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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 24.08.2012

Auf Messers Schneide - Religionsfreiheit
AVIVA-Redaktion

F├╝r Religionsfreiheit, gegen Kriminalisierung und Bevormundung findet am 9. September 2012 um 11 Uhr eine Kundgebung am Bebelplatz in Berlin statt. Das J├╝dische Forum f├╝r Demokratie ...



... und gegen Antisemitismus sowie weitere Unterst├╝tzerInnen, darunter AVIVA-Berlin, rufen auf zu Toleranz, Weltoffenheit und Gelassenheit gegen├╝ber einer Tradition, die f├╝r die j├╝dische und muslimische Identit├Ąt essentiell ist.


Auf der Kundgebung werden sprechen:

Lala S├╝sskind (Vorsitzende des J├╝dischen Forums f├╝r Demokratie und gegen Antisemitismus)
Kenan Kolat (Bundesvorsitzender der T├╝rkischen Gemeinde in Deutschland)
Rabbiner Yitzchak Ehrenberg
Rabbiner Tovia Ben-Chorin

Nach dem umstrittenen K├Âlner Beschneidungs-Gerichtsurteil ist deutschlandweit eine heftige Diskussion entbrannt, wie mensch k├╝nftig mit der Beschneidung von Jungen umgehen will, die vor allem in Judentum und Islam praktiziert wird.

An dieser Stelle ver├Âffentlicht AVIVA-Berlin den Aufruf zur Kundgebung des J├╝dischen Forums f├╝r Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA) und des Organisationsteams (s.u.) der Kundgebung:

"Wir sind entsetzt ├╝ber eine von Vorurteilen und diffusen ├ängsten gepr├Ągte Diskussion, die teils hysterische Z├╝ge annimmt und antisemitische und antiislamische Stereotypen bem├╝ht, wie sie f├╝r eine aufgekl├Ąrte und humanistisch gebildete Gesellschaft - besonders nach der Schoa - absolut indiskutabel sein sollten. Juden und Muslime stehen urpl├Âtzlich da als ┬┤Kinderqu├Ąler┬┤, als schlechte und lieblose Eltern, die an wehrlosen Kindern angeblich archaische und blutige Rituale vollf├╝hren. Dabei ist der Eingriff selbst rein medizinisch weltweit akzeptiert und nicht zuletzt darum von der WHO empfohlen, die die Vorteile der Praxis betont, etwa was das Risiko einer Krankheits-├ťbertragung oder Hygiene allgemein angeht. Nachteile f├╝r die m├Ąnnliche Sexualit├Ąt sind nicht nachweisbar.

F├╝r Juden und Muslime hat die Beschneidung der Jungen eine zentrale identit├Ątsstiftende Bedeutung - religi├Âs wie kulturell. Es gibt schlicht keinen ┬┤Leidensdruck┬┤, der die Wogen der Emp├Ârung rechtfertigen w├╝rde. Das K├Âlner Urteil hat eine rechtliche Unsicherheit verursacht: das J├╝dische Krankenhaus Berlin etwa hat die Beschneidungen bis zur Kl├Ąrung ausgesetzt. F├╝r Juden und Muslime ist es ein ├Ąu├čerst unerfreulicher Zustand, dass Beschneidungen so der Ruch des Illegalen oder gar der Menschenrechtsverletzung anhaftet.

Wir rufen auf zu Toleranz, Weltoffenheit und Gelassenheit gegen├╝ber einer Tradition, die f├╝r die j├╝dische und muslimische Identit├Ąt essentiell ist. Ohne die grunds├Ątzliche Legalit├Ąt der Beschneidung der Jungen ist in Deutschland kein j├╝disches Leben m├Âglich, kein muslimisches Leben und kein interkulturelles Miteinander.

Das Urteil des K├Âlner Landgerichts hat zwar keine rechtliche Bindungswirkung, die Rechtsunsicherheit f├╝r Eltern, ├ärzte und Beschneider hat jedoch erheblich zugenommen, und es ist niemandem zuzumuten, sich auf die blo├če M├Âglichkeit einer Straflosigkeit zu verlassen. Diese Situation w├Ąre auch einem Rechtsstaat wie der Bundesrepublik Deutschland unw├╝rdig. Deshalb muss umgehend Rechtssicherheit geschaffen werden.

Wir fordern die lautstarken Beschneidungs-Gegner auf, sich eingehender mit Juden und Muslimen auseinanderzusetzen, anstatt vorschnelle Verbotsforderungen zu erheben. Wir fordern Respekt f├╝r unsere kulturellen und religi├Âsen Traditionen. Und wir fordern Respekt f├╝r j├╝dische und muslimische Eltern, die ihre Kinder nicht weniger lieben als die Eltern der deutschen Mehrheitsgesellschaft dies tun. Wir wehren uns dagegen,
kriminalisiert oder als archaisch und blutr├╝nstig hingestellt zu werden.

F├╝r gegenseitigen Respekt und ein friedliches Miteinander!"


