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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 24.07.2015

Sophie Hunger - Supermoon
Clarissa Lempp

Neu-Berlinerin Sophie Hunger ist zurück und hat frische Musik im Gepäck. Die Sehnsucht nach der Fremde war Inspiration für das mehrsprachige Album "Supermoon", das vor allem in Kalifornien entstand.



Die Schweizerin Sophie Hunger ist schon ordentlich rumgekommen im Leben. Als Diplomatentochter und international erfolgreiche Musikerin dürfte sie sich in einigen Landschaften und Städten auskennen. Nach drei erfolgreichen Alben war es für sie Zeit, sich wieder in Bewegung zu setzen. Kalifornien, ein gelobtes Land für vielerlei Identitäten, bot ihr die passende Szenerie. Statt aber wie geplant musikalisch zu pausieren, schrieb sie ihr viertes Album in Mietwohnungen in San Francisco. Stein des Anstoßes war ein Besuch im Museum, bei dem Sophie Hunger lernte, dass der Mond nicht mehr als die Folge eines Zusammenstoßes der Erde mit einem anderen Himmelskörper sein könnte. Schon war der Titelsong "Supermoon" geboren. "I was cut out of your stone. I´m empty, but I´m never alone" - singt sie da aus der Perspektive des Monds und in gewohnt atmosphärischer Kulisse mit fragilen Electro-Effekten, zupfenden Gitarren und einem Super-Hall auf der Stimme.

Das Fremde als gefürchteter und gleichzeitig ersehnter Teil des Selbst, das Andere aus dem Eigenen - "Das Unheimliche" von Freud lässt grüßen und ist auf Supermoon passend in Form gebracht. Hunger singt in Englisch, Deutsch, Französisch und Schweizerdeutsch über unerreichbare Väter ("Fathr") oder Liebschaften ("Love is not the answer"). Sie berichtet vom Fortgehen ("Mad Miles" / "Queen Drifter") und vom "Heicho" (schweizerdeutsch für Heimkommen) und lässt die Bläser erklingen zur Geschichte einer Sexarbeiterin ("Superman Woman"). Für das Duett "La Chanson d`Hélène" holte sie sich Ex-Fussball-Profi Éric Cantona an ihre Seite. Das Original sangen einst Romy Schneider und Michel Piccoli in Claude Sautets Film "Die Dinge des Lebens". Ein Klassiker in Frankreich, aber gegenüber dem Scheitern an großen Vorlagen scheint Sophie Hunger zu Recht angstbefreit. Schon zuvor coverte sie mit Jaques Brels "Je ne quitte pas" ein anderes musikalisches Heiligtum des Chansons.

Derzeit lebt Sophie Hunger in Berlin. Auch wenn es laut eigener Aussage noch ein wenig gewöhnungsbedürftig für sie erscheint, findet sie sicher auch hier Inspiration und Gemeinsamkeiten. Der Song "Die ganze Welt", mit seinen schleppenden Beats und der gesäuselten Chanson-Ästhetik, erinnert schon mal sehr an die Berliner Neo-Swing-Combo Nylon um Lisa Bassenge. Sophie Hunger bleibt eben auch musikalisch vielschichtig. Statt nur zur Gitarre, greift sie immer öfter in die Tasten des Pianos (schön schräg in "Age of Lavender"), verwebt organische mit elektronischen Klängen und schwimmt doch weiter im vertrauten Hunger-Sound. Etwas mysteriös, etwas melancholisch und dennoch energetisch. Ein bisschen wie der Mond eben.

AVIVA-Tipp: Supermoon ist rundum ein stimmiges und atmosphärisches Album, das seine besten Momente in den experimentelleren und leisen Stücken offenbart.

Sophie Hunger
Supermoon

Label: Caroline International/ Universal Music
ASIN: B00TUL8T08
VÖ: 24.04.2015

Sophie Hungers Homepage: sophiehunger.com

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