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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2021 - Beitrag vom 06.09.2012


Kat Frankie - Please Don´t Give Me What I Want
Laura Wösch

In ihrem aktuellen Album gibt die australische Musikerin ihrer Stimme die Hauptrolle und öffnet durch unterschiedliche Aufnahmetechniken einen musikalischen Raum, in dem mensch sich gerne verliert.




Kat Frankie ist eine Künstlerin in Schwarz-Weiß, nicht aufgrund fehlender musikalischer Farbpaletten, sondern wegen der Klarheit in Form und Musiksprache. Reduktion und Sparsamkeit als musikalisches Stilmittel kennzeichnen Frankies Art des Musizierens und machen ihre Musik reichhaltig und intensiv. Längst hat die 33-jährige Australierin das Etikett Singer/Songwriterin abgestreift, eine Plakette, die Musiker_innen mit Gitarre allzuschnell verliehen bekommen. Kat Frankies Attitüde wirkt lässig und abgeklärt, im Gegensatz dazu steht ihr streng gescheitelter optischer Aufzug, ihr Gesang wiederum ist klar und doch emotional, wandert durch tiefe und hohe stimmliche Register, die in jedem Timbre, ob flüsternd, gebrochen oder glasklar, tief berührt.

In ihrer Neuveröffentlichung "Please Don´t Give Me What I Want." konzentriert sich die gebürtige Australierin und Wahlberlinerin ganz auf die Inszenierung ihrer Stimme, die sie entweder in gelooptem a capella präsentiert oder in reduzierte Instrumentalparts einbettet. Das aus Indien stammende Harmonium Bina, auch Namensgeber des Eröffnungstracks, bietet ein warmes und gleichzeitig blechernes Fundament, über dem sich Kat Frankies Gänsehaut erzeugender Gesang ausbreiten kann. Bereits an dieser Stelle signalisiert das Album ein Selbstverständnis, das sich weg von Introvertiertheit hin zu selbstbewusstem Songwriting entwickelt hat: "Ich schere mich nicht länger um mögliche Konsequenzen oder darum, was andere sagen könnten, ich tu was ich will.", so die Künstlerin gegenüber beats international. Mit der neuen Platte habe sie im Vergleich zu ihrer letzten "The Dance of a Stranger Heart" einen Wendpunkt überschritten. Mit ausgebreiteten Armen und ohne Sicherheitsnetz scheint sich die Musikerin in Klänge zu stürzen, die zwischen fragiler Brüchigkeit und kraftvollen Energieausbrüchen treiben.

In "Frauen verlassen" verzichtet Kat Frankie schließlich vollkommen auf instrumentales Gewand, präsentiert ihre Stimme nackt, baut ihren Choral behutsam mittels einer Loopmaschine auf. Daraus schält sich nach und nach ein Abgesang auf eine Liebesbeziehung, der die tröstenden und urteilenden Worte von FreundInnen vereint.

"Requiem for a Queen" erzeugt durch eine besondere Aufnahmetechnik räumliche Tiefe: Um ein Gefühl der Weite zu erzeugen, positionierte Frankie das Mikrofon meterweit von sich entfernt. Das sehr warm und sensibel begleitende Klavier wirkt hingegen ganz nah, weswegen mensch sich mit der Distanziertheit der Stimme wieder versöhnt. Mit "Der Ertrag" präsentiert Kat Frankie ihren ersten deutschsprachigen Song mit so charmantem Akzent, dass mensch ihr spätestens an dieser Stelle verfällt.

Was für ein Glück, dass sich die ursprünglich in Sidney als Innenarchitektin arbeitende Künstlerin dazu entschloss, ihre musikalische Heimat in Berlin aufzuschlagen. Die gebürtige Australierin wollte nämlich nur ein Jahr hier verbringen, von Beginn an fühlte sie sich in Berlins Musikszene aber so aufgehoben, dass sie die Musik zu ihrem Fulltime-Job machte und blieb. "Please Don´t Give Me What I Want." ist nach ihrem Debütalbum "Pocketknife" (Solaris Empire) nun bereits das zweite Album, das von ihrem eigenen Label Zellephan veröffentlicht wird. Es ist mit Abstand das musikalisch und emotional Tiefgehendste.

AVIVA-Tipp: Kat Frankies neuestes Album ist derart vielschichtig und stimmlich so facettenreich, dass mensch der Musikerin ab dem ersten Atemzug ausgeliefert ist. Ihr Gesang changiert zwischen warmen, druckvollen und rauen, fragilen Passagen, die beim Hören den Atem nehmen und eineN im weiten musikalischen Raum wieder Luft holen und ausatmen lassen. Ein Geschenk an Intensität und musikalischem Tiefgang.

Kat Frankie
Please Don´t Give Me What I Want.

Label: Zellephan
Vetrieb: Broken Silence
VÖ: 28. September 2012

Kat Frankie im Netz:
www.katfrankie.com

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Beitrag vom 06.09.2012

AVIVA-Redaktion 






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