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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2021 - Beitrag vom 21.04.2003


Janis Joplin, Hippie-Ikone und Mythos
Marie-Louise Leinhos

Janis Joplin ist über 30 Jahre tot, aber ihr Mythos lebt weiter. Ingeborg Schobers Biografie über den ersten weiblichen Rockstar beleuchtet das Leben am Rande des RockN´Roll.




Über 30 Jahre nach dem Tod von Janis Joplin schreibt Ingeborg Schober nach "Jim Morrison" eine Biografie über die Ikone einer ganzen Hippiebwegung. Die Geschichte von Janis Joplin ist genauso ungewöhnlich wie traurig, und zeigt ein weiteres Mal, dass Frauen es in der männlich dominierten Musikwelt bis heute nicht ganz leicht haben. Sicherlich kein Ding der Unmöglichkeit, aber immer noch eine Problematik, die nur durch höheren Energieaufwand zu überwinden ist, als bei den männlichen Kollegen. Frauen wird im Rockbusiness eher die Rolle der Bewunderin, des Fans zugedacht, böse Zungen reden auch von Groupies.
Zwar gibt es einige Ausnahmen, aber die Biografie über die mit 27 Jahren verstorbene Janis Joplin weist mehrmals darauf hin, dass es Frauen eher vorbehalten war, sich mit Dingen wie Songwriting und Marketingfragen des Musikbusiness auseinanderzusetzen. Janis war eine der Ersten, die dies durch ihr Durchsetzungsvermögen änderte.

Irgendwo am Rande zwischen Drogenexzessen und Alkoholabhängigkeit, provokantem Verhalten und einer grundsätzlichen "Dagegen"-Einstellung , hervorgerufen durch ihr Elternhaus und Texas, bewegte sich eine sensible und phantasievolle künstlerische Persönlichkeit. Es scheint als hätte sie ihr ganzes Leben lang nur ein Bestreben gehabt: Nie das zu tun, was man von ihr erwartete.

Janis Joplins Charakter ist nicht eindeutig zu beschreiben. Sie war auf der einen Seite unberechenbare Provokateurin, zeichnete sich dann aber wieder durch ungeahnte Sensibilität aus, mit der ihre Umwelt nicht so recht umzugehen wusste.

Verzweifelte Versuche, ihre Drogensucht und ihren steigenden Alkoholkonsum zu beenden, charakterisieren die letzten Lebensjahre von Janis. Ingeborg Schober beschreibt Janis als Paradiesvogel mit Akneproblemen und Übergewicht bis hin zur Hippie-Ikone mit unwiderstehlichem Sexappeal. Janis kannte keine Grenzen, und schon gar nicht solche, die ihr ihre Eltern, die Gesellschaft oder sonst wer aufzwingen wollten. Ihre musikalische Bewunderung galt ihrem großen Vorbild Betsie Smith, an der sie sich stimmlich auch stark orientierte.

Ingeborg Schober gibt erste Einblicke in das Leben von Janis, bewahrt hierbei aber einen sachlich-nüchternen Stil. Sie bietet Einblicke in das Lebensgefühl dieser Zeit, arbeitet den Konflikt, in dem Janis stand, anschaulich heraus. Auch wenn die 60er im Nachhinein als ein freizügiges und liberales Jahrzehnt beurteilt werden, war es für Janis nicht immer ganz leicht, sich in der Männerdomäne "RockN´Roll" den nötigen Respekt zu verschaffen. Zwar durften damals Frauen in Bands mitsingen, eigenes Songwriting oder gar geschäftliche Entscheidungen wurden ihnen bislang verweigert. Janis aber beanspruchte all dies für sich und galt somit als Vorreiterin heutiger Sängerinnen wie Melissa Etheridge als auch Chrissie Hynde (The Pretenders).

Alles in allem ist die Biografie über Janis als gelungen zu bezeichnen, um erste Einblicke in Janis´ Leben zu bekommen. Das Portrait bietet eine informationsreiche Lektüre mit Bildern und Verweisen auf berühmte Persönlichkeiten, die im Kontakt mit Janis standen.

Janis Joplin
Ingeborg Schober
Deutscher Taschenbuch Verlag, 2002
ISBN 3-423-31065-0
Preis 9,50


Literatur > Biographien

Beitrag vom 21.04.2003

AVIVA-Redaktion 






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