Manja Wilkens und Hans Körner - Séraphine Louis - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Literatur Biographien



AVIVA-BERLIN.de im Mai 2021 - Beitrag vom 22.11.2009


Manja Wilkens und Hans Körner - Séraphine Louis
Sunna Krause-Leipoldt

Séraphine Louis war eine verschrobene Existenz am Rande der Gesellschaft – und eine der wichtigsten Vertreterinnen der naiven Kunst im Frankreich der 20er und 30er Jahre. Zugleich Biographie und...




...Werkverzeichnis, gibt das Buch von Hans Körner und Manja Wilkens Einblick in das Leben und Wirken dieser außergewöhnlichen Künstlerin.

Am 2. September 1864 wird Séraphine Louis in dem kleinen Ort Arsy-sur-Oise in bescheidene Verhältnisse hinein geboren. Ihre Mutter starb bereits ein Jahr nach ihrer Geburt und mit dem Tod ihres Vaters 1871 wurde sie zur Vollwaisen. Über Séraphines Kindheit ist wenig bekannt. Zwischen 1877 und 1881 arbeitete sie als Dienstmädchen in Paris und Compiègne und danach lebte sie für 20 Jahre im Kloster der Schwestern des Couvent de la Charité de la Providence. 1903 oder 1904 kam Séraphine Louis als Putzfrau nach Senlis.

Den Beginn ihres künstlerischen Schaffens – Arbeiten auf Vasen, Tellern und Papieren - datiert sie selbst auf das Jahr 1905. Ihre Entdeckung durch Wilhelm Uhde lag zu diesem Zeitpunkt noch in weiter Ferne, doch sie verkaufte oder tauschte schon damals kleinere Bildchen unter den BewohnerInnen von Senlis.

1912 war sie für einige Zeit im Dienst von Uhde, der ihr Talent zwar entdeckte, doch ihm offenbar noch nicht die volle Bedeutung beimaß. Bei seiner Flucht vor den Deutschen zu Beginn des ersten Weltkrieges ließ er die von ihr gekauften Bilder in Senlis zurück.

In den 20er Jahren erschloss die französische Kunstszene die naive Malerei für sich und eine Ausstellung lokaler KünstlerInnen in Senlis erinnerte Wilhelm Uhde an seine dortige Entdeckung. Er entschloss sich, Séraphines Arbeit zu fördern und schon bald war sie so erfolgreich, dass sie ihre Putzfrauentätigkeit aufgeben und von der Malerei leben konnte.

Diese Entwicklung wurde von den BewohnerInnen von Senlis mit großem Unglauben aufgenommen. Ihnen war die schrille Person bis dahin in erster Linie durch ihr eigenartiges Verhalten und ihren Verfolgungswahn aufgefallen. Nun begeisterte sie die Pariser Kunstszene und SammlerInnen in ganz Europa.

Ende 1930 nahmen ihre, teils religiösen, Visionen und Wahnvorstellungen jedoch solche Ausmaße an, dass Séraphine Louis 1932 in eine Anstalt eingewiesen werden musste. Damit endete auch ihre Zeit als Malerin und am 11. Dezember 1942 starb sie schließlich in der Einrichtung.

"Séraphine Louis" von Hans Körner und Manja Wilkens beschäftigt sich mit dem Menschen, der hinter der öffentlichen Person steht. Detailliert bemühen sich die AutorInnen, die Lebensabschnitte der Künstlerin aus einer Vielzahl verschiedener Quellen heraus zu rekonstruieren. Keine leichte Aufgabe, da diese heute gefeierte Malerin zu Lebzeiten kaum Berühmtheit genoss und in der Erinnerung der Stadt Senlis hauptsächlich durch ihr eigenwilliges Verhalten fortlebte. Körner und Wilkens ist es dennoch durch die Beschäftigung mit ihren Arbeiten gelungen, ein sehr persönliches Bild dieser außergewöhnlichen Frau zu zeichnen.

Ihre Publikation ist in erster Linie Werkverzeichnis und Bildinterpretation. Durch eine Einteilung in verschiedene Phasen des Schaffens und deren Analyse bekommt die Leserin eine Vorstellung von der Frau Séraphine Louis hinter der Künstlerin Séraphine von Senlis. Diese bleibt, wie bereits erwähnt, leider unvollständig, dafür finden KunstliebhaberInnen in dem Buch ein Verzeichnis ihrer Werke, Informationen über deren Aufenthaltsort und die angewandten Maltechniken sowie Interpretationsansätze zu den Arbeiten der Malerin. Neben einem umfangreichen Katalog mit Abbildungen von Séraphine Louis´ Gemälden erhalten die LeserInnen zudem Darstellungen von weiteren Kunstschaffenden jener Zeit.

AVIVA-Tipp:"Séraphine Louis" ist eine Arbeit über eine beeindruckende Künstlerin und dabei selbst ein kleines Kunstwerk für sich. Das Buch ist auf jeweils gegenüberliegenden Seiten in Französisch und Deutsch geschrieben, auf hochwertigem Papier gedruckt und mit reichlich Abbildungen versehen. Aufgrund der schwierigen Quellenlage haben die AutorInnen den Weg gewählt, das Leben von Séraphine anhand ihrer Arbeiten nachzuvollziehen. Dieser Ansatz eröffnet eine interessante Perspektive, die auch LaiInnen einen Einstieg in die Welt der Kunst ermöglicht.

Zu den AutorInnen:

Hans Körner
, geboren 1951 in Würzburg, studierte in seiner Heimatstadt, Salzburg und München. 1977machte er seine Promotion und 1986 die Habilitation an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 1992 ist er Lehrstuhlinhaber im Bereich Kunstgeschichte der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
(Quelle: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)
Weitere Infos und Kontakt unter:
http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/kunst/institut/dozenten/univ-prof-dr-hans-koerner/

Manja Wilkens ist freie Ausstellungskuratorin und forscht im Bereich Kunst und Kunstgewerbe des 19. und 20. Jahrhunderts und politische Ikonographie.
(Quelle: Reimer Verlag)

Hans Körner und Manja Wilkens
Séraphine Louis

Übersetzt von Annette Gautherie-Kampka
Reimer Verlag, 1. Auflage Mai 2009
260 Seiten, Gebundene Ausgabe
Sprache: Französisch und Deutsch
ISBN: 978-3-496-01405-8
39,90 Euro
www.reimer-mann-verlag.de

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Beitrag vom 22.11.2009

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