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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 19.03.2004

Timna Brauer, Elias Meiri. Voices for Peace
AVIVA-Redaktion

Abgesagt! F√ľnf Galakonzerte in den Hauptst√§dten Deutschlands transportieren eine musikalische Vision. Pal√§stinenserInnen und Israelis singen gemeinsam j√ľdische, christliche und muslimische Kultges√§nge



"Voices for Peace" ist ein Projekt f√ľr zwei Ch√∂re, Orchester und Solisten. Es ist eine der letzten transkulturellen und interreligi√∂sen noch aktiven Initiativen aus dem Nahen Osten.
Wir m√∂chten hier auf f√ľnf Galakonzerte in den Hauptst√§dten Deutschlands hinweisen und gleichzeitig Hintergrundinformationen zu diesem mutigen Projekt bereitstellen.

Das Signal des Miteinander scheint verinnerlicht worden zu sein und das gibt der österreichisch-israelischen Sängerin Timna Brauer den Ansporn, weitere Tourneen und neue Produktionen zu planen.

Tourdaten
21. April 2004 Stuttgart, Theaterhaus
27. April 2004, D√ľsseldorf, Tonhalle
28. April 2004 Hamburg, Liederhalle
29. April 2004, Berlin, Universit√§t der K√ľnste
02. Juli 2004, Passau, Stadthalle
Neben einzelnen Konzerten in √Ėsterreich, werden "Voices for Peace" auf renommierten Festivals in der Schweiz, Frankreich, Slovenien und Italien gastieren.


Die Vision

Es gibt in Israel viele Bem√ľhungen, Begegnungen zwischen arabischen und j√ľdischen K√ľnstlerInnen zu initiieren. Was gelegentlich zwischen einzelnen MusikerInnen gelingt, scheint auf h√∂herer Ebene bei Institutionen wie Orchestern und Ch√∂ren auf un√ľberwindbare politische Barrieren zu sto√üen.
In Zeiten wie diesen ist es schwierig, im Nahen Osten √ľber den Frieden zu sprechen. Dass "Voices for Peace" trotz des politischen Tiefs nicht nur weiterbesteht, sondern im letzten Jahr als eine der letzten Friedensinitiativen im Kultursektor seine Aktivit√§ten vermehrt hat, ist nicht zuletzt der Z√§higkeit und dem ungebrochenen Willen von Timna Brauer zu verdanken. Sie fungiert als Initiatorin und Solistin und meistert stilistische und stimmliche Herausforderungen arabischer und europ√§ischer Musiktraditionen.

Im Herbst 1998 bekam Timna Brauer den Auftrag vom ORF, f√ľr die Aktion "Licht ins Dunkel" ein Friedenslied mit pal√§stinensischen und israelischen Ch√∂ren aufzunehmen. "We shall overcome" von Pete Seeger wurde interpretiert vom Collegium Tel Aviv, dem St. Anthony Choir aus Jaffa und Ud al Nad aus Nazareth, gemeinsam mit Timna Brauer und dem Elias Meiri Ensemble. Diese Arbeit f√ľhrten Timna Brauer und Elias Meiri fort Sie erarbeiten ein Repertoire, das j√ľdische, christliche und muslimische Ges√§nge aus dem Mittelmeerraum beinhaltet. Es entstand eine enge Zusammenarbeit mit arabischen Solok√ľnstlern wie dem Tunesier Dhafer Yussef und dem Pal√§stinenser Marwan Abado.
1999 startete eine Weihnachtstournee in Israel, √Ėsterreich und Deutschland mit den Ch√∂ren Ud al Nad und dem Collegium Tel Aviv. Fast zwei Jahre wurde dieser Live-Mitschnitt f√ľr die CD "Voices for Peace" bearbeitet, gemischt und gemastert. Am 11. September 2001 (!) erschien die CD in √Ėsterreich. Die erste Auflage von 5000 St√ľck war in wenigen Wochen vergriffen. Die Fachpresse √§u√üerte sich enthusiastisch, die CD wurde f√ľr den √∂sterreichischen Plattenpreis 2002 nominiert und erhielt den Segen des XIV. Dalai Lama und von Papst Johannes Paul II.

Timna BrauerJe katastrophaler die Lage im Nahen Osten wird, umso mehr scheinen sich die Ch√∂re miteinander zu solidarisieren. Das eigentliche "Wunder" von "Voices for Peace" ist nicht, da√ü Pal√§stinenserInnen und Israelis gemeinsam auf der B√ľhne stehen und eine Friedensbotschaft nach au√üen tragen, sondern das, was sich hinter den Kulissen und nach der Heimkehr von den Europatourneen abspielt.
Das Projekt hat eine eigene Dynamik entwickelt und sich verselbstst√§ndigt. Die initiale Z√ľndung von Timna Brauer und Elias Meiri hat etwas unaufhaltsames in Rollen gebracht, Freundschaften wurden geschlossen, es gibt monatliche Meetings, einmal im arabischen Dorf, dann wieder in Tel - Aviv. Feste und Hochzeiten werden gemeinsam gefeiert, was in diesen Zeiten in Israel ansonsten unm√∂glich geworden ist, denn man erlebt im Nahen Osten eine Zeit h√∂chsten Misstrauens.
Die palästinensische Studentin, der vorbestrafte arbeitslose Muslime, der israelische Offizier, der christlich-arabische Zuckerlverkäufer, der sunnitische Musikologe, die zum Judentum konvertierte orthodoxe Amerikanerin - sie alle kommunizieren emsigst miteinander auf einer Ebene.

Der Israelische Chor ist von der "Frömmigkeit" her sehr unterschiedlich, und stellt daher einen Querschnitt der israelischen Gesellschaft dar, neben wenig Orthodoxen, sind die meisten traditionell bis atheistisch.
Der Arabische Chor besteht zum Großteil aus christlichen (Syrische Kirche) und zum kleineren Teil aus muslimischen Palästinensern, mit wenigen Ausnahmen sind alle mittel bis extrem praktizierend.
Generell bestehen beide Chöre aus verschiedensten Gesellschaftsschichten, Altersstufen und politischen Weltanschauungen, es sind Geschäftsleute, AkademikerInnen, Offiziere, aber auch StudentInnen, Hausfrauen, Arbeitslose und HilfsarbeiterInnen.
Es verbindet sie eine Vision, die Freude am gemeinsamen Singen, und der Mut zum Rollentausch, indem sie Kultgesänge fremder(?) Religionen und Kulturen mit Inbrunst vortragen.
Nach vier Jahren der Zusammenarbeit verbindet sie auch eine tiefe Freundschaft im Alltag und das ist eigentlich das bemerkenswerteste: Je mehr die Politik auf beiden Seiten versagt, umso mehr verstärkt sich die Beziehung zwischen den beiden Chören von "Voices for Peace".

Tourdaten, Shop und Hörproben unter: www.brauer-meiri.com


Music Beitrag vom 19.03.2004 AVIVA-Redaktion 





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