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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 28.04.2008

Bernadette La Hengst - Machinette
Tatjana Zilg

Fröhlich, frech, zynisch, erwachsen, tanzbar: Der Electro-Pop von dem Allround-Talent, das die erste Inspiration zum Musikmachen in der "Hamburger Schule" fand, lĂ€sst keine WĂŒnsche offen. Er macht..



... ungemein Spaß, ist hochkarĂ€tig intelligent, immer wieder hörbar und enthĂ€lt tausend Facetten, die zu entdecken es sich lohnt.

"Freiheit ohne Sicherheit" schallt es einer/m gleich entgegen, sobald die CD in die Anlage geschoben wird. Aber natĂŒrlich kĂŒndigt sich hier kein profaner Polit-Song an, sondern die Worte drehen sich, verwickeln sich ineinander, werden in ZusammenhĂ€nge gestellt, die völlig unerwartet sind und spontan ein komplizenhaftes LĂ€cheln aufs Gesicht zaubern. VerwicklungskĂŒnstlerin nennt das Label Trikont die Berliner Lokalheldin, die viele Jahre auswĂ€rtig in Hamburg verweilte. Als solche prĂ€sentiert sie sich auch auf dem Cover und lĂ€dt ein, hinabzutauchen in ihre Welt der schrĂ€gen Texte und eingĂ€ngigen Rhythmen, die nicht nur den Puls von Party-AutistInnen höher schlagen lassen werden.

Zweieinhalb Jahre ließ sie sich nach dem Erfolg ihrer zweiten Solo-Scheibe "La Beat" Zeit bis zur Veröffentlichung ihres neuen Studioalbums. Verwundern tut dies nicht, denn sie war zwischenzeitlich mit den unterschiedlichsten Kunst- und Theaterprojekten aktiv. Zudem ist das neue Album eine solch geballte Ladung an pfiffigen Wortspielereien und ins Ohr tĂ€nzelnden Melodien, dass ihr alle Zeit der Welt zugestanden wird.

Bernadette La Hengst nimmt die HörerInnen an die Hand und entfĂŒhrt sie in "Das populistische Paradies", wo sie ihnen den Kopf mit einer magnetischen Hookline aus Jazz-Trompeten und Laptop-Beat verdreht. Sofort glaubt jede/r ihr, dass sie den Weg leiten kann zu einem "paradoxen, paranoiden, parallelen Welt-produzierenden Liebespaar-kopulierenden Paradies", wenn auch nur beim nĂ€chsten Konzert. Groovig geht es weiter mit "Liebe ist ein TauschgeschĂ€ft". Sie entwirft die attraktive Utopie, Liebe als Kapital zu sehen und materielle Denkweisen fĂŒr einen magischen Moment ihrer Kraft zu entheben. Wem dies zu rebellisch erscheint, kann sich in Gedanken gemeinsam mit der SĂ€ngerin in "SĂŒĂŸe Gefangenschaft" begeben, das poppig-munter zur zeitweiligen Aufgabe der Freiheit verfĂŒhrt. Chorgesang erwartet die HörerInnen in "Echo unserer Eltern", wo Bernadette La Hengst den Generationenkonflikt durcheinanderwirbelt. Es folgt eine Reise zu dem Ort, von dem nicht wenige derer, die heute bei Großstadt-Konzerten die TanzflĂ€che beleben, in die Welt aufgebrochen sind: "Das Dorf am Ende der Welt". Nach der Aufbruchsstimmung wird die "Liebesrebellion" ausgerufen und es wird auch nicht versĂ€umt, mit "Kill your Idols" alle falschen Illusionen vom Tisch zu fegen.

Viele GĂ€ste holte sie sich mit ins maschinelle Boot: Die Prominentesten sind der Hamburger Knarf Rellöm, dessen Stimme bei "Niemals dorthin" zu hören ist, und die seelenvolle BlĂ€ser der ZĂŒricher Aeronauten, die ihren Einsatz in "Freiheit ohne Sicherheit", "Das populistische Paradies" und "Das Dorf am Ende der Welt" haben. Als Coproduzent beteiligte sich Hans-Joachim Irmler von Faust.

Weiterhören: The Gossip und Hoo Doo Girl.

Weiterlesen: Interview mit Bernadette La Hengst

Bernadette La Hengst im Netz: www.lahengst.com

AVIVA-Tipp: Etwas schade, dass im Booklet die Texte nur auszugsweise wiedergegeben werden. Die Raffinessen lassen den Wunsch aufkommen, die Wortverwicklungen nachzulesen, um ihnen noch besser nachspĂŒren zu können. Der positive Aspekt dabei ist, dass man den packenden Beats der Songs nicht entgehen kann, wenn man die HengstÂŽsche Lyrik in vollen ZĂŒgen genießen will. Viel Gelegenheit, den passenden electro-clashigen HĂŒftschwung und cool-lĂ€ssiges Mitsingen zu den neuen Songs zu ĂŒben, um beim nĂ€chsten Konzert gemeinsam mit anderen PartygĂ€ngerInnen die TanzflĂ€che krĂ€ftig zu beleben.

Bernadette La Hengst
Machinette

Label: Trikont, VÖ April 2008

Music Beitrag vom 28.04.2008 AVIVA-Redaktion 





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