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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 15.02.2004

Rosenstolz - Alles eine Frage des Lichts
Sharon Adler + Anja Kesting

Seit 13 Jahren stehen AnNa R. und Peter Plate gemeinsam erfolgreich auf der B├╝hne. Im M├Ąrz 2004 erscheint ihr neuntes Album: "Herz". AVIVA-Berlin sprach mit ihnen ├╝ber Liebe, Laster und Marotten.



NEWS Mit ihrer gro├čartigen Ballade "Liebe ist alles" werden Rosenstolz am 19.03.2004 beim deutschen Vorentscheid zum Grand "Germany 12 Points" auftreten.

Damit kehren sie mal wieder, zumindest als G├Ąste, auf die deutsche Grand Prix B├╝hne zur├╝ck.

NDR Unterhaltungschef J├╝rgen Meier-Beer: "Ich freue mich sehr, dass Rosenstolz bei uns ihren neuen Titel "Liebe ist alles" pr├Ąsentieren. Sie waren die ersten, die den Neubeginn beim Grand Prix in Deutschland eingeleitet haben...ÔÇť

Fans und Freunde des Berliner Pop-Duos d├╝rfen sich auf einen spektakul├Ąren TV-Auftritt von AnNa R. und Peter Plate freuen.


AVIVA-Berlin: Ihr singt auf eurem neuen CD "Herz" viel ├╝ber Liebe, Trennung, Liebeskummer, Entfremdung, Sehnsucht... Ist das neue Album, das am 22. M├Ąrz 2004 erscheint, Euer Pers├Ânlichstes?
AnNaR.: Darum ging es schon immer, aber ich glaube, "Herz" ist das Album, das uns am n├Ąchsten kommt.
Peter Plate: Es ist sehr bei uns geblieben, das hatten wir gar nicht so geplant. Als erstes entstanden die Lieder "Liebe ist tot" und "Ich will mich verlieben". Die sind so privat - h├Ątten wir Allerweltslieder dazu gemischt, h├Ątte es einfach nicht gepasst. Jetzt ist es ein pers├Ânliches Tagebuch geworden.

AVIVA-Berlin: Wie geht ihr mit Liebeskummer um, was ist f├╝r euch das Schlimmste an einer Trennung?
Peter Plate: Im Moment leben AnNa und ich beide in gl├╝cklichen Beziehungen. Meine dauert jetzt schon 14 Jahre. Du hast aber trotzdem immer diese Angst vor Trennung. Auch wenn Du Dir deines Partners sehr sicher bist, wohnen Albtr├Ąume in Dir. So ist auch "die Liebe ist tot" entstanden. Man tr├Ąumt, dass der andere weggegangen ist und nicht wiederkommt, nicht mehr will, oder einem sagt: "Ich liebe dich nicht mehr".

AVIVA-Berlin: Oder sich in jemand anders verliebt.
Peter Plate: Ich glaube, das geht noch, da kann man sich ein Feindbild aufbauen. Meine erste gro├če Liebe hat mich mit den Worten verlassen: "Ich liebe Dich nicht mehr."

AVIVA-Berlin: Wobei das ja auch ehrlich ist.
Peter Plate: Ja, das war total ehrlich.
AnNa R.: Ich wurde wegen einer anderen Frau verlassen, und habe es erst vier bis f├╝nf Wochen sp├Ąter erfahren, das war hart. Ich habe sehr lange gebraucht, um das nachvollziehen zu k├Ânnen, um damit umgehen zu k├Ânnen.
Peter Plate: Gl├╝cklicherweise k├Ânnen wir ja dar├╝ber Lieder schreiben.

AVIVA-Berlin: "Hab mich zu weit entfernt, hab mich selbst ausgesperrt..."
In welcher Situation ist dieses St├╝ck entstanden?
Peter Plate: Es ist ├╝ber ein negatives Gef├╝hl. Manchmal passiertÔÇÖs, wenn ich morgens aufwache, dass ich mich ├╝berhaupt nicht mehr sp├╝re und gar nicht wei├č, wer bin ich jetzt eigentlich und weshalb mach┬┤ ich den ganzen Quatsch. Und "wenn das dann das n├Ąchste Mal passiert, dann lass ich das nicht mehr zu, dann k├Ąmpf ich f├╝r mich, ich werde dich nicht mehr rausschmei├čen". Wir haben damals den ersten Textentwurf meinem besten Freund vorgespielt und er meinte: "Das geht so gar nicht". Er kennt das Gef├╝hl nicht. Dementsprechend haben wir es ├╝berarbeitet, damit es ein bisschen verst├Ąndlicher wird. Ich glaube, jetzt begreift man das Lied und das dazugeh├Ârige Gef├╝hl.

