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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 31.10.2005

Vor dem Zitronenbaum
Sarah Ross

In seinen "autobiographischen Abschweifungen" erz├Ąhlt Hellmut Freund mit Witz und Charme von seiner Kindheit in Berlin, der Emigration nach Uruguay im Jahr 1939 und seiner R├╝ckkehr nach Deutschland



Mit seiner Autobiographie "Vor dem Zitronenbaum. Autobiographische Abschweifungen eines Zur├╝ckgekehrten" hinterl├Ąsst uns der legend├Ąre Lektor des S.Fischer Verlags, Hellmut Freund, ein einmaliges Zeugnis seines Lebens. In diesem Buch ist nicht vorrangig von der Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung der Juden w├Ąhrend des Holocausts die Rede, sondern von den wenigen Menschen, die nach dem Krieg nach Deutschland zur├╝ckgekehrt sind. In Hellmut Freunds Werk spiegelt sich nicht nur der einzigartige Intellekt des Autors wider, sondern auch die Atmosph├Ąre jener deutsch-j├╝dischen Kultur, die uns Nachgeborenen leider nur ganz selten vermittelt wird.

Lange Zeit hatte sich Hellmut Freund all den Bitten widersetzt, seine Erinnerungen aufzuschreiben - fast bis zuletzt. Die HerausgeberInnen Vikki Schaefer und Leo Domzalski haben in langen Gespr├Ąchen die Erinnerungen von J. Hellmut Freund auf Tonband aufgezeichnet, und somit die Grundlage zu diesem Buch geschaffen. Dabei ├╝berraschte der Autor die Herausgeber immer wieder mit seinem unersch├Âpflichen Wissen, seinem erstaunlichen Ged├Ąchtnis und seiner F├Ąhigkeit, im Gespr├Ąch weite B├Âgen zu schlagen und ├╝berraschende Zusammenh├Ąnge herzustellen.

"Vor dem Zitronenbau" beginnt mit den Erz├Ąhlungen ├╝ber die beh├╝tete Kindheit und die Jugendjahre des Autors im Berlin der Nazizeit, mit der Schilderung des b├╝rgerlich-intellektuellen Elternhauses und der fr├╝hen literarischen Eindr├╝cke, die er dort sammelte. Von dort spannt Freund einen weiten Bogen vom Jahr 1939, als der zwanzigj├Ąhrige Hellmut, seine Eltern und Gro├čeltern noch das Gl├╝ck hatten, Berlin zu verlassen und nach Uruguay auszuwandern, ├╝ber seine R├╝ckkehr nach Deutschland im Jahr 1960, bis hin zu seinen letzten Jahren als Lektor im S.Fischer Verlag.

Obwohl dem jungen Hellmut Freund im Exil schwere Pr├╝fungen auferlegt wurden, so schildert er dennoch ohne jede Bitterkeit die Anfangsschwierigkeiten in der Emigration und den Tag, als er erkannte, dass er der einzige j├╝dische Sch├╝ler in seiner Klasse ist. Sehr deutlich sp├╝rt man beim Lesen die Dankbarkeit, die ihn erf├╝llt haben muss, als er ├╝ber die Begegnungen und Freundschaften schrieb, die aus seiner journalistischen Arbeit in Montevideo und Buenos Aires erwuchsen und sein Leben nachhaltig beeinflusst hatten. Nach seiner R├╝ckkehr nach Deutschland hat der Autor vierundvierzig Jahre lang als Lektor das Programm des S.Fischer Verlags mitgestaltet. Im Jahr 2004 ist Hellmut Freund gestorben. Diesem Buch liegt eine CD mit Gespr├Ąchsaufzeichnungen aus dem Jahr 1993 bei.

AVIVA-Tipp: Der ehemalige Lektor des S.Fischer Verlags, Hellmut Freund, erz├Ąhlt in seinem autobiographischen Werk "Vor dem Zitronenbaum" von seiner beh├╝teten Berliner Kindheit, seiner bedrohten Jugend w├Ąhrend der Nazizeit, den unberechenbaren, aber dennoch bereichernden Jahren im Exil in Uruguay und von der Zeit seiner R├╝ckkehr nach Deutschland. Das Buch handelt von MusikerInnen, LiteratInnen und K├╝nstlerInnen gleicherma├čen, wie von seinen Lebenserfahrungen und Lebensfreundschaften. Dieses Buch ist nicht nur ein ber├╝hrendes Zeugnis seines Lebens, sondern auch ein Zeugnis dessen, was die deutsch-j├╝dische Kultur in ihrer Geistigkeit einmal gewesen ist, und was Freund dazu beigetragen hat, um das einst von den Nazis entstellte j├╝dische Gesicht wieder herzustellen.

├ťber den Autor
J. Hellmut Freund
wurde 1919 in Berlin geboren, konnte noch 1939 mit Eltern und Gro├čeltern nach Uruguay auswandern. In Montevideo war er zun├Ąchst Privatlehrer, bald Zeitungs- und Rundfunkjournalist. 1960 kehrte er nach Deutschland zur├╝ck und wurde Lektor im S.Fischer Verlag - er blieb es bis zu seinem Tod im Februar 2004.

Vor dem Zitronenbaum
J. Hellmut Freund

Autobiographische Abschweifungen eines Zur├╝ckgekehrten.
Herausgegeben von Vikki Schaefer, Leo Domzalski.
S. Fischer Verlag, erschienen September 2005
ISBN 3-10-023303-4
Gebunden, 576 Seiten, 30 Abbildungen. CD http://www./?r=aviva-berlin90008115&artiId=3572788" target="blank">



Literatur Beitrag vom 31.10.2005 Sarah Ross 





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