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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 12.07.2006

Zeebee - Priorities
Tatjana Zilg

Elektronisch, akustisch, jazzig und sehr eigenwillig. Die Songwriterin aus den Vorarlberger Bergen trÀumte schon von einer Karriere als Kunstflugpilotin, widmet sich aber jetzt wieder der Musik



PrioritĂ€ten setzen - das ist nicht immer leicht, doch der Multi-KĂŒnstlerin aus deutschem Lande, seit einiger Zeit im alpinen Nachbarland Österreich wohnend, gelingt es mit Exzellenz und Leichtigkeit.
Seit ihrem fĂŒnften Lebensjahr schreibt sie Songs und nimmt diese selbst auf.
Knapp erwachsen, mit 17 Jahren fĂŒhrt sie eine erste Tour mit der Band PigBag, die Anfang der inspirativen 80er mit einer Mischung aus Jazz Revival und Post Punk bis in die Top of The Pops gelangte, nach England. ZurĂŒck auf dem Kontinent veröffentlicht sie auf dem Schweizer Label Off Course zwei Alben.

Neben der Musik gewinnt die eigene Familie Bedeutung.
Sie ist Mutter von zwei Kindern - einer Tochter und einen Sohn.
Ihre KreativitÀt setzt sie multiprofessionell ein: Sie leitet einige Zeit das Atelier einer Werbeagentur, arbeitet als Ghostwriterin, nimmt Flugstunden und trÀumt von einer Karriere als Kunstflugpilotin.
WĂ€hrenddessen fĂ€hrt sie unentwegt fort, ihre musikalischen Ideen aufzuzeichnen, startet Ende der neunziger Jahre via Internet unzĂ€hlige Kollaborationen mit MusikerInnen weltweit und grĂŒndet www.zeebeemusic.com. Ihr erstes Solo-Album "Chemistry", das anno 2004 zum Album der Woche auf FM4 gekĂŒrt wird, findet eine weitreichende Resonanz in den Medien und bei der interessierten Musikhörerschaft.

In Zusammenarbeit mit renommierten MusikerInnen aus der ganzen Welt (Kevin Martin aka The Bug, Jeffry Math, Trishes, Gerhard Potuznik, Jox, David Grumel, Volker Bertelmann, u.v.m.) erarbeitete Zeebee via Internet die MusikstĂŒcke fĂŒr "Priorities". Neben der Studioarbeit transportiert die KĂŒnstlerin die Resultate seit mehreren Jahren auch live in drei unterschiedlichen Formationen auf die BĂŒhnen: solo (wie z.B. im Radiokulturhaus 2005), in Begleitung des Jazzpianisten Stefan Frommelt oder mit einer 7-köpfigen Band.

Nervöser Jazz empfÀngt die neugierige CD-Einlegerin auf dem Intro "Zeebee Case". Die Stimme packt sofort: LÀssig, leicht ungeduldig, etwas comichaft, dann wieder leidenschaftlich swingt Zeebee zu dem posaunenorientierten Opener.
Das folgende "Priority" beweist, dass dieses Album bestimmt nicht langweilen wird. Im Kontrast zum Zuvorgehörten verfĂŒhrt die kreative Lady nun mit einem Funky-Disco-Rhythmus, an dem auch Bernadette La Hengst ihre Freude hĂ€tte. Wer die Möglichkeit hat, sollte die Gelegenheit nutzen, aufzuspringen und 4 Minuten Elektro-HĂŒpfen zu genießen. Denn mit "Sweetness" wird es langsamer. Die elektronische Ballade lĂ€sst der Stimme von Zeebee allen Raum, ihre ganze Ausdruckskraft zu entfalten, wodurch ein visionĂ€r-trĂ€umerisches Flair entsteht.
"A Tisket A Tasket" zersprengt jegliches KuschelgefĂŒhl. Der Beat ist eindringlich, fast aggressiv, der Sprechgesang bewegt sich geschickt an der Grenze zum Rap.
Die verwöhnenden Pianotöne von "Sticks" bieten wieder genug Raum, um sich zurĂŒckzulehnen und von den Dynamit-KlĂ€ngen auszuruhen. Auch "Sunday Morning" zeigt die sanftere, trĂ€umerische Seite Zeebees.
Mit "Jeff`s Disco" findet sich ein etwas rockiger Track auf der CD. Ein Instrumental, perfekt als Roadmusic geeignet, mit treibenden Elektrogrundbeat und sehnsĂŒchtigen SaitenanklĂ€ngen. Geisterhafter ist die Stimmung von "Sunny Friend".
"Cards And Signs" nimmt wieder die Dancefloor-HĂŒpf-AtmosphĂ€re auf. Auch das Cover "Fever" pusht den Adrenalin-Spiegel auf angenehmste Weise. Das Outro "Attempted Suicide" zieht die HörerInnen ein letztes Mal mit einer kompliziert-raffinierten Soundstruktur in SphĂ€ren fern des AlltĂ€glichen, tief in eine phantasievolle Welt der außergewöhnlichen ElektroklĂ€nge und feinverwobenen Lyrik.

Die CD wurde durch zwei Videos, in denen die eigenwillige Persönlichkeit der Multi-Solo-Performerin geheimnisvoll durchscheint, bereichert.
Leicht arrogant, hocherotisch, milka-zart und bizarr selbstbewusst blickt die Wahl-Österreicherin neugierigen HörerInnen im Video zu "Sunday Morning" entgegen. KontrĂ€r zu dem stilistisch minimal gehaltenen bewegten PortrĂ€t, in dem Zeebee sich haarefönend als moderne Loreley zeigt, ist der Clip zu "Cartoonboom": Die zierliche Dame beschĂ€ftigt sich intensiv mit ihrer Liebe zu imposanten Automobilen - unterlegt von verwischten Bildern der Wolkenkratzer-Silhouette einer nĂ€chtlichen Großstadt und einer an Kraftwerk erinnernden, kĂŒhl-raffinierten Stakkato-Melodie.

AVIVA-Tipp: Die Lady aus unserem alpinen Nachbarland grÀbt tief in den Möglichkeiten elektronischer und akustischer Musik. Einige musikalische Goldfunde sind garantiert!

"Wenn ich singe, befinde ich mich dort, wo es dunkel und dicht ist. Meine Stimme arbeitet wie das Werkzeug eines Minenarbeiters. Ich bohre mich durch Masse und berĂŒhre scheinbar Undurchdringliches. Ich reibe mich an der Musik, bis es heiß wird, bis alles nachgibt. Und manchmal ist da am Ende Licht", beschreibt Zeebee ihren kreativen Prozess.

Die Musikerin im Web: www.zeebeemusic.com


Zeebee
Priorities

Label: Monkey, Angelika Köhlermann, Broken Silence, Universal, VÖ MĂ€rz 2006
EAN: 9120010650802
14,99 Euro90008115&artiId=5329738"


Music Beitrag vom 12.07.2006 AVIVA-Redaktion 





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