AVIVA-Berlin: Ihr habt das aktuelle Album in Hamburg aufgenommen? Wegen der Technik? Oder ist es manchmal n├Âtig, sich von zuhause zu entfernen, um zu sich zu kommen?

AnNa R.: Das war nur ein angenehmer Nebenaspekt. Es ist eigentlich durch Zufall entstanden. Die Frau des Schlagzeugers war schwanger und vor der Aufnahme hatten wir mit der Band Proben. Da sie in Hamburg leben und wir nicht wussten, wann das Kind kommt, haben wir uns entschlossen, in Hamburg zu proben. Die angenehmen Aspekte waren: Wir hatten keine Rechnungen zu bezahlen, keinen Steuerberater, der anruft, man muss keine Lebensmittel einkaufen, was auch immer so die t├Ąglichen Sachen ausmachen.

AVIVA-Berlin: "Meine n├Ąchste Zigarette ist das einzige, was mich aufrecht h├Ąlt". Ein Leben ohne Zigarette ist wie...
AnNa R.: F├╝r mich w├Ąre das furchtbar, ich kann es mir gar nicht vorstellen ohne Zigarette. Aber die Zigarette ist ja eigentlich nur ein Symbol. Es geht nicht unbedingt um sie, es geht um die feste Gr├Â├če, dass h├Ątte auch der Kaffee sein k├Ânnen, dass man sich an was festh├Ąlt, an was klammert.
AVIVA-Berlin: Wie findet ihr die Spr├╝che auf den Zigarettenpackungen?
AnNa R.: Die bringen ├╝berhaupt nichts, ganz im Gegenteil. Junge Leute, die es abschrecken sollte, sehen es eher als einen Scherz. Alles was mit Verboten und Schildern zu tun hat, ist spannend f├╝r Menschen, das ist v├Âllig logisch. Man glaubt immer, dass f├╝r M├Ąnner der Spruch mit der Impotenz was bringen k├Ânnte, aber das glaube ich nicht. Wer raucht, der guckt da gar nicht mehr drauf.

AVIVA-Berlin: "Liebe ist alles.....alles was wir brauchen". Was braucht ihr sonst noch?
Peter Plate: Musik nat├╝rlich, Gemeinschaft, Sex. Es gibt auch Sex ohne Liebe, f├╝r einige Menschen. (lacht) F├╝r mich auf jeden Fall, aber das w├╝rde ich gar nicht zur Message erkl├Ąren wollen. Das muss jeder so machen, wie er es gerne hat...Gesundheit.

AVIVA-Berlin: "Schlampenfieber" performt ihr immer wieder neu. Habt ihr schon eine Idee f├╝r einen neuen Stil auf der kommenden Tour?
Peter Plate: Ja, aber wir wissen noch nicht ob die Idee funktioniert. Wir hatten schon so viele Ideen zu "Schlampenfieber" die nicht funktioniert haben...wir m├╝ssen es erst mal probieren. Aber es wird wieder etwas ganz anderes sein, als bei den vorherigen Konzerten.

AVIVA-Berlin: "Amo Vitam" ÔÇô ich liebe das Leben und "das gelbe Monster". Wie schafft ihr den Spagat zwischen Melancholie und Euphorie?
AnNa R: Wie schafft das der Mensch an sich? Also, ich halte das f├╝r eine v├Âllig normale Geschichte. Es gibt kaum Menschen, die nur gl├╝cklich oder nur traurig sind. Es geh├Ârt einfach dazu, sich gut zu f├╝hlen, sich schlecht zu f├╝hlen. Mal traurig zu sein, mal euphorisch zu sein. Ich glaube, so ist der Mensch konzipiert. Was ja auch ganz gut ist, sonst w├╝rde man sich ja zu Tode langweilen.

