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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 08.03.2017

Karin Sagner - Frauen auf eigenen FĂŒĂŸen. Spazieren, flanieren, wandern
Hannah Hanemann

Die MĂŒnchener Kunsthistorikerin arrangiert GemĂ€lde aus drei Jahrhunderten, TagebucheintrĂ€ge, Zitate und informative Texte zu einem unterhaltsamen Bildband, der von der Eroberung von Gipfeln und Promenaden durch die Frauen erzĂ€hlt.



Spazierengehen als Akt der Emanzipation: Erst um 1900 herum wurden allein spazierende Frauen in Mitteleuropa zu einem hÀufigen Anblick in StÀdten und ihrer Umgebung.

Mit Fortschreiten des 20.Jahrhunderts entdeckten sie auch das Wandern und Bergsteigen fĂŒr sich - was hundert Jahre zuvor noch völlig unmöglich erschienen wĂ€re. Die Kunsthistorikerin Karin Sagner stellt in einer Sammlung von Abbildungen von GemĂ€lden und Fotografien, begleitenden Texten und Zitaten von Frauen die Entwicklung des (sportiven) weiblichen Gehens vom 18. bis ins 20.Jahrhunder vor.

Lustwandeln in den GĂ€rten des Adels

Spazierengehen und Wandern, geschweige denn Klettern in der freien Natur, war lange Zeit MĂ€nnern vorbehalten. FĂŒr Frauen galten diese BetĂ€tigungen als wider ihrer Weiblichkeit, unschicklich und gefĂ€hrlich. Wenn ĂŒberhaupt, durften lediglich adelige Damen in Begleitung und in der unpraktischen Mode des 18. und 19. Jahrhunderts in der geschĂŒtzten Umgebung ihrer GĂ€rten herum flanieren. Bei MĂ€nnern hingegen galten lange, ausgedehnte SpaziergĂ€nge als maskulin, stĂ€rkten sie doch die körperliche Gesundheit und den Geist, weshalb sie besonders bei Dichtern und Intellektuellen sehr beliebt waren.
Zeugnisse weiblichen Spazierengehens aus dieser Zeit gibt es vor allem in Form von GemĂ€lden, die jedoch ĂŒberwiegend von MĂ€nnern stammen. Diesen stellt Karin Sagner Zitate von Frauen entgegen, die schon frĂŒh die Freude am Wandern fĂŒr sich entdeckten. So werden etwa die Schriftstellerinnen Dorothea Schlegel, Marie von Ebner-Eschenbach, Charlotte BrontĂ© oder Jane Austen zitiert.

Promenieren und flanieren

Gegen Ende des 19. Jahrhundert fĂŒgten sich Frauen immer mehr ins öffentliche Bild von Metropolen wie Paris oder Berlin, wo sie natĂŒrlich noch immer stets perfekt gekleidet Promenaden entlang spazierten oder durch die Stadt schlenderten. Dies geschah nicht zuletzt aus einem Motiv des "Sehen-und-gesehen-Werdens", wie auch die im Buch zitierte Schriftstellerin Irmgard Keun treffend beschrieb. Mit sportlicher BetĂ€tigung oder Selbsterfahrung hatte es zunĂ€chst wenig zu tun. AusflĂŒge in die freie Natur galten weiterhin als zu gefĂ€hrlich und anstrengend fĂŒr Frauen, auch, weil deren unbequeme Kleidung eine Wanderung erschwerte. Erst in der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts tauschten Frauen schließlich ihre Kleider und Röcke gegen luftige Wanderhosen ein, mit denen sie unbeschwert durch die Natur streifen konnten. Schriftstellerinnen wie Virginia Woolf machten das Wandern schließlich als Ich- und Welterfahrung auch bei Frauen populĂ€r.
Bergsteigen war ebenfalls nicht lĂ€nger nur MĂ€nnersache. Im 20. Jahrhundert war es Frauen wie den Schwestern HĂ©lĂ©ne und Simone de Beauvoir schließlich nicht mehr verwehrt, in ihrer Freizeit Klettern zu gehen - und das ohne mĂ€nnliche Begleitung und in Hosen!

AVIVA-Tipp: "Frauen auf eigenen FĂŒĂŸen" von Karin Sagner gibt anhand kunstgeschichtlicher Zeugnisse einen bunten Einblick in die Historie und Gedanken von Frauen jenseits der ihnen gesellschaftlich vorgeschriebenen Wege.

Zur Autorin: Karin Sagner hat Kunstgeschichte und Germanistik in MĂŒnchen sowie in Paris studiert und ĂŒber Claude Monet promoviert. ZunĂ€chst war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an den Bayerischen StaatsgemĂ€ldesammlungen in MĂŒnchen tĂ€tig; heute arbeitet sie als freie Autorin und Kuratorin. Über ihr Spezialgebiet, die französische und deutsche Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts, hat sie mehrere BĂŒcher publiziert. 2011 und 2012 erschienen im Elisabeth Sandmann Verlag die BĂŒcher "Schöne Frauen" und "Renoir und seine Frauen" sowie 2014 die Autobiographie HĂ©lĂ©ne de Beauvoirs, "Souvenirs".
Als international anerkannte Kunstexpertin und freie Kuratorin berÀt Karin Sagner diverse Museen und KunsthÀuser in Europa und den USA, konzeptioniert Ausstellungen und hÀlt VortrÀge.
Mehr Infos: www.karinsagner.com

Karin Sagner
Frauen auf eigenen FĂŒĂŸen. Spazieren, flanieren, wandern

Elisabeth Sandmann Verlag, erschienen 2016
Gebunden mit Schutzumschlag, 144 Seiten. Abb. in Farbe
24,95 Euro
ISBN: 978-3-945543-21-4
www.esverlag.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Die Malerin HĂ©lĂšne de Beauvoir - Das Talent liegt in der Familie - Herausgegeben von Karin Sagner
Der großartige Bildband entfĂŒhrt in die Welt der Malerin, deren Leben und Werk darin grandios in Szene gesetzt werden. Nachdem sie deren Memoiren "Souvenirs – ich habe immer getan was ich wollte" ebenfalls im Jahr 2014 herausgegeben hat, stellt die Kunstwissenschaftlerin Karin Sagner in diesem Bildband den essayistischen Texten ĂŒber das Leben de Beauvoirs ihr Werk zur Seite. (2014)

HĂ©lĂšne de Beauvoir - Souvenirs. Ich habe immer getan, was ich wollte
Der Kampf um ihre Freiheit als Frau und KĂŒnstlerin war Lebensthema der Malerin. Mutiger und engagierter als ihre Schwester, die Schriftstellerin Simone, engagierte sie sich in der französischen Frauenbewegung. (2014)

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Der faszinierende Bildband von Mary Tiegreen und Milbry Polk ermöglicht tiefe Einblicke in die Welten herausragender Globetrotterinnen und Forscherinnen...(2003)

Literatur > Art + Design Beitrag vom 08.03.2017 AVIVA-Redaktion 





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