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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 19.06.2007

Amiina - Kurr
Tatjana Zilg

Ein musikalischer Sommernachtstraum aus Island, dem Land der Feen, Elfen, Wichtel, Trolle und anderen clever-frechen Wesen. Das All-Female-Team bewies schon als Streichquartett von Sigur Rós ...



... hervorragendes Talent.

Ungew√∂hnliche Kl√§nge erf√ľllten Mitte Mai 2007 den Festsaal Kreuzberg, wo sonst Nu Folk - SongwriterInnen, Indie RockerInnen oder Electro Artists die B√ľhne erklimmen. Vier studierte Musikerinnen zauberten mit einer Vielzahl von klassischen, modernen und experimentellen Instrumenten filigrane tonale Netze in den √Ąther. Der Abend wurde zu einem imagin√§ren Ausflug in ein Phantasia-Land f√ľr Erwachsene und rief kindliche Anfl√ľge von Erstaunen, Verz√ľcken und purem Vergn√ľgen in den Gesichtern hervor.

In den 90ern haben sich die vier Aniima-Virtuosinnen w√§hrend des Studiums am Reykyavik College Of Music kennengelernt und sich entschlossen, ihre musikalischen Vorlieben fortan gemeinsam umzusetzen. Als Streichquartett wurden sie von Sigur R√≥s angeheuert, die zu dieser Zeit mit ihrem sinnlich-experimentellen Instrumental-Sound beliebter Gegenpol zum wilden Grunge und sp√§ter zur Gitarren-lastigen Indie-Rock-Flut wurden. Stillen, leisen T√∂nen, die sich in d√ľsteren und vision√§ren Trapezen √ľber akustische H√∂rfelder ausbreiten, ebneten sie den Weg und zogen auf ihren atmosph√§rischen Konzerten mehr und mehr Musikfans in ihren Bann.

W√§hrend der Aufnahmen zu den Alben von Sigur R√≥s und der Begleitung auf deren Tourneen fanden sie dennoch Zeit f√ľr zwei eigene EPs. Jetzt ist es endlich soweit und nach der Amiina-Tournee erscheint nun ein eigenst√§ndiges Studioalbum mit 12 dahinschwebenden Songkunstwerken, die weniger d√ľster sind als die ihrer m√§nnlichen Kollegen und zwischen spielerischer Leichtigkeit, tiefsinniger Komplexit√§t und multipler Experimentierfreude, die aber nie unangenehm aus dem Bereich des Melodi√∂sen ausbricht, hin- und hert√§nzeln.

Selbst sehen Amiina ihre Songs als individuelle Charaktere an, die in einer Bar niemals zusammen an einem Tisch sitzen w√ľrden. Und doch verbirgt das Album keine widerborstigen Kontraste, sondern es entstand ein ineinander flie√üendes Gesamtkunstwerk, filigran und stark zugleich, mit dynamischen H√∂hen und sensitiven Tiefen.

"Kurr", der Titel, erstaunt zun√§chst, scheint keinen Sinn zu ergeben, wirkt leicht aggressiv. In unserer Sprache k√∂nnte man an das Knurren eines Hundes denken. Gemeint ist damit aber ein bestimmter Ton, den V√∂gel von sich geben. In Island scheint die Bezeichnung daf√ľr √ľblich zu sein. Ger√§usche in allen Facetten zu entdecken, sie zu beseelen und zu einzigartigen Melodien zu entwickeln, ist das Hauptanliegen von Aniima. Neben klassischen Instrumenten wie Gitarren, Keyboards und Mandolinen setzen sie dazu eine singende S√§ge, diverse Harfen, singende Weingl√§ser, Xylophone, Glockenspiele, Harmonium, einzelne Glocken, Cembalos, Synthesizer, Trompeten, Posaunen, Tubas, Klarinetten, Schlagzeuge, Violas und Violinen ein. Keineswegs sind sie dabei altmodisch oder wollen konservative Orchestralit√§t festhalten. Sie verwenden liebend gerne auch ihren Computer, der f√ľr ihre Klangwelt noch ganz andere Sph√§ren erm√∂glicht.

AVIVA-Tipp: Instrumentalwelten, die aus dem Wunderland der cleveren Alice entsprungen sein k√∂nnten, aber ebenso als Soundtrack f√ľr die Gut und B√∂se-K√§mpfe in Narnia bestens geeignet w√§ren. Bezaubernd und erschreckend, mitrei√üend und beruhigend, tagtr√§umerisch und vision√§r. Alles ist m√∂glich beim meditativen Hineinfallen-Lassen in die Klanggewebe der hochkonzentriert ihre Ideen umsetzenden, dabei immer ein inneres und √§u√üeres L√§cheln mit sich tragenden vier jungen Damen, die ihre Inspirationen in der geheimnisvoll-endlosen Landschaft Islands finden.

Die Band im Web: www.myspace.com/amiina und www.amiina.com

Amiina
Kurr

Label: everrecords, K7, V√Ė Juni 2007


Music Beitrag vom 19.06.2007 AVIVA-Redaktion 





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