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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 19.02.2005

Interview mit ICH + ICH
Danielle Daum

Annette Humpe, Ex-IDEAL-Frontfrau und Musikproduzentin, steht wieder auf der B├╝hne. Gemeinsam mit dem Soul-S├Ąnger Adel Tawil. Eine Kombination, wie sie unterschiedlicher kaum sein k├Ânnte.



Annette Humpe ist reifer geworden und m├Âchte es wieder wissen, wie es sich anf├╝hlt, auf der B├╝hne stehen. Sie pr├Ąsentiert nun zusammen mit dem jungen Berliner Produzenten und R n B-S├Ąnger Adel Tawil ihr neues Projekt ICH + ICH. AVIVA-Berlin-Redakteurin Danielle Daum hat die beiden im Februar 2005 zum Interview in Berlin getroffen und mit ihnen ├╝ber das gleichnamige, Anfang April erscheinende Album gesprochen.

AVIVA-Berlin: Im Pressetext zu eurem Album hei├čt es "es h├Ątte einfach gefunkt (musikalisch)", als ihr euch das erste mal begegnet seid. Wie kam es zu dieser Begegnung und was hat euer beider Interesse aneinander geweckt?
Annette Humpe: Adel hat im Studio ein Demo gesungen, und zwar ein St├╝ck, da├č ich geschrieben hatte. Er wollte dem Schauspieler, der das St├╝ck eigentlich singen sollte nur zeigen, wie er es machen soll. Als ich┬┤s geh├Ârt habe, war ich total begeistert sagte ganz spontan: "Warum singt Adel das denn nicht gleich? Das ist doch prima so, ich m├Âchte das lieber mit ihm machen!"

AVIVA-Berlin: Euer musikalischer Background ist sehr verschieden, wie habt ihr es geschafft, trotzdem einen gemeinsamen Nenner zu finden?
Annette Humpe: Na, das ist ja gerade das Interessante! Wenn man offen ist, und das sind wir beide, dann ist es einfach inspirierend, wenn jemand aus einer anderen Kultur kommt und einen anderen Musik-Geschmack hat. Das ist wie ein neues Gew├╝rz, eine neue Zutat.

AVIVA-Berlin: Wo ordnet ihr euch mit Ich + Ich musikalisch ein?

Adel Tawil:
Emotionale deutsche Popmusik. Genau das ist es!

AVIVA-Berlin: Ist es richtig, da├č das Album urspr├╝nglich als eine Solo-CD von Adel geplant war? Wann und warum habt ihr euch zu einem gemeinsamen Projekt entschieden?
Adel Tawil: Wir fingen einfach an, ein paar Songs zu machen. Ich hab gesungen und Annette hat die Texte geschrieben. Sie wurde immer kribbliger und hat dann irgendwann mal ein paar Takte gesungen und da merkten wir, da├č unsere Stimmen richtig super harmonieren, meine tiefe, m├Ąnnliche und ihre klare, helle und wir dachten nur: "Hey, das ist super, das machen wir zu zweit!"
Am Anfang stand kein konkreter Plan, es war eher ein langer Prozess.
Annette Humpe: Au├čerdem gibt┬┤s kaum ICH und ICHetwas mit so vielen Gegens├Ątzen: alt-jung, Mann-Frau, verschiedene Kulturen. Das fand ich spannend. Am Anfang denkst du nicht an das Publikum, du machst es, weil es Spa├č macht.
Adel Tawil: Wir hatten auch keinen Deal!
Annette Humpe: Ich denke so nach dem 5. St├╝ck kristallisierte sich langsam heraus, was es werden sollte. Wir zu dem Zeitpunkt haben wir es dann auch Freunden von einer Plattenfirma vorgespielt und hatten sofort einen Deal.
Adel Tawil: Aber es war wirklich lustig. Wir sa├čen so voreinander und dachten: "Wollen wir das jetzt wirklich mache?"

AVIVA-Berlin: Ihr habt 2002 angefangen, an dem Album zu arbeiten. Bitte erz├Ąhlt etwas ├╝ber den Entstehungs-Prozess, zwei Jahre sind eine lange Zeit...
Annette Humpe: Wir haben vorher noch ein anderes Projekt zusammen gemacht und so was braucht Zeit, das mu├č wachsen. Wenn wir permanent daran gearbeitet h├Ątten, h├Ątten wir es letztes Jahr fertig bekommen k├Ânnen, aber...
Adel Tawil: ...mit den eigenen Sachen ist es immer schwieriger. Wir arbeiten ja beide mit anderen K├╝nstlern und da ist es wirklich einfacher. Aber von seinem eigenen Projekt Abschied zu nehmen, ist was anderes. Das Songwriting ging super schnell, aber was die Produktion angeht war es schon ein ganz sch├Âner Akt, unsere beiden Welten so miteinander zu verbinden, da├č es cool kommt.

AVIVA-Berlin: Was ist zuerst da, der Text oder die Musik?
Adel Tawil: Meistens die Texte.
Annette Humpe: Ja, ich finde es schwerer einen guten Text zu machen, als Melodien oder Rhythmen zu finden. Die liegen irgendwie in der Luft, man mu├č sie nur aufnehmen. Aber einen Text zu schreiben, das ist nicht so einfach. Wei├čt du, f├╝r mich ist ein guter Pop-Song wie ein Polaroid - mit wenigen Worten erz├Ąhlst du eine Geschichte. Auf einem guten Bild siehst du an der Haltung der Leute, wie sie zueinander stehen. Du wei├čt sofort, was los ist. Und so mu├č es in einem guten Pop-St├╝ck auch sein. Hinter dem Vordergr├╝ndigen mu├č noch eine zweite Ebene liegen.

