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AVIVA-BERLIN.de im September 2021 - Beitrag vom 13.08.2021


Ulrike Folkerts – Ich muss raus
Silvy Pommerenke

In der Rolle der Lena Odenthal hat Ulrike Folkerts die Tatort-Filmlandschaft revolutioniert. Als sie 1989 ihre erste Rolle in der Krimiserie spielte, löste das eine große Resonanz aus. Eine Kommissarin mit kurzen Haaren und burschikosem Auftreten gab es so bislang noch nicht. Seitdem sind über 30 Jahre vergangen, und "Ufo", wie sie ihre Fans nennen, blickt in ihrer Autobiografie auf ihr ereignisreiches Leben zurück.




Die Wahl-Berlinerin berichtet vom Sexismus und Homosexuellenfeindlichkeit in der Filmbranche, von der unbefriedigenden Anfangszeit auf den Bühnenbrettern der Theater, von ihrem anfangs heimlich gelebten Lesbischsein bis hin zu ihrem halbfreiwilligen Outing.

Schon früh in ihrem Leben hat sie sich den vorgegebenen Geschlechterrollen verweigert. Sie wollte nie ein Mädchen sein, das sich hübsch anzieht, immer nett lächelt, und keine eigene Meinung hat. Stattdessen hat sie die Ungleichbehandlung von Mädchen und Jungen in Frage gestellt, hat, statt mit Barbie Puppen zu spielen, lieber mit den Jungs Fußball gespielt und war in ihrer Jugend Leistungsschwimmerin. Der Sport bleibt bis heute für sie ein wichtiger Teil in ihrem Leben. Die Liebe zur Schauspielerei und der Wunsch, diese Liebe zum Beruf beruflich zu machen, entstand während ihrer Gymnasialzeit, als sie von ihrer Deutschlehrerin für Theater begeistert wurde.

Der weitere Weg in die Schauspielerei ging allerdings nicht ganz unkompliziert vonstatten. Sie hatte bereits vier Absagen von Schauspielschulen erhalten, und gab sich selbst noch eine fünfte Chance, bevor sie Plan B - ein Agrarwissenschaft-Studium - einschlagen wollte. Tatsächlich klappte es dann an der Schauspielschule Hannover. Sie war eine der neun Glücklichen von 900 Bewerber*innen, die für die nächsten vier Jahre das Handwerk der Schauspieler*in lernen würden. Aber es regte sich Widerstand in ihr, gegen die klischeehaften Frauenrollen oder Nacktrollen, die sie so nicht spielen wollte: "Ich zweifelte an meiner Berufswahl. Der Traum vom Schauspielleben entpuppte sich als Albtraum". Glücklicherweise hat sich dies geändert, unter anderem auch dadurch, dass Ulrike Folkerts 1989 zum Casting als Tatort-Kommissarin eingeladen wurde. Auch wenn die Einschaltquoten hoch waren, so mangelte es an anderen Engagements. Folkerts musste Nebenjobs annehmen, um finanziell über die Runden zu kommen.

Erst ab Mitte der 1990er Jahre ging es langsam los mit weiteren Angeboten für Filme. Trotzdem haderte sie mit ihrer Situation: "Warum werden Dir nur so wenige, wirklich interessante Rollen angeboten? Warum kaum Kinofilme? Die Art von Filmen, die ich hätte machen wollen, die gab es gar nicht im deutschen Fernsehen. Wählerisch konnte ich daher nie sein. Das Angebot blieb überschaubar". Die Festschreibung auf die Figur der Lena Odenthal im Tatort war Fluch und Segen zugleich. Es machte sie einerseits bekannt, aber andererseits wirkte sich das negativ auf andere Rollenbesetzungen aus.

Trotzdem ist Ulrike Folkerts ihren Weg gegangen. Sie hatte Theater-Engagements bei den Salzburger Festspielen, in den Hamburger Kammerspielen oder im Mannheimer Nationaltheater. Sie hat mittlerweile 74 Folgen des Lena Odenthal Tatorts abgedreht, in diversen Kinofilmen mitgespielt und unzählige Rollen in TV-Produktionen gehabt. Dabei hat sie deutlich mehr Rollen verkörpert als die burschikose und toughe Fernsehkommissarin. Sie spielte eine Pilotin, eine Leibwächterin, eine Alkoholikerin, eine Gräfin und vieles mehr. Die Genres reichten von Krimi über Komödie bis hin zum Historienfilm.

