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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 30.01.2009

Glasvegas - Glasvegas
Silvy Pommerenke

Oasis und Muse können einpacken, denn Großbritannien hat eine neue Rock`n`Roll Band, deren Schlagzeugerin Caroline McKay laut NME Cool List zu einer der zehn coolsten MusikerInnen ...



... der Welt gek√ľrt wurde.

Der seit 1952 w√∂chentlich erscheinende New Musical Express (NME) erstellt diese Cool List seit 2002, und hierbei wird nicht etwa aus dem Bereich des Mainstreampop sondern aus dem Rock- und Independent-Bereich rekrutiert. Bislang war beispielsweise regelm√§√üig einer der Gallagher-Br√ľder von Oasis vertreten, und auch Amy Winehouse wurde letztes Jahr in diese Liste der coolsten Menschen unseres Planeten gew√§hlt. Mit der `Quotenfrau` von Glasvegas ist nun eine Musikerin gew√§hlt wurden, die eigentlich √ľberhaupt nichts cooles an sich hat bzw. dem g√§ngigen Sch√∂nheitsideal trotzt. Mollig sieht sie aus, √§hnelt eher einer Soziologiestudentin denn einer Schlagzeugerin einer Rockband und gibt sich in Interviews sehr charmant und humorvoll. Erstaunlich, dass es nicht der Frontmann und S√§nger der Band, James Allan, in die Cool List geschafft hat, wirkt er doch mit seiner Sonnenbrille, die er scheinbar nie absetzt, wesentlich geheimnisvoller. James` expressive und emotionale Stimme ist es schlie√ülich auch, die einen Gro√üteil der Qualit√§t von Glasvegas ausmacht.

Wie cool das Image der Band auch sein mag und so sehr sie auch musikalisch ihren Vorbildern Oasis gleichen - die sie w√§hrend ihrer aktuellen Europa-Tournee auch supporten ‚Äď so lassen sie bislang noch nicht die typischen Rockstarall√ľren durchscheinen. Als sich Glasvegas (ein Kompositum aus Glasgow und Las Vegas) vor zwei Jahren formierte, dachte wohl niemand von den vier GlasgowerInnen daran, dass sie solch durchschlagenden Erfolg haben w√ľrden. Die sorgf√§ltig arrangierten Songs sind nichts anderes als eine dramatische und pomp√∂se Rockoper, die mal tragisch balladesk daherkommt, andererseits kraftvollen Druck aus√ľbt oder mit melodi√∂sen Ohrw√ľrmern gew√ľrzt ist. Unglaublich aber wahr!

Anspieltipps: "Stabbed", das von der Mondscheinsonate Beethovens untermalt wird, hebt sich musikalisch extrem von den anderen Songs ab. Ein tragischer Kriegssong, der das Einzelschicksal eines Soldaten herausgreift, der sich zwischen T√∂ten und Flucht entscheiden muss. "Ice Cream Van" ist eine phantastische Ballade, die dramatisch und hymnisch konzipiert wurde, und die keinen besseren Platz auf der CD h√§tte bekommen k√∂nnen, als den des Schlussst√ľcks. James Allan l√§uft hier zur Hochform auf und er√∂ffnet den Raum f√ľr ganz gro√üe Gef√ľhle. Aber selbstverst√§ndlich k√∂nnen die vier auch richtig sch√∂n rocken - wobei jeder Song, ob nun schnell oder langsam, sehr melodi√∂s ausgestattet ist. Die erste Singleauskopplung "Geraldine" zeigt diese St√§rke von Glasvegas: melodi√∂se Gitarrenriffs, kr√§ftiges Schlagzeug und die smarte und extrem angenehme Stimme von James, der in seinem typischen schottischen Akzent singt. Auch "Daddy`s Gone", eine weitere Singleauskopplung, beschw√∂rt die f√ľnfziger Jahre und Rockabilly Assoziationen herauf. Die werden auch durch den Klamottenstil der vier SchottInnen wachgerufen, denn schwarz ist selbstverst√§ndlich die erste Farbwahl bei den √úberfliegern und ein exakt gestutzter Flat des Gitarristen Rab Allan, der der Cousin des Leads√§ngers ist, sorgen f√ľr das richtige Rock`n`Roll Image.

Glasvegas im Netz: www.glasvegas.net und auf MySpace

Weiterhören: The White Stripes (mit Meg White am Schlagzeug)

AVIVA-Tipp: Erfrischender Bombast-Rock aus Schottland mit einer ungewöhnlichen Schlagzeugerin, einem phantastischen Sänger und haufenweise super Ideen, was Songwriting, Kompostion und Dramatik betrifft. Zu Recht sind die vier von Glasvegas zur Zeit die absoluten Abräumer im Musikbizz, und es tut gut, neben den altbekannten Bands wie Oasis & Co. sich mal frischen musikalischen Wind um die Ohren wehen zu lassen.

Glasvegas
Glasvegas

Label: Sony BMG, V√Ė Januar 2009

Music Beitrag vom 30.01.2009 Silvy Pommerenke 





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