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Chanukka 5782




AVIVA-BERLIN.de im November 2021 - Beitrag vom 12.06.2015


Angelika Sher - Series
Clarissa Lempp

Die israelische Fotografin Angelika Sher zeigt in diesem Band eine Auswahl ihrer Bilder aus den Jahren 2005-2012. Kinder, Familie und die Patina von Räumen, stehen dabei immer wieder im Mittelpunkt




Angelika Sher wurde 1969 in Litauen geboren und immigrierte später nach Israel, wo sie an der Bezalel Academy of Art and Design in Jerusalem Fotografie studierte. Ihre (jüdische) Herkunftsfamilie verstreut sich über die ganze Welt, überlebte zwei Weltkriege und baute den Kommunismus der ehemaligen Sowjetunion mit auf. Diese Geschichten von Exil und Heimat, von der Suche nach einer Zukunft und den Verstrickungen der Vergangenheit, finden sich auch in Shers Fotografien wieder. Kinder, Jugendliche, die Adoleszenz als Moment der eigenen Identitätsfindung oder die Familie als Ort der Wiederholung, sind ihre Themen. Im vorliegenden Band sind nun Werke aus einer sieben-jährigen Schaffenszeit zu sehen.

Die Bilder aus den sechs Serien fokussieren verschiedene Elemente. "Thirteen" (2008-2009), "Growing Down" (2007-2008) und "Upstairs" (2006) konzentrieren sich auf Jugendliche und Kinder auf der Schwelle zum Erwachsenwerden. Die Ängste und Unsicherheiten von Abnabelungsprozessen stellt Sher dabei in den Vordergrund. Ernst, fast streng blicken die Mädchen und Jungen in ihre Kamera. Die Haare wild, die Haut eingetaucht in blaues Licht oder fahles Grau. Wie kleine Gespenster wirken sie, die durch ein Leben geistern, das ihres ist, aber noch nicht greifbar scheint. Die Bilder entstanden im häuslichen Umfeld der Fotografin, die mit ihrem Mann und ihren Kindern bei Tel Aviv lebt.

In der Serie "Family Album" (2005) porträtiert die Fotografin unter anderem ihre eigene Familie. Der Ehemann und die Tochter beim Haare kämmen, eine Großmutter und ihre Enkelin im Partnerlook – die Aufnahmen schaffen durch die satten Hintergründe und die theatralische Beleuchtung eine Intimität, die sich durch die Distanz des Kunstwerks schützt. Die BetrachterIn verliert sich im Moment, ohne die ganze Geschichte zu kennen. Die beiden aktuellsten Serien des Bandes, "Phoenix" (2011-2012) und "Twilight Sleep" sind eingetaucht in sattes Sepia und kühles Blau. Sie beschäftigen sich am offensichtlichsten mit Erinnerung, (Familien-) Geschichte und Zeitlichkeit. Ein toter Oktopus, der sich neben den nassen Abdrücken seiner Artgenossen streckt, ein unheimlicher Blick auf eine kahle Baumreihe oder ein rasierter Kopf, auf dessen Schultern noch die abgetrennten Haarspitzen liegen, verweisen auf die schmale Schnittstelle von Veränderung und Vergänglichkeit.

AVIVA-Tipp: Angelika Shers kraftvolle und doch fragile Porträts von Jugendlichen sind ebenso einnehmend wie ihre stilisierten Arbeiten. Ein wunderbarer Bildband, der in das Werk von Sher einführt.

Angelika Sher
Series, 2005 - 2012

Herausgeberin: Esa Epstein
Mit einem Vorwort von Elisabeth Biondi (englisch)
Künstlerin: Angelika Sher
Gestaltet von Rachel Kinrot
Kehrer Verlag, erschienen 2014
Format 30 x 24 cm
Festeinband, 80 Seiten, 46 Farbabbildungen
ISBN: 978-3-86828-491-1
Euro 36,–
www.artbooksheidelberg.com

Mehr Infos zu Angelika Sher unter: www.angelikasher.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Jen Davis – Eleven Years

Christine Turnauer – Presence

Family Files - Zeitgenössische Fotografie und Videokunst aus Israel





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Beitrag vom 12.06.2015

Clarissa Lempp 






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