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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 26.03.2013

Maia Vidal - Spaces
Julia Lorenz

Was tun nur all die Indie-J├╝ngerInnen, wenn im Club die letzten Takte verklungen sind? Am besten, sie lassen sich von eigenwilligem Mitternachts-Folkpop durch die Stra├čen in den U-Bahn-Halbschlaf...



... begleiten.

Lautst├Ąrke auf Maximum und um Himmels Willen kein Kuschelpop: Hole, Nirvana, Elastica, The Distillers und The Clash nennt Maia Vidal auf der Website ihrer ehemaligen Band Kievan Rus als einige ihrer Lieblingsgruppen. Wer bereits durch ihr hochgelobtes Debut "God Is My Bike" auf die geb├╝rtige Kalifornierin aufmerksam wurde, wird zumindest ├╝berrascht sein - und Indie-Folk-Gr├Â├čen wie Stina Nordenstam und CocoRosie auf der rock- und grungelastigen Liste ihrer All-Time-Favourites suchen. Tats├Ąchlich startete die K├╝nstlerin nach ihrer Zeit in der eben erw├Ąhnten Riot-Grrrl-Formation die Coverband Your Kid Sister, die ausschlie├člich Songs der Punkgruppe Rancid interpretierte und dabei den harten, schroffen Titeln ein neues, bisweilen gespenstisches Gewand schneiderte.

Jedoch macht bereits das von Vidal selbst kreierte, schillernde Artwork ihrer beiden j├╝ngsten Ver├Âffentlichungen deutlich: Der Aufstand muss f├╝rs Erste ohne sie weitergehen. F├╝r ihre Solokarriere l├Ąsst die Musikerin die scheppernden Gitarren im Probekeller und bezirzte bereits auf ihrem ersten Album mit Akkordeon und chansonesken, leichten Melodien. Ihr neues Werk "Spaces" erkundet nun die lichte Seite der Nacht: In elf versponnenen Liedern erz├Ąhlt sie von Siedlungen auf anderen Planeten, Schnee im Sommer und Paaren, die nicht im selben Raum schlafen k├Ânnen, weil sie sonst ihre Alptr├Ąume teilen w├╝rden ("Francis and Fleur").

Von Violine und Audioharp bis hin zu Kontrabass und Trompete bedient sich die K├╝nstlerin verschiedenster Stilmittel, um ihre sph├Ąrischen, luziden Klangger├╝ste zu konstruieren - und zwar fast im Alleingang: Die meisten Instrumente spielte sie selbst und brachte sich im Zuge der Aufnahmen ganz nebenbei Klavier und Banjo bei. Trotz Xylophonklimpern und fragilem Gesang besteht jedoch keine Gefahr, sich nach zwei Tracks genervt abwenden zu m├╝ssen: Dem Verdacht des s├╝├člichen Sch├Ątzchen-Gestus setzt Maia Vidal mal d├╝stere, mal schr├Ąge Lyrics entgegen. Zitathaft verweist die S├Ąngerin und Multiinstrumentalistin auf den radikalen Anspruch ihrer fr├╝heren Projekte: "I could have been a pretty girl but my body disagreed", deklariert sie in "Disaster Body", einem schmerzhaft-sch├Ânen Song, der die Bedeutung des Alterns in einer lookistischen Gesellschaft thematisiert.

Br├╝che in den klassischen Songstrukturen generieren Vielschichtigkeit im Klangkosmos von "Spaces" und stehen schlichten Kompositionen wie "Wander" gegen├╝ber, das auf Zehenspitzen durch die Dunkelheit zu schleichen scheint. Der Schlusstrack "Comets + Stars" beginnt als behutsame Lo-Fi-Spielerei und erzeugt W├Ąrme und Intensit├Ąt, w├Ąhrend "The Big Shift" liebenswert-naive Euphorie und ber├╝ckenden Pop miteinander verschmelzen l├Ąsst. "Everything was beautiful" schlie├čt mit einem Zitat aus Kurt Vonneguts Roman "Schlachthof 5": "And everything was beautiful/ and nothing hurt", hei├čt es am Ende der vier bitters├╝├čen Minuten - ein gro├čartiges, hintergr├╝ndiges R├ęsum├ę f├╝r die ambivalente Grundstimmung des Albums, das Wohlgef├╝hl und Wehmut zugleich zu wecken vermag.

AVIVA-Tipp: In Momenten, in denen die Luftigkeit der Songs von Alternative-Folk-InterpretInnen wie Taken By Trees der eigenen Melancholie nicht gerecht wird, die d├╝stere Schwere von Soap & Skin jedoch zu sehr aufs Gem├╝t schl├Ągt, d├╝rfte Maia Vidals LP "Spaces" in Zukunft in Dauerschleife laufen: Charmant und doch wunderbar exzentrisch l├Ąsst die K├╝nstlerin ihre poetischen Texte mit verspielter Instrumentalisierung in h├Âhere Sph├Ąren abdriften, ohne dabei auf Effekthascherei zu setzen und den Bezug zur Intimit├Ąt des klassischen Singer-Songwriter-Sounds zu verlieren.

Zur K├╝nstlerin: Maia Vidal wurde 1988 in Santa Barbara/Kalifornien geboren. In jungen Jahren zog sie mit ihren Eltern - die franz├Âsischer und japanisch-deutscher Abstammung sind - nach New York, wo sie erst in Brooklyn und sp├Ąter in Ithaca lebte. Sie studierte in Montreal, zog im Jahre 2009 nach Barcelona und pendelt heute zwischen der katalanischen Hauptstadt und Paris.

Mehr Infos zu Maia Vidal unter: www.maiavidal und auf Facebook

Maia Vidal
Spaces

Label: Crammed Discs
Vertriebe: Indigo (CD)/ PIAS (digital)
V├ľ: 5. April 2013

Weiterh├Âren auf AVIVA-Berlin:

Maia Vidal - God Is My Bike

Taken By Trees ÔÇô Open Field




Music Beitrag vom 26.03.2013 Julia Lorenz 





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