AVIVA-Berlin: Langeweile ist das Schlimmste, oder kommt das gar nicht vor?
AnNa R. Doch, doch, nat├╝rlich kommt das vor. Langeweile ist auch zwischenzeitlich ganz toll. Im Urlaub beispielsweise, da will ich mich langweilen, weil dann der Erholungseffekt erst einsetzt. Die Regeneration des K├Ârpers, des Geistes beginnt erst, wenn die Langeweile einsetzt und das kann man ja planen, das finde ich v├Âllig korrekt.
Peter Plate: Bei mir ist es anders. Ich hasse Langeweile, ich finde Langeweile f├╝rchterlich. Ich langweile mich so etwa viermal im Jahr und das ist ganz schlimm. Ich versuche, alles zu tun, damit das nicht vorkommt. Ich f├╝hle mich dann so in meine Kindheit zur├╝ckkatapultiert, da hatte ich oft Langeweile.

AVIVA-Berlin: Inga Humpe, Marc Almond, Nina Hagen, Nena, Hella von Sinnen ÔÇô mit wem wollt ihr unbedingt mal zusammen auf der B├╝hne stehen, einen Song machen, oderoderoder......
Peter Plate: Im Moment sind wir so intim, ein Herz und eine Seele, da ist noch nicht einmal der Gedanke entstanden.
AnNa R.: Das kann ich nicht sagen, das muss sich ergeben. Ich habe niemand, mit dem ich unbedingt performen m├╝sste. Das ist immer eine pers├Ânliche Sache. Man ist irgendwo, trifft zuf├Ąllig irgendwen und da f├Ąllt einem pl├Âtzlich ein, wie lustig das doch w├Ąre, zusammen etwas zu machen. Aber planen kann man das nicht.
Peter Plate: Es h├Ąngt auch mit anderen Sachen zusammen, aber es muss sich gr├Â├čtenteils aus der Situation heraus ergeben. Mit Hella von Sinnen hatten wir einen am├╝santen Abend und dachten, wir m├╝ssen mal was gemeinsam machen. Bei Nina Hagen haben wir angerufen, weil der Song eigentlich total auf sie zugeschnitten war, der passte zu ihr. Sie hat eine halbe Stunde sp├Ąter zur├╝ckgerufen und "Ja" gesagt.

AVIVA-Berlin: "Wenn ihr etwas nicht versteht, dann muss es doch nicht gleich falsch sein" ÔÇô wie sind eure Erfahrungen mit ignoranten Menschen?
AnNa R. Wir versuchen generell in solchen Texte, den Leuten auch einen kleinen Schubs zu geben. Nachdenken, nicht ignorieren, hinterfragen. Wenn ich heute einen ignoranten Menschen treffe, w├╝rde ich ihn nicht ├╝berzeugen wollen, das ist Energieverschwendung. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass manche im Leben noch dazu lernen.
Peter Plate: Ich bin ein ├ťberzeugungst├Ąter, ich k├Ąmpfe dann schon bis zum letzten Moment. Ich versuche, den anderen zu ├╝berzeugen. Es macht mich krank, wenn ich das nicht schaffe. Ich rege mich echt total auf.
AnNa R.: Das habe ich mir v├Âllig abgew├Âhnt. Ich habe mich fr├╝her viel aufgeregt. Wenn ich mich dann ├Ąrgere, dann aber richtig. Das schafft mich monatelang. Irgendwann sagte ich mir: "Da habe ich keinen Bock drauf, wenn sich jemand meinen vern├╝nftigen Argumenten verschlie├čt, hat er Pech gehabt".

AVIVA-Berlin: Ihr seid beide seit 2002 verheiratet ÔÇô und das im Showbiz ÔÇô wie geht das? (geht das gut)?
Peter Plate: Wir nehmen am Showbiz nicht wirklich dran teil. Wir machen eine Platte und geben auch Interviews, aber nur an bestimmten Tagen, die machen dann auch richtig Spa├č. Ich freue darauf, weil ich wei├č, das hat ein Ende. Ich will das gar nicht 50 Tage im Jahr.
AnNa R: Ich halte auch eigentlich nichts davon. Wenn ich jetzt zu der Platte etwas zu sagen habe, dann tu ich das, das ist in Ordnung. Ich stehe auch gerne im Mittelpunkt, so ist das nicht, aber das mach┬┤ ich dann auf der B├╝hne. Ich muss mich nicht mit allen anderen auf irgendwelchen Parties vor jeder Kamera pr├Ąsentieren. Zudem ich gar nicht gerne fotografiert werde.
Wir erlauben uns den Luxus, nicht 200 Tage im Jahr auf Tour zu gehen.

