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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 09.09.2011

Alin Coen Band - Einer will immer mehr
Leonie Schwarzer

Mit der EP verk├╝rzt die Band die Durststrecke bis zu ihrem zweiten Album, das voraussichtlich n├Ąchstes Jahr erscheinen soll. Durchdachte Texte und musikalisches Feingef├╝hl zeichnen ihre St├╝cke aus.



Die "Alin Coen Band" wird uns in Zukunft h├Ąufiger begegnen, denn die vier MusikerInnen starten im Moment so richtig durch. Im April dieses Jahres erhielten sie den Deutschen Musikautorenpreis der Gema und schon Ende September vertritt die Band das Bundesland Th├╝ringen beim "Bundesvision Song Contest" von Stefan Raab. Antreten werden sie mit "Ich war hier", einem wunderbar melancholischem St├╝ck aus ihrem Deb├╝talbum "Wer bist du".

Seit 2003 lebt Alin Coen, die Frontfrau der Band, in Weimar und hat dort ihren Bachelor in Umweltschutztechnik absolviert. Geboren ist sie 1987 in Hamburg als Tochter einer Deutschen und eines Mexikaners. Nach dem Abitur zog es Alin hinaus in die weite Welt und sie reiste durch Indien und Schweden. In Stockholm stand sie zum ersten Mal auf der B├╝hne und entdeckte dort ihr Talent zum Songschreiben und Musizieren. 2007 gr├╝ndete sie in Weimar zusammen mit Jan Frisch, Philipp Martin und Fabian Stevens die "Alin Coen Band".

Mit ihren deutsch- und englischsprachigen Texten vertont die Band intime Gef├╝hle und verpackt Seelenzust├Ąnde in Musik. Zumeist singt sie vom Lieben, Loslassen und Sehnen, ohne dabei jedoch dick aufzutragen. Die St├╝cke nisten sich in unseren Geh├Ârgang ein, doch nicht als nervige Ohrw├╝rmer, sondern vielmehr als zart-schwebende Schmetterlinge, die dem Alltag Leichtigkeit verleihen. Gef├╝hle, Empfindungen und Stimmungen, die sich sonst oftmals hinter Mauern aus Stress verstecken, bekommen Raum, um sich zu entfalten.

Alin Coen, die alle Songs selbst schreibt, erkl├Ąrt ihren Schaffungsprozess so: "Eigentlich bin ich ein ausgeglichener Mensch. Aber Lust zu schreiben sp├╝re vor allem dann, wenn Leidensdruck da ist." Diese Ehrlichkeit, von keinem Label aufgedr├╝ckt, dringt auch durch den CD-Player zu uns vor. Vor einigen Jahren gr├╝ndete die Band einfach ihr eigenes Label "Pflanz einen Baum". Im Interview mit AVIVA-Berlin, anl├Ąsslich der Ver├Âffentlichung ihres 2010 erschienenden Deb├╝talbums, erkl├Ąrt Alin Coen: "Der Name ist der Titel und Text eines Metal-Songs, den wir mal zum Spa├č zusammen mit dem Lied "Augensalat" geschrieben haben. Dieser Name ist also aus einem Scherz heraus entstanden. Auf der anderen Seite gef├Ąllt mir aber auch, wie viel man in diese Worte hineindeuten kann."

Der Opener des Albums, "Einer will immer mehr", ├╝berrascht als ungew├Âhnliches Liebeslied. Alin Coen singt von ungleich verteilten Gef├╝hlen: "Einer will immer mehr. Da wo Platz f├╝r dich w├Ąr` ist es leer." Songs vom unerf├╝llten Anschmachten f├╝llen die CD-Regale, doch die Seite des zuviel Geliebten wird nur selten beleuchtet. Alin Coen gelingt es, dieses Bild genau nachzuzeichnen. "Deine Liebe bringt mich in Bedr├Ąngnis, mein Verantwortungsgef├╝hl ist ein Gef├Ąngnis." Mit minimaler Instrumentierung bahnt sich das eindringliche St├╝ck seinen Weg und findet die Worte, die uns oft fehlen. Ein Song, der verhalten, aber nicht sch├╝chtern ist und mit sich mit klarer Stimme direkt ins Herz singt.

