Ihre Mutter, seitdem in tiefer Trauer um ihren Sohn, ist fĂŒr die Tochter kaum noch emotional vorhanden. Sie gehen zwar regelmĂ€ĂŸig auf dem Friedhof, aber sprechen nie ĂŒber ihre wahren Gedanken zu dem Unfall.

Innerlich wird Monika gequĂ€lt von einem Strudel aus SchuldgefĂŒhlen.
Als das Haus brannte, hat sie an nichts anderes gedacht, nur daran, wie sie schnellstmöglichst aus der Todesfalle herauskommt. Sie wirft sich vor, den Bruder nicht geweckt zu haben. Allein gelassen mit dem seelischen Konflikt versuchte sie, eine Zuflucht im Studium und spĂ€ter in der Arbeit zu finden. Jedes gerettete Menschenleben hilft ihr kurzzeitig, sich weniger schuldig zu fĂŒhlen, doch nach der Arbeit kehren die dunklen Gedanken zurĂŒck.
Als sie Thomas trifft und sich innerhalb kĂŒrzester Zeit eine intensive Liebesbeziehung voller NĂ€he entwickelt, erlaubt sie sich zum ersten Mal, die Chance auf eine glĂŒckliche Partnerschaft zu ergreifen.

Dann geschieht ein weiterer Unfall. Auf der RĂŒckfahrt von einem Seminar verunglĂŒckt der Wagen einer Teilnehmerin, der Beifahrer stirbt. Durch eine ungĂŒnstige Verquickung der UmstĂ€nde fĂŒhlt sich Monika erneut schuldig. Und diesmal wird es ihr nicht gelingen, den GefĂŒhlsstrudel gesellschaftlich adĂ€quat zu kompensieren. Um der Witwe Pernilla beizustehen, riskiert sie ihre berufliche Existenz und verlĂ€sst Thomas.

In derselben Kleinstadt lebt Maj-Britt, die seit 32 Jahren ihre Wohnung nicht verlassen hat. Sie ist extrem fettleibig und vertreibt mit ihrer sarkastischen Gemeinheit einen Hauspflegedienst-Angestellten nach dem anderen. Auch in ihrer Vergangenheit liegen dunkle Geheimnisse verborgen, die sie aber zutiefst verdrĂ€ngt hat. Im Gegensatz zu Monika hat sie die Ereignisse, die zur Ablehnung des eigenen Körpers gefĂŒhrt haben, aus ihrer Gedankenwelt verbannt. Ein Brief von ihrer ehemaligen Jugendfreundin Vanja, die wegen Mordes zu einer GefĂ€ngnisstrafe verurteilt wurde, verĂ€ndert dies. Erst versucht sie mit den bewĂ€hrten Verhaltensmustern, die Existenz der gemeinsamen Vergangenheit zu verdrĂ€ngen. Aber sie kann sich nicht gegen die Flut der Erinnerung wehren. Ellinor, eine junge Pflegediensthelferin, lĂ€sst sich nicht vertreiben und wird Maj-Britt die notwendige UnterstĂŒtzung geben, um den Schritt aus dem Labyrinth der SchamgefĂŒhle hinaus zu wagen.

Die Begegnung der vier Frauen untereinander ist zunÀchst von UnverstÀndnis geprÀgt. ZunÀchst werden sie nicht viel voneinander erfahren und dennoch brechen sie gegenseitig die eingefahrenen Verhaltensmustern auf.

Der Roman ist Ă€ußerst vielschichtig angelegt, was der Autorin meisterhaft gelingt. Die einzelnen HandlungsstrĂ€nge werden in sehr eindringlicher und dichter Weise geschildert. Obwohl die traumatischen Erlebnisse alles andere als einfach strukturiert sind, gelingt ein tiefbewegender Einblick in die KomplexitĂ€t der gesellschaftlich tabuisierten GefĂŒhle der Schuld und Scham. Das Umfeld der Frauen ist zum grĂ¶ĂŸten Teil eher desinteressiert an den Motiven ihrer außergewöhnlichen Lebensmuster. Es wird sehr deutlich, dass Thomas und Ellinor Ausnahmen sind, die erkannt haben, welche Dramen im Schicksal von Monika und Maj-Britt verborgen sind und wie wichtig es ist, ihnen Halt und UnterstĂŒtzung zu bieten, auch wenn beide Frauen sich lange Zeit nicht ĂŒberwinden können, die Hilfe anzunehmen.

AVIVA-Tipp: Die Ereignisse der Vergangenheit, die nur so schwer ausgesprochen werden können, sorgen fĂŒr eine mysteriös-rĂ€tselhafte AtmosphĂ€re, die den Roman auf hohem Thriller-Level hĂ€lt. Sehr lesenswert. Es erfolgt keine Verurteilung, aber auch keine sentimentale Freisprechung. Aber Vorsicht, wenn das Buch als BettlektĂŒre gelesen wird, kann eine schlaflose Nacht die Folge sein: Zum einen sind die Konflikte so vielschichtig, dass es schwer fĂ€llt, das Buch aus der Hand zu legen, ohne die nĂ€chsten Puzzlesteine geliefert zu bekommen. Zum anderen könnten die Schicksale zu AlptrĂ€umen fĂŒhren, denn was die Leserin ĂŒber die Frauen erfahren wird, geht tief unter die Haut und wurde selten in so genialer Weise zu einem Roman verarbeitet.

Zur Autorin:
Karin Alvtegen
wurde 1965 geboren. Sie ist die Großnichte von Astrid Lindgren und lebt mit ihrer Familie in Stockholm. Sie schrieb bereits drei Romane ("Schuld", "Die FlĂŒchtige", "Der Seitensprung"), die sie in die Spitzenriege schwedischer KriminalautorInnen aufsteigen ließen.
Karin Alvtegen im Netz: www.karinalvtegen.com


AVIVA-Berlin verlost 3x "Scham" aus dem Wunderlich Verlag. Bitte nennen Sie uns einen weiteren Buchtitel der Autorin Karin Alvtegen und senden Sie bis zum 20.04.2006 eine eMail an folgende Adresse: gewinnspiel@aviva-berlin.de


Scham
Karin Alvtegen

Originaltitel: Skam
Übersetzt von Dagmar Lendt
Wunderlich Verlag, erschienen Januar 2006
ISBN: 380520809X
Gebunden, 350 Seiten
19,90 Euro90008115&artiId=3563831"


Literatur Beitrag vom 08.02.2006 AVIVA-Redaktion 





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