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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 20.04.2006

Leave that thing behind von Katja Werker
Silvy Pommerenke

Die neue Werker ist da. Da kann man nur sagen: Endlich, endlich, endlich! Ganze sechs Jahre hat sie auf sich warten lassen, und in der Zwischenzeit ist viel geschehen. Nämlich...



...sie tauschte ihr Girlie Oufit und den streng gek√§mmten Scheitel gegen Hosen im Military Look und stylisch verschnittene Haare ein. Der gesellschaftsf√§hige Neo Punk l√§sst gr√ľ√üen. √úberdies l√§sst sie uns wissen, in der Vergangenheit viel Punkmusik geh√∂rt zu haben - gl√ľcklicherweise werden diese Wurzeln geschickt verborgen - und irgendwie mag man ihr das auch nicht richtig abnehmen. Punk und Werker sind wie Nord- und S√ľdpol. Einfach gegens√§tzlich. Was sonst noch geschah? Sie trug die eine oder andere Liebe zu Grabe (daher auch der Albumtitel), gebar ein Kind, und musikalisch tauschte sie die schwarze Acoustic-Gitarre gegen viele Elektrische ein.

Die sechs Jahre Wartezeit waren einerseits hart, weil man sich so sehr nach einem neuen Album sehnte, andererseits war und ist ihr Debutalbum "Contact myself" (was insofern nicht ganz stimmt, weil ihr erstes Album "What the bird said" 1999 in Kleinstauflage auf Vinyl gepresst wurde, jetzt aber als handmanufactured edition auf CD erwerblich ist) eines der besten Singer-Songwriter Alben der letzten Dekade. Wenn man auf eine einsame Insel nur einige wenige Platten mitnehmen k√∂nnte, so w√§re der "Erstling" von Katja Maria Werker gewi√ü dabei. Das sp√§te 2006er Album hat freilich gute Chancen, auch mit dorthin genommen zu werden. Und als wolle sie uns f√ľr die lange Wartezeit entsch√§digen, ist das n√§chste Album mit dem Arbeitstitel "Beautyfull sky" bereits fertig geschrieben und steht in den Startl√∂chern, um im Sommer aufgenommen zu werden

Katja Werker ist ein wenig rockiger und moderner geworden. Hat sich des Kunstnamens Maria entledigt, und neben der akustischen Gitarre nun auch E-Gitarren und ein Banjo dabei. Alles wirkt leichter und lebendiger. Weniger dramatisch. Was bleibt, ist ihre wirklich beschwörende Stimme. Anspieltipps: "Bullet in my head" und "Very hard time".

Obgleich sie bei dem Abschlusskonzert ihrer diesj√§hrigen Tournee im Maschinenhaus der Kulturbrauerei Berlin etwas erm√ľdet wirkt, tut dies ihren Songs keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil. Sie schafft eine derart intime Atmosph√§re auf der B√ľhne, dass man fast das Gef√ľhl hat, sie s√§nge nur f√ľr eine alleine. Diese Intimit√§t, die sie durch ihre nuschelnde, fl√ľsternde, hauchende Stimme hinbekommt, ist wirklich erstaunlich. Andere MusikerInnen brauchen f√ľr solch eine B√ľhnenpr√§senz ein gro√ües Orchester oder gro√üe Gesten. Die Werker √ľberzeugt hingegen durch ihre leisen T√∂ne. Im Gegensatz dazu stehen die langen Ansagen zwischen den Liedern, die erstaunlich erfrischend und munter sind. Sie plaudert mit dem Publikum, als w√§re es ein privates Kaffeekr√§nzchen. Und wer bei ihren leisen melancholischen Liedern auf Betroffenheitsansagen gewartet hat, der wird √ľberrascht sein, wie witzig und vor allem nordisch sie daherkommt. Nordisch by nature!
Auch wenn sie drei der alten Songs nicht mehr, oder noch nicht, spielen will - sie nennt sie "Wunden-Lieder" ("Contact myself", "Music is the only language" und "The streets of Africa") - wird dies zwar vom Publikum bedauert aber gleichzeitig verst√§ndnisvoll aufgenommen, denn selten hat jemand so charmant seine (ihre) Grenzen gezogen. Und wenn man ganz viel Gl√ľck hat, dann holt sie noch zum Abschluss ihr vierj√§hriges Kind auf die B√ľhne. Das rotiert dann ganz selbstvergessen auf dem quietschenden Drehstuhl, krabbelt vertrauensselig zu Mama Katja, wenn diese im knien ihr Gitarrensolo spielt, legt sich in deren Scho√ü, und die Mutter rockt, was das Zeug h√§lt. Dass es so etwas gibt, erstaunt. Dass so etwas geht, das sieht man. Mutterliebe in ihrer sch√∂nsten Form!

Weiterhören: Rickie Lee Jones und Cat Power.

AVIVA-Tipp: Gitarren-Pop-Perlen f√ľr Fortgeschrittene! Katja Werker, die seit ihrem vierten Lebensjahr Gitarre spielt, hat uns ganz viel zu geben. Und man kann nur hoffen, dass ihr Kind, das mittlerweile auch schon eine Gitarre hat, in ihre Fu√üstapfen treten wird!

Katja Werker im Netz: www.katjawerker.de und www.spv.de/katjawerker

Katja Werker
Leave that thing behind

Label: SPV, V√Ė: Januar 2006
EAN: 0693723703626
16,99 Euro90008115&artiId=5213722&nav=5247"

Music Beitrag vom 20.04.2006 Silvy Pommerenke 





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