Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern. Petra Reski - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Literatur Sachbuch





 

Chanukka 5782




AVIVA-BERLIN.de im November 2021 - Beitrag vom 26.11.2008


Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern. Petra Reski
Britta Leudolph

Nach dem Sechsfachmord in Duisburg war die Mafia in aller Munde. Petra Reski begibt sich auf Spurensuche in Italien und Deutschland und zeigt auf, warum die Mafia eine der erfolgreichsten...




...kriminellen Organisationen der Welt ist.
"[...] solange es keine Toten gibt, neigt man zu der Annahme, dass die Mafia nicht existiere. Bevor in Duisburg sechs Kalabresen ermordet wurden, betrachteten viele Redakteure mein Interesse für die Mafia wie eine persönliche Exzentrik, eine Grille [...] und dann geschah das Massaker von Duisburg, und mein Telefon klingelte unentwegt."


Petra Reski reiste mit der Fotografin Shobha, Tochter der bekannten Anti-Mafia-Kämpferin Letizia Battaglia, in die Orte, in denen die Mafia ein Teil der Gesellschaft ist und wo das Leben von ihr bestimmt wird. Nach Palermo, Heimat der Cosa Nostra - hier wurden 1992 die bekannten Mafia-Gegner, der Staatsanwalt Giovanni Falcone und kurz darauf der Richter Paolo Borsellino, in die Luft gesprengt, was vielen die Hoffnung auf einen Sieg gegen die Mafia nahm. Nach Neapel, eine Stadt die seit Jahren unter den Bandenkriegen der Camorra leidet und in der allein 2006 über 700 Menschen ermordet wurden. Oder eben nach San Luca, das kleine Dorf, aus dem die Opfer aus Duisburg, Clanmitglieder der ´Ndrangheta, stammten.

Die Autorin erzählt von Verbündeten der Mafia und beschreibt das Leiden ihrer Opfer. Sie berichtet von Priestern, die nicht davor zurück schrecken, Mafia-Killern die Absolution zu erteilen, von Müttern, die ihre Söhne lieber umbringen lassen, bevor diese die "Omertá", das Gesetz des Schweigens, brechen können.

Petra Reski erklärt die unterschiedlichen Strukturen der verschiedenen Mafia-Organisationen und erläutert, wie auch PolitikerInnen und UnternehmerInnen in das System "Mafia" eingebunden werden und so Vorteile daraus erzielen. PolitikerInnen, die sich auf die treuen WählerInnen der Mafia und ihres Umkreises verlassen können und von denen im Gegenzug erwartet wird, Gesetze und Subventionen den Bedürfnissen der Mafia anzupassen. UnternehmerInnen, die der Mafia bei der Geldwäsche behilflich sind und sich dann über neue Aufträge freuen dürfen. "[...] das Geheimnis des jahrhundertlangen Überlebens der Mafia besteht darin, den Staat und die Gesellschaft nicht bekämpft zu haben, sondern in und mit ihnen gelebt zu haben."

Weiterhin verdeutlicht die Journalistin, dass die Mafia Deutschland schon längst für sich als Rückzugsraum entdeckt hat und dass die deutsche Justiz bei weitem nicht auf diese kriminelle Vereinigung vorbereitet ist.

Zur Autorin: Petra Reski, geboren im Ruhrgebiet, studierte Romanistik und Sozialwissenschaften in Trier, Münster und Paris und besuchte anschließend die Henri-Nannen-Schule für Journalistik. 1988 begann sie ihre journalistische Laufbahn als Redakteurin im Auslandsressort des Stern. Seit 1991 lebt sie als freie Autorin und Schriftstellerin in Venedig. Sie schreibt Reportagen u.a. für Die Zeit, GEO und den Focus. Sie ist als Featureautorin für MDR, WDR, BR, Deutschlandfunk und Deutschlandradio tätig, außerdem hat sie mehrere Bücher verfasst. Weitere Infos und Kontakt unter: reskisrepublik.wordpress.com

AVIVA-Tipp: Was Petra Reski hier zu Papier bringt, klingt für deutsche LeserInnen schier unglaublich. Die Autorin berichtet von Mafiabossen, die auf der einen Seite unzählige Morde in Auftrag geben und für die auf der anderen Seite nichts wichtiger als die Beichte ist. Sie zeigt auf, wie das italienische Staatswesen von der Mafia infiltriert ist und warum Mafiakiller selten lange Haftstrafen befürchten müssen. Petra Reski verknüpft ihre persönlichen Erfahrungen mit einer genauen Beschreibung der italienischen Gesellschaft, in der die Mafia schon seit über hundert Jahren einen festen Platz inne hat. Den eindrücklichen Erzählungen der Journalistin ist ihre Liebe zu Italien anzumerken, aber auch ihr Erstaunen darüber, wie wenig im Grunde gegen die Omnipräsenz der Mafia getan wird.

Petra Reski
Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern

Droemer Knaur Verlag, erschienen September 2008
Gebunden, 336 Seiten
ISBN 978-3-426-27466-8
19,95 Euro

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Literatur > Sachbuch

Beitrag vom 26.11.2008

Britta Leudolph 






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