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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 27.02.2009

Pepi Ginsberg - Red
Tatjana Zilg

Die j√ľdisch-amerikanische Songwriterin tr√§gt denselben Vornamen wie ihre Gro√ümutter, die als Widerstandsk√§mpferin w√§hrend des zweiten Weltkriegs gemeinsam mit ihrem Ehemann die Flucht von ‚Ķ



… Holocaust-Opfern nach Palästina mit dem Schiff "Exodus" organisierte.

Auch mit dem legend√§ren Beat-Poeten Allen Ginsberg verbindet die 24j√§hrige Pepi Ginsberg eine Namensgleichheit, verwandt scheinen sie nicht zu sein, dennoch wurde die Poesie schon fr√ľh zu einem ihrer wichtigsten Lebensinhalte. Unter anderem war sie als Herausgeberin eines High School-Literaturmagazins aktiv.

So war es nur konsequent, dass sie sich nach ihrem Schulabschluss f√ľr ein Studium des Kreativen Schreibens und der visuellen K√ľnste in West Philadelphia entschied. Mit 19 Jahren ver√∂ffentlichte sie bereits ihre erste eigene Novelle unter dem Titel "No Name, Colorado".

Sich mehr und mehr in der jungen Szene ihres Studienortes heimisch f√ľhlend, kam sie bald mit den dortigen SongwriterInnen in Kontakt, jammte viel mit den neuen FreundInnen und entdeckte die Kraft, die in der Verbindung von Wort und Musik liegt, f√ľr sich. Nachdem sie mit einem Song auf einer lokalen Compilation vertreten war, dauerte es nicht mehr lange bis zur Release des ersten eigenen Album "Orange Juice: Stephanie/Stephanie". Im Herbst des Jahres 2006 zog es sie fort von Philadelphia nach New York, wo sie in Eigenregie in ihrem Brooklyner Apartment das zweite Album "Sometime Momma/Sometime Babe" aufnahm. Vorrangig unter der Sonne Kaliforniens feilte sie anschlie√üend w√§hrend einer Tournee an den Live-Qualit√§ten ihrer Songs.

Wer ihrem dritten Album mit dem im Vergleich zu den Vorg√§ngern √ľberraschend kurzen Namen "Red" lauscht, wird √ľberrascht sein, dass es spontan und ohne gro√ües Vorausplanen entstand. Eine Art Flaschenpost war der Initiator, die nach dem Kalifornien-Trip vor ihrer Apartment-T√ľr auf sie wartete. Die Botschaft war von Scott McMicken (Dr.Dog), einem NuFolk-Musiker aus Philadelphia, der sie einlud, gemeinsam einen Song aufzunehmen.

Ohne zu z√∂gern machte sie sich auf den Weg. Schon bald darauf hatte der Song "The Waterline" seine energiegeladene Gestalt angenommen. Wenig sp√§ter kam sie zur√ľck und nachdem sie "In My Bones", eine luftige Hymne an die unbeschwerte Daseinsfreude eingespielt hatten, verlie√üen sie das Studio erst gar nicht wieder. In einem ungebrochenen Work Flow entstanden die zehn Songs von "Red", das auch Pepi¬īs Debut beim Label Park The Van werden sollte.
Mit "Just Music And Spirit" beschreibt Pepi die kraftspendenden Antriebsfaktoren, durch welche die Zusammenarbeit mit Scott McMicken und einigen FreundInnen, die sie noch dazu holten, in nur dreieinhalb Wochen mit einem √ľberaus runden, au√üergew√∂hnlich h√∂renswerten Ergebnis beendet werden konnte. Mit dabei war unter anderem auch Bill Moriarty, dessen Name f√ľr die Berliner Musikfans sp√§testens seit dem grandiosen ausverkauften Gig im Admiralspalast mit seiner Band (Gesang: Rose Moriarty) im Januar 2009 ein deutliches Qualit√§tsindiz sein d√ľrfte.

Spaß und Lebensfreude, Temperament und Abenteuerlust dringen aus den Melodien und den Texten. Eingängige Drum- und Gitarren-Rhythmen tänzeln im Vordergrund mit dem kraftvollen Gesang, der sich in einer hohen Varianz, alle Höhen und Tiefen erkundend, zeigt, an mancher Stelle mit Instrumental-Soli verziert. Als besonders gelungen sind hier die Violinen- und Trompeten-Soli von "In My Bones" zu nennen.
Das Energieb√ľndel springt gern von Nu Folk und Pop Beat zu bodenst√§ndigen, lebhaften Rock wie in "The Contortionist" oder dem verr√ľckt ungest√ľmen Outro "White White White", mit dem sie sich, auf den Spuren von Allen Ginsberg¬īs Seelenverwandter Patti Smith wandelnd, die Dynamik von Wortwiederholungen und einen sich √ľberschlagenden Grundrhythmus zu eigen macht.

Weiterhören: Jolie Holland und Heather Greene

Pepi Ginsberg im Netz: www.pepiginsberg.com und auf Myspace

Video zu "The Waterline" auf Youtube

AVIVA-Tipp: Die Musik kommt zug√§nglicher daher, als es das Verwirrspiel des Covers vermuten l√§sst. Quirlige Lebendigkeit und eine ansteckende Vorfreude auf dem Sommer charakterisieren das Grundgef√ľhl der Songs.
Von der Musikkritik wurden ihr schon Vergleiche mit Joanna Newsom, Jolie Holland und Regina Spektor zuteil - drei eher unterschiedliche K√ľnstlerinnen, deren Qualit√§ten sie neu vereint und denen sie zugleich ihre eigenen Sound-Ideen gegen√ľberstellt.

Pepi Ginsberg
Red

Label: Park The Van, V√Ė Februar 2009


Music Beitrag vom 27.02.2009 AVIVA-Redaktion 





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