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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 30.11.2008

Noa - Genes and Jeans
Margret M├╝ller

Noas neues Album ist eine musikalische Ann├Ąherung an die jemenitischen Wurzeln. In der einzigartigen Verbindung der in ihr schlummernden Kulturen scheint sie ganz bei sich zu Hause zu sein.



Die K├╝nstlerin Achinoam Nini (international bekannt als Noa) wird immer wieder mit der 2000 verstorbenen Ofra Haza verglichen, und das wohl auch aus offensichtlichem Grund. Beide Frauen sind/waren israelische S├Ąngerinnen jemenitischen Ursprungs, singen Pop, ohne dabei ihre Kultur zu vergessen und sind weltbekannt. Beide sind in Israel mehr als Popstars und (waren) auch sozial und politisch stark engagiert. Ofra Haza sang auf der Friedensnobelpreisverleihung von Yitzhak Rabin und Yassir Arafat, Achinoam Nini einige Minuten bevor Yitzhak Rabin ermordet wurde. W├Ąhrend aber Ofra Haza als eins von neun Kindern im ├Ąrmsten Viertel Tel Avivs aufwuchs, verbrachte Noa ihre Kindheit und Jugend im kulturellen Welt-Zentrum New York und kam erst im Alter von 17 Jahren nach Tel Aviv. Daher ist auch Noas Weg zu ihren jemenitischen Wurzeln wohl etwas weiter als der Ofra Hazas.

Obwohl ihre Herkunft immer im Hintergrund mitschwang, auch in ihrer Musik, n├Ąherte sie sich dieser doch erst in j├╝ngerer Zeit bewusst an. Es war ihr zum Beispiel wichtig, ihren Mann, Dr. Asher Barak nach jemenitischer Zeremonie zu heiraten, ohne genau zu wissen, warum. Was macht es genau aus, das jemenitische W├╝stenkind in ihr? Das herauszufinden, war Anlass ihres letzten Projektes, aus dem die neue CD entstand. Intensiv setzte sie sich mit den Liedern ihrer Gro├čmutter auseinander, mit den Texten von Liebe, W├╝stenwind, Verlangen, Hitze und Staub und schrieb eigene dazu. Das Ergebnis "Genes & Jeans" ist Zeugnis der Verbindung mehrerer Kulturen in einer Person, einer Frau, die ihre Gene und Herkunft wertsch├Ątzt und bewahren will und trotzdem "jeanstragend" im Heute lebt.

Mehrere Kulturen in sich zu tragen kann Zerrissenheit bedeuten, oder aber als Bereicherung empfunden werden. Bereits in ihren Auftritten mit dem "Soli String Quartet" bewies Noa ihre F├Ąhigkeit, verschiedene Musikrichtungen zu verbinden, wie klassische europ├Ąische Musik und arabischen Gesang, vermischt mit Pop. In "Genes & Jeans" steht die jemenitisch-j├╝dische Musik erstmals im Vordergrund. Englisch, hebr├Ąisch und jemenitisch gesungene Lieder verdeutlichen eine wohl endlose Suche nach der eigenen Identit├Ąt, die irgendwo zwischen Jemen, New York und Tel Aviv zu finden ist.
"Can I wear your jeans?/ Will they ever fit?/ Guess I┬┤ll just inhale and make the best of it..." singt Noa in dem Lied, nach dem die CD benannt wurde. Die Jeans passt nie genau, aber auch ihren Genen entspricht sie nie und wird immer hungrig sein, dazuzugeh├Âren. Eine Antwort scheint sie in der Vielfalt gefunden zu haben, zumindest auf dem Album.
"Ich glaube, das funktioniert wunderbar, weil es echt ist. Alles hier ist eine wahre Verbindung und die Wahrheit darin ist so erfolgreich", sagte sie dem israelischen Fernsehen in einem Interview zu ihrem neuen Album.

