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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 19.10.2010

Pilpel - Burning Sensation - Pilpel
Tatjana Zilg

Einen mutigen Schritt ging die israelische Komponistin, Gitarristin und S√§ngerin Dalia Faitelson mit ihrer Entscheidung, ihre Muttersprache Hebr√§isch als Sprache f√ľr ihre Songtexte zu w√§hlen, ...



... nachdem sie zuvor auf zehn Alben vorrangig in Englisch gesungen hatte.

Dabei ist ihre Umgebung keine, in der sie allt√§glich hebr√§isch spricht: Sie ist vor knapp zwei Jahrzehnten nach D√§nemark gezogen und gr√ľndete dort zusammen mit einem d√§nischen Studienkollegen vom Berklee College of Music (US) eine Familie. Als World- und Jazzmusikerin erlangte sie durch zahlreiche Projekte Bekanntheit und die Aufmerksamkeit eines internationales Publikums, das ihre englischsprachigen Songs auf CD und live sch√§tzte. Dennoch kehrte sie w√§hrend ihrer Konzerte immer wieder f√ľr einen Song gegen Ende des Line-Ups zur Sprache ihres Geburtslandes zur√ľck und das Publikum war ber√ľhrt, ohne die Worte rational zu verstehen.

Dalia Faitelson wurde in der israelischen Negev-W√ľste als Tochter einer bulgarischen Mutter und eines israelischen Vaters geboren. Nach Erfolgen und Auszeichnungen f√ľr ihr englischsprachiges Werk (Danish Jazz Grammy Award 2000 und Composer of a year Award 2005) unter ihrem vollen Namen w√§hlte sie das hebr√§ische Wort "Pilpel" als Gl√ľcksbringer und Markenzeichen f√ľr ihre musikalische Wandlung hin zu ihren Urspr√ľngen. √úbersetzt hei√üt Pilpel Pfeffer und weist darauf hin, welche Wirkung Dalia Faitelson ihrer Musik geben m√∂chte. Sie soll Sch√§rfe und S√ľ√üe gleicherma√üen in sich tragen und sich dadurch nachhaltig in alle Sinne schmiegen.

2007 erschien in Deutschland ihr erstes Album als Pilpel. Pr√§gnant meldet sich dort auf vielen Songs eine orientalische Frame Drums zu Geh√∂r, geschlagen von Jarrod Cagwin, einem amerikanischen Perkussionisten, der sich durch unz√§hlige Projekte mit World-, Jazz- und FunkmusikerInnen einen wichtigen Namen in der Musikszene erarbeitet hat. Auf "Pilpel" begegnet seine energetische Rhythmusgebung der facettenreichen Stimme Dalia Faitelsons, die von leidenschaftlicher Ekstase zu sehns√ľchtiger Melancholie hin- und herschweift.

Traurigkeit, Wandlungsfähigkeit und Temperament

Gro√üe Gef√ľhle sind ein zentrales Thema der Songs und einige besch√§ftigen sich intensiv mit der Traurigkeit, die wie Pfeffer und Salz zum Leben geh√∂rt. "Siba O Bli Siba" ("With or without cause") sp√ľrt der Unberechenbarkeit der Traurigkeit nach, wenn sie in der Seele erscheint, ohne dass ein Grund daf√ľr ausfindig gemacht werden kann.
Vom Seelental zu einer Naturkraft f√ľhrt der Song "Oy Ko Cham" ("Oh so hot"), denn in ihm geht es um die Hitze, nach der man sich im Westen oft sehnt, aber die im S√ľden manchmal zuviel wird. Musikalisch wird sie von einer langsam dahinflanierenden Frame Drum interpretiert, welche trotz der sonnigen Tr√§gheit von einem verspielten Akkordeon umworben wird. Gemeinsam betonen sie die erfrischende Kraft des rauchig-samtenen Gesangs. Bei "Yona Avuda" ("Lost dove") dr√§ngt sich das Akkordeon weiter nach vorne und verleiht dem Song einen anmutig-melancholischen Charakter. In einem tief das Herz ber√ľhrenden Timbre widmet Dalia diesen Song der Taube als Symbol der Hoffnungstr√§ger und Zeichen des Verlusts zugleich.

Im begleitenden Booklet schreibt sie: "It is the dove that has flown away to another place - the mountains of the South, or maybe the Northern Sea. A dove that once had been so white, so pure, so loved; the dove that had symbolized peace. A dove whose wings are now gray and shabby, who is so fatigued and ragged, that the light in her eyes has gone out."

Die Ambivalenz zwischen hoffnungsvollem Aufbruch und tragischer Begegnung mit der Wirklichkeit spiegelt sich auch in den Instrumental-Soli des nach ihrem K√ľnstlerinnennamen benannten Songs "Pilpel", in dem ein forscher Bass mit einem wagemutigen Akkordeon flirtet, bis sich ihr Rendezvous Nuance um Nuance zu einem melodramatischen Tanz wandelt.
Die orientalische Durchdringung der Songs nimmt in "Neshikat Gamal" ("A Camel¬īs Kiss") einen stimmungsvollen H√∂hepunkt. Verhaltene Rasseln begleiten Frame Drums, Bass und Akkordeon bei einem Erkundungsgang durch die Geheimnisse einer W√ľstenlandschaft. Dalia Faitelsons Gesang zeigt sich dabei zart-bet√∂rend und schmiedet aus den Lyrics eine kunstvoll-dezente Vokalakrobatik.

Auf ihrem kommenden Album "Burning Sensation", welches Januar 2011 ver√∂ffentlicht wird, spielen die Naturkr√§fte die Hauptrolle, die besinnliche Trauer transformiert zu reifem Temperament. So birgt der Titel den Hinweis auf K√∂rper und Seele gleicherma√üen entflammende Songs in sich und verspricht nicht zu viel. Mitrei√üendes Tempo mit deutlichen Balkan-Einfl√ľssen entstr√∂mt aus den Songs "Guy Veneshama" ("Body & Spirit") und "Latet Tettet" ("To give give give"). Die drei Songs "Dimdumim" ("Twilight"), "Melech Haofel" ("King of Darkness") und "Or Yareach" ("Moonlight") reflektieren das Motiv des Lichts im Wechselspiel von Hell bis Dunkel in einer malerisch-surrealen Welt. Alle neun Songs zusammen ergeben ein anregendes wie angenehmes Klangmeer, in das es sich lohnt, tief einzutauchen.

AVIVA-Tipp: Mit ihrem neuen Projekt Pilpel bietet Dalia Faitelson all denen Gelegenheit, die hebr√§ische Sprache auf sinnliche Art zu entdecken, die bisher noch keinen Zugang zu ihr hatten. Auf musikalischer Ebene verbindet sie dazu gekonnt Elemente aus dem orientalischen und s√ľdeurop√§ischen Raum mit ihrer profunden Jazz-Erfahrung und l√§sst so ihren eigenen Sound entstehen, der sich mal sanft anschmiegt, dann rebellisch provoziert, dann liebenswert aufmuntert und immer von einzigartigem Elan und Charme gepr√§gt ist.

Pilpel
Pilpel

Label: Double Moon; V√Ė 2007

Pilpel
Burning Sensation

Label: Peregrina; V√Ė Januar 2011

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.myspace.com/daliafaitelson

www.daliafaitelson.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Dalia Faitelson in interview


Music Beitrag vom 19.10.2010 AVIVA-Redaktion 





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