AVIVA-Berlin: Was inspiriert euch zu den Texten?
Annette Humpe: Mein Leben inspiriert mich. Ich singe nur von den Dingen, die ich selber erlebt habe, die ich kenne. Das ist alles die Wahrheit!
Adel Tawil: Irgendwie hat jeder Text eine Verbindung zu mir. Ich kann einen Text grunds├Ątzlich nur singen, wenn ich einen Bezug dazu habe.

AVIVA-Berlin: Die Texte sind alle recht melancholisch: Es geht um Sucht, Verzweiflung, Trauer, Leidenschaft und der Suche nach Liebe. L├Ąuft eurer Meinung nach etwas falsch, sind zwischenmenschliche Beziehungen schwierig geworden?
Annette Humpe: Nee, ich finde es war immer das Schwerste auf der Welt, gute Beziehungen zu f├╝hren oder Liebe zu leben. Vielleicht war┬┤s vor 100 Jahren einfacher, weil man einfach gar nicht diese Freiheit hatte. Heute darf man sich trennen, sich scheiden lassen, man darf viele Partner haben, man darf machen, was man will. Diese Freiheit hat nat├╝rlich auch ihren Preis.

AVIVA-Berlin: Wenn ihr euch in euren Texten mit einem konkreten Thema auseinander setzt, z.B. Drogen oder Liebe, geht ihr da auf Grund des Altersunterschiedes nicht komplett anders heran und wenn ja, wie findet ihr zueinander?
Adel Tawil: Jeder hat halt seine eigenen Geschichten und identifiziert sich anders damit. Ich habe Freunde, die drogenm├Ą├čig total abgest├╝rzt sind. Annette hat ├Ąhnliche Erfahrungen vielleicht vor zwanzig Jahren gemacht.
Annette Humpe: Ich denke auch, selbst wenn du ICH und ICHerst 26 bist, hast du schon mal Schmerz empfunden. Aber Adel neigt viel weniger zur Melancholie, als ich. Das sch├Ątze ich so an ihm. Er ist wie Vitamin C f├╝r mich. Er sieht immer alles positiv, ist relaxed, wenn ich schon am Rad drehe.

AVIVA-Berlin: Wie kommt ihr, mal abgesehen von der Arbeit, miteinander klar? Ihr steht ja beide in ziemlich unterschiedlichen Lebenssituationen. gibt┬┤s trotzdem Gemeinsamkeiten?
Annette Humpe: Ich k├╝mmere mich gerne um mein Kind, wenn wir nicht arbeiten. Aber mein Sohn Anton liebt Adel. Wenn ich ihm irgendwas unterjubeln will, sag ich einfach "das hat Adel auch, das zieht Adel auch an".
Adel Tawil: Die Wollm├╝tze im Winter! "Hat Adel auch, ganz tief tr├Ągt er die immer, ├╝ber den Ohren!"

AVIVA-Berlin: Annette, du warst mit deinem 12 j├Ąhrigen Sohn Anton ├╝ber Weihnachten auf Sri Lanka. Willst du dar├╝ber sprechen?
Annette Humpe: Wir hatten einfach super Schutzengel! Wir waren mitten drin! Das Hotel war direkt am Meer. Im Urlaub sind wir Fr├╝haufsteher. Wir waren um 8 Uhr schwimmen, um 8.30 Uhr fr├╝hst├╝cken. Dieser Raum ist sp├Ąter komplett geflutet worden. Anschlie├čend sind wir nach oben gegangen, weil ich Anton noch eincremen wollte und auf ein mal geht es los! Wir waren im 1. Stock und das Wasser stieg bis zum Balkon hoch, ging dann wieder zur├╝ck und dann zog sich das Meer so weit zur├╝ck, da├č du┬┤s nicht mehr sehen konntest. Ich hatte vorher schon B├╝cher ├╝ber Tsunamis gelesen und wusste: "jetzt wird gerannt!" Als die zweite und weitaus st├Ąrkere Welle kam, hatten wir es gerade geschafft, uns auf einem nahegelegenen Berg in Sicherheit zu bringen. Dann sa├čen wir dort oben 24 Stunden fest, haben auf der Erde geschlafen... Aber ich fahr┬┤ da wieder hin. Auf jeden Fall. Ich m├Âchte mich einfach bei den Singhalesen bedanken, die wirklich ihr letztes Trinkwasser und ihren letzten Reis mit uns geteilt haben. Es war wirklich unglaublich, was ich dort an Menschlichkeit erfahren habe. Das m├Âchte ich nicht missen. Ich bin alleinerziehende Mutter und verreise viel mit meinem Sohn. Er hat schon gesagt, da├č er dieses Jahr einfach ein ganz normales Weihnachten m├Âchte, mit Tannenbaum usw.

AVIVA-Berlin: Gibt es konkrete Pl├Ąne, wie es weitergehen soll oder la├čt ihr auch das einfach ganz locker auf euch zukommen?
Annette Humpe: Wir wollen viel Liebe geben und viel Liebe bekommen. Und erfolgreich sein.

AVIVA-Berlin: Ich danke euch beiden f├╝r das Interview und w├╝nsche euch alles Gute und viel Erfolg.
Annette Humpe: Danke, dir auch alles Gute.
Adel Tawil: Danke, gleichfalls.

Mehr Infos zu ICH + ICH und die Tourdaten unter:
www.ich-und-ich.de


Music Beitrag vom 19.02.2005 AVIVA-Redaktion 





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