AVIVA-Berlin: Was macht Ihr dann so?
AnNa R.: Das was jeder macht. Mit Freunden ausgehen, alleine ausgehen. Zuhause bleiben, DVDs gucken, gammeln, kochen, alles M├Âgliche. Ich glaube, das ist auch ganz wichtig, auch noch ein "normales Leben" zu haben.
Peter Plate: Ich und mein Freund stehen morgens mit Rosenstolz auf, schreiben Musik und organisieren. Das macht uns totalen Spa├č. Abends kommt aber der Punkt, wo das Wort Rosenstolz nicht mehr fallen darf, es funktioniert inzwischen automatisch, da muss man gar nichts mehr zu sagen. Meistens ist dann so um 23 Uhr Schluss. Dann schaut man noch eine DVD, oder unterh├Ąlt sich, oder h├Ârt trotzdem noch Musik, aber versucht die Sache zu genie├čen. Es ist ganz wichtig abzuschalten. Fr├╝her haben wir uns oftmals noch nachts angerufen: "Du ich habe eine tolle Idee", so dass man dann nicht schlafen konnte.
AnNa R.: T├╝r zu, und dann privat: Das ist schon wichtig.

AVIVA-Berlin: Seit 1991 macht ihr zusammen Musik, f├╝hlt ihr euch da auch manchmal wie ein altes Ehepaar? Geht ihr euch auch auf die Nerven? Wer hat von wem welche Marotten angenommen?
AnNa R.: Bis jetzt noch keine.
Obwohl Angewohnheiten die Angewohnheit haben, sich zu verst├Ąrken, je ├Ąlter man wird.
Peter Plate: Vielleicht merken wir ja das auch nicht mehr, aber bewusst haben wir nichts von einander ├╝bernommen. Wir sind sehr unterschiedlich.
AnNa R.: Gott sei Dank - Wenn wir uns ├Ąhnlich w├Ąren, w├╝rden wir uns wahrscheinlich nicht verstehen. Oder uns w├╝rde langweilig werden. Wer hat denn Lust mit sich selbst zu streiten? Oder sich mit sich selber abzugeben?

AVIVA-Berlin: Ihr habt immer das Neue, Experimentelle - mit dem Mut zum Risiko - gewagt und nie ein Blatt vor den Mund genommen. Was inspiriert euch?
AnNa R: Es sind nicht immer wir pers├Ânlich. Man hat ja auch Freunde, das, was einem im Leben beeinflusst oder was einem im Jahr passiert ist. Es geschieht ja auch relativ viel, uns zumindest.
Peter Plate: Gestern hat ein Journalist zu mir gesagt: "Das ist eine richtige Rosenstolz Platte", Das war eigentlich auch unsere Absicht, so was wieder zu machen. Die beiden Vorg├Ąnger waren Platten, die nach au├čen wollten. "Herz" will jetzt wieder nach innen, es ist eigentlich eine Platte f├╝r uns. Bis auf unseren Freund kannte auch niemand irgendwelches Demomaterial. Dann war das Ding und ich fing an, es vorzustellen. Ich war v├Âllig aufgeregt.., ja das sind halt wir (Rosenstolz) in der Platte, das ist anders als bei den Beiden vorherigen. Und bin auch total gespannt, wie unsere Fans das neue Album finden.

Vielen Dank f├╝r das Gespr├Ąch!

"Herz"- Das neunte Album von Rosenstolz kommt am 22. M├Ąrz 2004 in die Plattenl├Ąden. Die AVIVA-Berlin-Redaktion hat vorab schon einmal reingeh├Ârt und ist der einheitlichen Meinung: Das sch├Ânste und pers├Ânlichste Rosenstolz-Album.



Konzertdaten der "Herz"-Tour unter:
www.rosenstolz.de

Music Beitrag vom 15.02.2004 AVIVA-Redaktion 





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