Zwar hat Achinoam Nini klare Ansichten ├╝ber Israel, Politik, Menschenrechte und ihr Leben. Sie ist aber keine Predigerin. "Meine Texte sollen nicht Biographie meiner selbst sein. Es ist mir nicht so wichtig, dass alle, die meine Musik h├Âren, wissen, was in meinem Leben los ist. Ich will aber, dass sie etwas f├╝hlen und mit ihrem Leben verbinden k├Ânnen. Ich m├Âchte, dass meine Lieder in ihnen nachhallen. Daher schreibe ich nie Worte wie `Mutter, Kind, Frieden, Israel, Pal├Ąstina`. Diese Worte wird man in meinen Alben nie finden, obwohl es Themen sind, die mich inspirieren und beeinflussen." Obwohl die Texte nie offensichtlich sind, ist doch die Geschichte ihrer Familie nicht zu ├╝berh├Âren, der lange beschwerliche Weg der Gro├čeltern vom Jemen nach Israel, das Gef├╝hl des Exils, ihre Entscheidung, der Liebe nach Israel zu folgen, die Suche nach ihrem Platz auf der Welt, und die Sorgen und W├╝nsche einer Mutter.
Eines ist dabei sicher, die Lieder hallen als stabile Ohrw├╝rmer noch lange nach und Noas volle, tiefe und bet├Ârende Stimme, die vor allem in den jemenitischen Ges├Ąngen brilliert, setzt sich fest.

Anspieltipps: Besonders bezeichnend f├╝r das Konzept der CD ist die von Noas 85 j├Ąhriger Gro├čmutter eingesungene Interlude "Dala Dala", A Cappella mit einer herzzerrei├čenden Stimme, die sowohl verzweifelt, leidend als auch in sich ruhend und stark ein traditionelles jemenitisches Lied singt und die folgende Interpretation der Enkelin Dala Dala auf englisch, hebr├Ąisch und jemenitisch. Packende Trommeln, Pop und jemenitischer Folk in einem Lied, die Dramatik und Tiefe des Textes beim zweiten Hinh├Âren sind vielleicht nicht leicht kategorisierbar, aber ber├╝hrend und in sich geschlossen und perfekt. Achinoam Ninis ganz eigene pers├Ânliche Musik ist entstanden, die wie sie, jemenitisch traditionelle und moderne Rhythmen, T├Âne und Worte in jedem Atemzug oder Takt in sich tr├Ągt.

Achinoam Nini wurde 1969 als Kind jemenitischer Einwanderer in Israel geboren. Als sie zwei Jahre alt war, zogen ihre Eltern mit ihr in die New Yorker Bronx. Sie lernte in einer religi├Âsen Schule und nahm zudem bereits als Kind Stunden in Gesang und Tanz. Bei einem Besuch in Israel lernte sie ihren heutigen Mann Asher Barak kennen und zog 17 j├Ąhrig nach Israel zur├╝ck. In Jerusalem schloss sie ihr Abitur ab, diente anschlie├čend in der Armee und nahm ihr Studium der Musik am Rimon School of Jazz and Contemporary Music auf. Mit dem Dozenten Gil Dor verband sie bald eine enge Freundschaft und musikalische Verbindung. Bis heute treten sie gemeinsam auf.

Gil Dor studierte nach seinem Milit├Ąrdienst am Berklee College of Music in Boston Jazz, sp├Ąter am Queens Colleg in New York klassische Theorie und Komposition. Nach seiner R├╝ckkehr unterrichtete er zun├Ąchst in Jerusalem und geh├Ârte zu den Gr├╝ndern der Rimon School of Jazz and Contemporary Music. Bis heute ist er musikalischer und k├╝nstlerischer Direktor und Koautor von Noas St├╝cken, ihr Produzent und Gitarrist.

AVIVA-Tipp: Achinoam Ninis Weg zu ihren jemenitischen Wurzeln ergab eine sehr pers├Ânliche CD, die tief aus ihrem Herzen kommt und auch genau da ber├╝hrt. Von dort aus werden direkte Impulse an die Muskeln gesendet, die unwillk├╝rlich ihren Beitrag zum H├Ârerlebnis leisten. Die Melodien und Rhythmen rei├čen mit, das Mitsingen ist bei ihrer fantastischen Stimme jedoch eine echte Herausforderung.

Noa ÔÇô Genes & Jeans
2008 Emarcy Records
CD 060251763991

www.noasmusic.com

Lesen Sie auch unser Interview mit Noa aus 2006.

Music Beitrag vom 30.11.2008 AVIVA-Redaktion 





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