Ulrike Folkerts engagiert sich neben ihre Arbeit als Schauspielerin unter anderem für Charity-Projekte: "Durch meinen Erfolg als Schauspielerin habe ich eine Außenwirkung, und ehrlich gesagt freue ich mich, wenn ich gute Projekte mit meiner Berühmtheit unterstützen kann und ihnen eine größere Aufmerksamkeit zukommt". Das klingt natürlich toll, wenn da nur nicht der Ausrutscher gewesen wäre, den sie Ende April 2021 mit ihrer Beteiligung an der Video-Aktion #allesdichtmachen hingelegt hat, die mittels unpassender Videobotschaften zahlreicher teilnehmender Schauspieler*innen die Corona-Politik der Bundesregierung kritisiert hat und damit allerdings auch die Opfer der Pandemie verhöhnt hat. Mittlerweile hat sie sich davon distanziert.

AVIVA-Tipp: Für alle Fans von "Ufo" und der Sonntagabendserie Tatort ist die Autobiographie von Ulrike Folkerts ein wahres Geschenk. Nicht nur, dass die Fernsehkommissarin detailreich ihren beruflichen Werdegang schildert, sondern sie berichtet auch über die sexistischen Zustände in der Film- und Theaterbranche, die nicht erst seit Harvey Weinstein existieren. In kurzweiliger Prosa, die in Zusammenarbeit mit Heike Vowinkel entstanden ist, überträgt sie ihre Leidenschaft für Bühne und Film, ihren Einsatz für Feminismus und queere Menschen, und ihre Lebensfreude direkt auf die Leser*in.

Zur Autorin: Ulrike Folkerts, geboren am 14. Mai 1961 in Kassel, ist Schauspielerin und in der Rolle der Lena Odenthal die längstdienende und beliebteste Tatort-Kommissarin. Folkerts steht auch auf der Theaterbühne und übernahm 2005 und 2006 als erste Frau bei den Salzburger Festspielen im Jedermann die Rolle des Tods.
Ihr soziales Engagement ist vielfältig und reicht über das international vernetzte Aktionsbündnis Landmine, das sich für ein Verbot aller Arten von Landminen einsetzt, über die Projekte von Handicap International, einer gemeinnützigen Organisation für Menschen mit Behinderung und andere besonders Schutzbedürftige, bis hin zu dem von Ulrike Folkerts und ihrer Ehepartnerin Katharina Schnitzler 2006 ins Leben gerufenen Verein kulturvoll e.V., wo sie sich für die kulturelle Förderung sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher einsetzt. Außerdem unterstützt sie die Opferhilfsorganisation Weißer Ring sowie Pro Quote Regie, ein Zusammenschluss von Regisseurinnen in Deutschland.
Zu ihren Auszeichnungen gehören unter anderem der Jugendhörbuchpreis (2001), der Publikums-Bambi (2002), das Verdienstkreuz am Bande (2007) oder der Deutsche Fernsehkrimipreis Ehrenpreis (2019).
Ulrike Folkerts lebt mit Katharina Schnitzler, mit der sie zusammen 2008 das Buch "Glück gefunden" herausgegeben hat, in Berlin-Wedding.
Ulrike Folkerts im Netz: www.ulrike-folkerts.com

Ulrike Folkerts – Ich muss raus
In Zusammenarbeit mit Heike Vowinkel
Brandstätter Verlag, erschienen 04/2021
Hard Cover, 208 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen
ISBN 978-3-7106-0514-7
Euro 22,00

Mehr zum Buch unter: www.brandstaetterverlag.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

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Wieder erhältlich - Damenwahl. Frauen und ihre Autos. Der Bildband von Sharon Adler
On the road again! Literatur über Autos gibt es wie Sand am Meer, das Thema "Frauen und Autos" steht jedoch nur selten im Fokus der Medien. Der Bildband - zum exklusiven Preis für AVIVA-Leserinnen. Ulrike Folkerts ist mit einem Beitrag und Foto vertreten. (2010)


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Beitrag vom 13.08.2021

Silvy Pommerenke 






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