Auch die f├╝nf anderen Songs der EP ├╝berzeugen durch lyrischen Folk-Pop und innige Textzeilen.
"Andere H├Ąnde" ist ein sehr ruhiges Gitarrenst├╝ck, das vom Loslassen handelt und jede/n von uns an vergangene Orte zur├╝ckf├╝hrt.
Etwas rockiger und lauter wird┬┤s mit "Hol mich ein". Mit voller Stimme singt die Frontfrau von einer entt├Ąuschten Liebe: "Mein Herz ├╝bt Weitsprung, w├Ąhrend deins noch etwas humpelt." Treffend beschreibt sie die Wut gegen├╝ber einer machtlosen Ausgeliefertheit, die unerwiderte Liebe mit sich bringt.
Der Abschlusssong "Segelflieger" entl├Ąsst uns mit meditativen Kl├Ąngen und ruhigem Chorgesang.

Live sollte mensch sich die Alin Coen Band auf keinen Fall entgehen lassen! Das Berliner Konzert im Heimathafen Neuk├Âlln am 08. September war restlos ausverkauft. Und das zu Recht: Umrahmt von Wallis Bird und der Newcomerin Elif, ├╝berzeugten die vier MusikerInnen mit zumeist ruhigen und melancholischen St├╝cken. Der Heimathafen, ein altes Theater mit viel Stuck und barocken Verzierungen, unterstrich die romantische Atmosph├Ąre perfekt.

Alin Coen wirkte durch ihre sympathische Ausstrahlung v├Âllig nat├╝rlich und die Zuh├ÂrerInnen freuten sich mit ihr, wenn sie immer wieder betonte, wie gl├╝cklich sie gerade sei. Die zart und zerbrechlich wirkende S├Ąngerin hat auch live eine unglaubliche Kraft in der Stimme und pr├Ąsentierte ein gemischtes Programm aus alten und neuen Songs. Mal spielte sie dabei Keyboard, dann zupfte sie wieder die Gitarre.

Ihre St├╝cke erg├Ąnzt Alin Coen durch ihre eigenen Erinnerungen und Erfahrungen. Jede, die schon einmal vor einer schwierigen Entscheidung gestanden hat, kennt das auch: Alle erteilen gute Ratschl├Ąge und trotzdem kommen immer mehr Zweifel auf, die Gedanken drehen sich im Kreis. Alin Coen bezeichnet das als "Gedankenkarussell", diesen Zustand verarbeitete sie in ihrem Song "Die N├Ąhe". Fast jede/r aus dem ZuschauerInnenraum hat das selbst schon einmal erlebt und konnte sich deswegen so stark mit diesem Text identifizieren.

Alin Coen lebt ihre selbst geschriebenen Lyrics sichtbar auch auf der B├╝hne und ber├╝hrt gerade dadurch die Zuh├ÂrerInnen. Von der Musik getrieben, l├Ąsst sie sich einfach fallen und taucht v├Âllig in sie ein.
Mit "Hol mich ein" von ihrer neuen EP bewies die Band dann aber auch ihre rockig-laute Seite, bei der niemand mehr ruhig stehen bleiben konnte. Als Alin Coen "Ich war hier" ank├╝ndigte, das St├╝ck mit dem die Band am 29. September beim Bundesvision Song Contest antritt, ging die Menge begeistert mit. Beinahe jede/r, ein buntes Publikum von jung bis alt, konnte den Song mitsingen.
Leider war das Konzert viel zu schnell vorbei. Nach "Das letzte Lied" verschwand die Band hinter der B├╝hne und der Applaus hallte ihnen noch lange nach.

AVIVA-Tipp: Die "Alin Coen Band" macht Musik, wie sie sein soll: Sie weckt auf, entf├╝hrt, erinnert und hinterl├Ąsst Spuren. Musik, von der wir uns verstanden f├╝hlen und mit der jede/r etwas Pers├Ânliches assoziiert. Eine vielversprechende Band, von der wir in Zukunft bestimmt noch einiges h├Âren werden.

Alin Coen
Einer will immer mehr

Auf der digitalen Version der EP ist zus├Ątzlich der Song "Ich war hier" von ihrem Deb├╝talbum ver├Âffentlicht, mit dem die Band beim "Bundesvision Song Contest" antreten wird.
Label: Pflanz einen Baum, V├ľ: 16. September 2011

Alin Coen im Netz: www.alincoen.com

Weiterh├Âren auf AVIVA-Berlin:
Alin Coen Band - Wer Bist Du

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin
Interview 2010 mit der Alin Coen Band



Music Beitrag vom 09.09.2011 AVIVA-Redaktion 





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