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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 07.04.2008

Zug der Erinnerung ÔÇô der Streit geht weiter. Protesterkl├Ąrung
AVIVA-Redaktion

Berlins B├╝rgermeister Wowereit hat den Vorstand der Deutschen Bahn AG aufgefordert, die Ausstellung "Zug der Erinnerung" in Berlin angemessen zu unterst├╝tzen. Er soll im Hauptbahnhof halten d├╝rfen



Die Bahn hat sich beim Thema "Zug der Erinnerungen" schon einige Patzer geleistet. Angefangen hat alles mit den sogenannten Stundengeb├╝hren, als die Deutsche Bahn AG den "Zug der Erinnerung" mit horrenden Geb├╝hren belegte. 3,50 Euro pro Kilometer bzw. 5 Euro pro Abstellstunde auf dem Gleis wurden von der privaten B├╝rgerinitiative "Zug der Erinnerung e.V." eingefordert. Die von der Bahn in Rechnung gestellten Kosten belaufen sich damit auf 100.000 Euro. Die Begr├╝ndung war damals, dass die "Inanspruchnahme der Eisenbahninfrastruktur" immer zu bezahlen sei. Auch die Forderung an Bahnchef Mehdorn, die Geb├╝hren zwar zu verlangen, aber r├╝ckwirkend als Spende an die Initiative zu entrichten, wurde abgelehnt. Gl├╝cklicherweise fand sich das Bezirksamt und BVV-Spandau dazu bereit, die Kosten f├╝r die Ausstellung in Berlin zu ├╝bernehmen.

Es folgten weitere Missbilligungen der Deutschen Bahn AG: als der "Zug der Erinnerung" plante, im Hamburger Hauptbahnhof zu halten, versuchte die Bahn die Ausstellung dort zu verhindern. In K├Âln war das ├Ąhnlich. Nur Proteste konnten die Bahn noch zum Einlenken bewegen, so dass die Einfahrt des Zuges genehmigt wurde.

Der Gedenkzug rollt momentan weiter Richtung Berlin, wo die Bahn dem Zug schon die n├Ąchsten Steine aufs Gleis legen m├Âchte: Die Stopps auf dem Hauptbahnhof, dem Bahnhof Grunewald und dem Bahnhof Sch├Âneweide sind ernsthaft gef├Ąhrdet, nicht zugelassen zu werden. Die Begr├╝ndung der Bahn ist diesmal, dass in Grunewald nur zwei Abstellgleise ohne ├Âffentlichen Zugang bestehen und Sicherheitsbedenken bei einem Halt im Hauptbahnhof hervorgebracht wurden. Der Dampf der Lok w├╝rde die Rauchmelder im Hauptbahnhof aktivieren, welche nicht ausgestellt werden k├Ânnen. Die Initiative "Zug der Erinnerung" mit ihrem Vorstandssprecher Hans-R├╝diger Manow sieht jedoch keine technischen Gr├╝nde, den Zug nicht in diese Bahnh├Âfe einfahren zu lassen. Eine Ausweichm├Âglichkeit besteht darin, die Bundesnetzagentur einzuschalten, da diese die Ausstellung auch ohne Genehmigung der Bahn realisieren k├Ânnte.

Nun hat sich auch Berlins B├╝rgermeister Klaus Wowereit (SPD) zu Wort gemeldet, indem er erkl├Ąrte, dass das Projekt "jede Form von Unterst├╝tzung" verdiene. Im Holocaust seien die Juden Berlins systematisch mit der Eisenbahn in die Vernichtungslager gebracht worden, was die Bahn dazu verpflichte, das Projekt tatkr├Ąftig zu unterst├╝tzen und die Barrieren aus dem Weg zu r├Ąumen. Der Zug der Erinnerung solle einen angemessenen Platz, auch im Hauptbahnhof, erhalten. Beistand erh├Ąlt Wowereit von der Israelitischen Synagogen-Gemeinde zu Berlin, die ebenfalls an Bahnchef Mehdorn appellierte.

Im Zeitraum von 1941-1945 wurden vom Bahnhof Grunewald aus mehr als 50.000 Berliner J├╝dinnen und Juden in die Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert und dort ermordet. Der erste "Sonderzug" (so der damalige Fachjargon f├╝r die Z├╝ge, in denen J├╝dinnen und Juden aus dem Reich geschafft wurden) verlie├č am 18.10.1941 den G├╝terbahnhof Grunewald mit 1251 Menschen. Mit diesem Tage begann die systematische Deportation der j├╝dischen BerlinerInnen aus der Stadt. Berlin sollte "judenfrei" (so Joseph Goebbels, Gauleiter Berlins und Propagandaminister) gemacht werden. Die "Sonderz├╝ge" fuhren von Oktober 1941 bis M├Ąrz 1945 meist w├Âchentlich, zeitweise auch t├Ąglich Richtung Osten.

Der Zug der Erinnerung hat es sich zum Ziel gesetzt, die Erinnerung an die ├╝ber 4600 von der Deutschen Reichsbahn deportierten Kinder, wach zu halten und mit ausgestellten Fotos und Lebenszeugnissen quer durch Deutschland zu reisen. Endhaltestelle soll, wie damals, Auschwitz sein. Doch bevor die Dampflok dort in der Gedenkst├Ątte eintrifft, soll sie vom 13. bis zum 22. April in Berlin stationieren. Geplant waren Stopps in den Bahnh├Âfen Lichtenberg, Sch├Âneweide, Westhafen, Grunewald und im Hauptbahnhof. Welche davon realisiert werden k├Ânnen, h├Ąngt einerseits nat├╝rlich von dem Wohlwollen der Deutschen Bahn AG und ihres Vorstandes ab. Andererseits ben├Âtigt der Zug der Erinnerung auch Unterst├╝tzung von Seiten der Bev├Âlkerung, denn wie frau/man sieht, haben die Proteste in Hamburg schon einmal ein Umdenken bewirkt.

Eine Gegenma├čnahme ist die Protesterkl├Ąrung des Sprechers des B├╝ndnisses f├╝r Demokratie und Toleranz Treptow-K├Âpenick Hans Erxleben und Philipp H├Ąuslers, die sich damit besch├Ąftigt, dass der Zug der Erinnerung nicht am Bahnhof Berlin-Sch├Ânweide halten darf. Wenn auch Sie zu den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern geh├Âren wollen, schicken Sie eine Email an: philipp-haeusler@gmx.de

Au├čerdem wird am 12. April um 18 Uhr eine Gedenkveranstaltung am Brandenburger Tor stattfinden. Im Anschluss wird sich ein Protestzug gen Potsdamer Platz in Gang setzen, um am Bahntower zu halten und so hoffentlich die Deutsche Bahn noch zur Umkehr zu bewegen.

Weitere Informationen zu der Initiative "Zug der Erinnerung" unter:
www.zug-der-erinnerung.eu

Lesen Sie weiter auch auf AVIVA-Berlin:

Gedenkfeier und Mahnmal am Gleis 17, Bahnhof Grunewald

Initiative Elftausend Kinder - Deutsche Bahn AG genehmigt Ausstellung

(Quellen: tagesspiegel.de, zug-der-erinnerung.eu, berlin.de)

Public Affairs Beitrag vom 07.04.2008 AVIVA-Redaktion 





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