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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 23.03.2010

Jenny Wilson - Hardships
Lisa Erdmann

Unkonventioneller Indie-Pop mit Mut zu ziervollen SchrĂ€glagen - Jenny Wilsons neuestes Werk ist eine aparte Mischung voller spannender Ecken und Kanten und fĂŒgt sich nahtlos in die Riege der...



...schwedischen AusnahmemusikerInnen und Kreativgeister ein.

Diejenige, welche mit "Frida Hyvönen" und "Britta Persson" nicht nur skandinavische Namensgebung, sondern vor allem großartige Musik verbindet, wird sich auch ĂŒber Jenny Wilsons neueste Klangperlen freuen. Schließlich erinnert die schwedische SĂ€ngerin mit ihren eigens geschriebenen, -vertonten und -produzierten Songs mehr als einmal an ihre skurril-fragilen Landsfrauen. Trotz der hörbaren Verwandtschaft ist Miss Wilson jedoch keinesfalls eine ideenlose Imitatorin ihrer Kolleginnen. Mit ihrem zweiten Album beweist die 34-JĂ€hrige wieder jede Menge IndividualitĂ€t und KreativitĂ€t.

Auch wenn Jenny Wilson nach ihrem DebĂŒt "Love and Youth" in 2005 mit "Hardships!" erst ihre zweite Solo-LP veröffentlicht, ist die im Oktober 1975 geborene TonkĂŒnstlerin schon wesentlich lĂ€nger musikalisch aktiv. Von 1997 bis 2003 prĂ€sentierte sie ihre exklusive Stimme in der Band "First Floor Power" und in 2003 unterstĂŒtzte sie die Band "The Knife" in ihrem Song "You take my breath away". Im Jahr 2006 kreierte Jenny Wilson den Soundtrack fĂŒr eine norwegische Dokumentation.

Seit 2003 widmete sich die SĂ€ngerin vorrangig ihrer Solokarriere. Ihr DebĂŒt "Love and Youth" stieß vor allem in Wilsons Heimatland auf willige Ohren und auch das in Schweden bereits in 2009 veröffentlichte "Hardships!" geht mit seiner phantasiereichen Zusammenstellung aus kapriziösen Offbeat- und zwitschernden Midtempo-Tracks jeder Liebhaberin von schwedischen Indie-Pops direkt ins Ohr.

Eröffnet wird das Wilson`sche Tonspektakel mit "The Path", einem Song voll mystisch-somnambulen "Uhs" und "Ahs", welche sich eigenwillig zwischen durchaus anmutigen Sprech- und Singparts tummeln. "I wanted to be born / So I crawled out in the middle of the night / out of my mother" erklÀrt Miss Wilson ihren HörerInnen, um gleich zu Beginn klarzustellen, dass sie und ihre Songs alles andere als gewöhnlich sind. LÀsst frau sich auf die Reise ins Wunderland ein, dann werden auch das stumpfe Xylophon und das kunstvoll verstimmte Klavier zu einer zauberhaften Melodie verschwimmen.

Mit ihrem zweiten Titel "Like A Fading Rainbow" wirft Miss Wilson ihrem Auditorium ein weiteres entzĂŒckendes Klang-Juwel zu und singt in strömendem Sonnenschein "I left my fading life / I left my house with an open door / Left it like an open sore". Auch hier ist es wieder das Xylophon, das mit kindlichem Charme zwischen all dem Schluchzen und Hauchen der SĂ€ngerin als pure Fröhlichkeit zwitschert.

Die restlichen elf schwedischen Sonnenstrahlen sind ebenfalls großzĂŒgig mit facettenreicher Experimentierfreude gespickt. Zaubern bei "Clattering Hooves" lĂ€ssiges Synthie-Klatschen, rhythmisches Schnippen und das jauchzende "Oh what a feeling" ein LĂ€cheln ins Gesicht, schaukelt sich die erste Singleauskopplung "The Wooden Chair" mit zarten Maracas und weichem Bass in den Strophen zum fast schon pompösen Refrain hoch, um dann in der nĂ€chsten Strophe sofort wieder einzubrechen und Wilsons reine Stimme fast a cappella zu prĂ€sentieren.

An das vergleichsweise unspektakulĂ€re "Anchor Made of Gold" schließt sich das rhythmische "Bad Waters" an, bei welchem die SĂ€ngerin kunstvoll zwischen Ballade und schwungvollem Pop wandelt und einmal mehr ihr akrobatisches Gesangsorgan unter Beweis stellt. Auch "Only Here for the Fight" und "Pass Me the Salt" werden dank vieler bunter Glöckchen, Gospel- und Blueseinlagen schnell zu LieblingsstĂŒcken. Im Titelsong "Hardships" finden sich weiche Streicher und das balladesk anmutende "Strings of Grass" bildet mit tröpfelndem Klavier und jazzigen BlĂ€sern den Abschluss.

"Hardships!" wurde in Jenny Wilsons eigenem Studio (The Gold Medal Studio) in Stockholm aufgenommen und produziert. Unter anderem haben die KĂŒnstlerInnen Mapei, Simone Rubi und El Perro Del Mar als GastmusikerInnen mitgewirkt. Auf die Frage, was Jenny Wilson mit "Hardships!" erreichen wollte, antwortete die zweifache Mutter: "Es soll sich wie Salz und Pfeffer auf der Zunge anfĂŒhlen. Hardships soll wie der Funke sein, der ein Streichholz entzĂŒndet. Dieses Album handelt aber auch davon, Mutter zu sein, und von den KĂ€mpfen, die damit verbunden sind."

Frau kann dem nur zustimmen. Sie fĂŒhlt sich von so viel KlangĂ€sthetik eindeutig entflammt und auf ein Neues davon ĂŒberzeugt, dass einstellige Chartpositionierungen allein keinesfalls ein Indikator fĂŒr gute Musik sein können.

Jenny Wilson im Netz: www.jennywilson.net

AVIVA-Tipp: Jenny Wilson verzaubert! Ihre betörende Stimme prĂ€gt nicht nur ein ausgeprĂ€gter Wiedererkennungswert, sondern zusĂ€tzlich ein besonderes Talent fĂŒr die Vertonung besonderer Kompositionen. Hörerinnen, die eine Vorliebe fĂŒr kreative SkurrilitĂ€ten hegen, kommen auch bei dem neuesten Silberling der einfallsreichen Schwedin voll auf ihre Kosten.

Jenny Wilson
Hardships!

Label: Playground (edel), VÖ: Februar 2010


Weiterhören auf AVIVA-Berlin:

Jenny Wilson - Love And Youth

Britta Persson - Kill Hollywood Me

Britta Persson - Top quality bones and a little terrorist

Taken By Trees – Open Field

Music Beitrag vom 23.03.2010 Lisa Erdmann 





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