Veranstalter (alphabetisch):
J├╝disches Forum f├╝r Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA)
Das Organisationsteam

Dieser Aufruf wird unterst├╝tzt von (Auszug, alphabetisch, weitere UnterzeichnerInnen folgen/werden auf Facebook laufend aktualisiert):
American Jewish Committee (AJC)
Arbeitskreis j├╝discher Sozialdemokraten Berlin-Brandenburg
AVIVA-Berlin, Online Magazin und Informationsportal f├╝r Frauen / Sharon Adler
Berliner Missionswerk/ ├ľkumenisches Zentrum, vertreten durch den Landespfarrer f├╝r interreligi├Âsen Dialog, Pfarrer Dr. Andreas Goetze
Bundesverband Jüdischer Ärzte und Psychologen in Deutschland
Bundesverband J├╝discher Studierender in Deutschland (BJSD)
Chabad Bildungszentrum
Deutsche Aschkenas-Gesellschaft e. V.
Deutsch-Israelische Gesellschaft Arbeitsgemeinschaft Berlin und Potsdam
Deutsche Sch├╝ler und Studenten Union (DSSU) Osnabr├╝ck
Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO)
Generalsekret├Ąr des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer
Global Muslim Jewish Friendship Forum (GMJFF)
Honestly concerned
J├╝disches Filmfestival Berlin & Potsdam
J├╝disches Forum f├╝r Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA)
J├╝dische Gemeinde zu Berlin
J├╝dische Volkshochschule, Berlin
Jugendzentrum Olam
Jung und j├╝disch
Lauder Yeshurun
Lichtig - Verlag, Nea Weissberg
Raoul Wallenberg Loge ÔÇô B┬┤nei B┬┤rith
Mirjam Reusch-Helfrich, Deutschlandradio Kultur
Synagoge Oranienburger Str.
Synagoge Rykestr.
The Foundation for Ethnic Understanding (FFEU), New York
TUS Makkabi Berlin e.V.

Das Organisationsteam (alphabetisch):
Chaja Boebel
Max Doehlemann
Tamara Guggenheim
Michael J├Ąnecke
Sigmount K├Ânigsberg
Esther Kontarsky
Natalie Patzek
Levi Salomon
Lala S├╝sskind

Ansprechpartner f├╝r die Presse:

Levi Salomon, levi.salomon@gmail.com, 0170-6327421
Max Doehlemann, max_doehlemann@web.de, 0172-8093752

Weitere, st├Ąndig aktualisierte Infos auf Facebook:

www.facebook.com

Anl├Ąsslich der Sitzung des Ethikrates des Deutschen Bundestages am 23. August 2012 nimmt das J├╝dische Forum f├╝r Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA) erneut Stellung zum K├Âlner Beschneidungsurteil und der laufenden Debatte:

"Das Urteil des K├Âlner Landgerichtes, das Beschneidungen aus religi├Âsen Gr├╝nden als unzul├Ąssige K├Ârperverletzungen erachtet, hat J├╝dinnen und Juden in der ganzen Welt in Aufruhr versetzt. Es war auch der Beginn einer zu weiten Teilen emotional gef├╝hrten Debatte, welche teilweise die Grenze zum Antisemitismus ├╝berschritten hat. Dieter Graumann, Pr├Ąsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, bezeichnet die laufende Debatte um religi├Âse Beschneidungen als ┬┤Toleranztest f├╝r unsere Gesellschaft┬┤. F├╝r das Judentum ist die Beschneidung mehr als eine Frage der Tradition. Sie geh├Ârt zum Kern des j├╝dischen Glaubens und der Zugeh├Ârigkeit zum j├╝dischen Volk.

J├╝dische Eltern, die ihre Knaben gem├Ą├č dem j├╝dischem Gesetz am achten Lebenstag beschneiden lassen, erm├Âglichen ihm erst dadurch Teil der j├╝dischen Gemeinschaft zu werden. Gedeckt wird dies auch durch das Recht der Eltern auf die Bestimmung der Konfession ihrer Kinder.

Dabei handelt es sich nicht um einen Zwang. Die sp├Ątere Entscheidung des religionsm├╝ndigen Kindes wird durch eine Beschneidung nicht vorweggenommen.

Ein weiteres Argument, welches im Laufe der Debatte h├Ąufig gefallen ist, war der Hinweis auf die K├Ârperverletzung des Kindes bei der Beschneidung. Doch hier muss man zwischen juristischen und emotionalen Begriffen unterscheiden.

Die mehr als 700 Unterzeichner des Offenen Briefes (ver├Âffentlicht in der FAZ am 27. Juli) gegen die Beschneidung setzen sich f├╝r eine ┬┤Versachlichung der Diskussion┬┤ ein, bewirken jedoch das Gegenteil indem sie pauschal von ┬┤(sexueller) Gewalt┬┤ sprechen. Nicht nur, dass diese Juristen und ├ärzte die Zirkumzision unzul├Ąssig mit der weiblichen Genitalverst├╝mmelung gleichsetzen, sie unterstellen au├čerdem j├╝dischen und muslimischen Eltern ┬┤eine bemerkenswerte Verleugnungshaltung und Empathieverweigerung┬┤ gegen├╝ber ihrem eigenen Kind.

Die Unterzeichner stellen fest: ┬┤Man tut Kindern nicht weh!┬┤ Damit wird j├╝dischen und muslimischen Eltern latent unterstellt, sie w├╝rden diesem Grundsatz nicht folgen. Doch im Judentum genie├čt das Kindeswohl wie auch bei anderen Religionen oberste Priorit├Ąt. Dieses mangelnde Vertrauen in die F├╝rsorge und Empathie j├╝discher Eltern verletzt nicht nur J├╝dinnen und Juden, sondern auch jegliche Grunds├Ątze einer sachlichen Diskussion. In dem Offenen Brief werden Grenzen ├╝berschritten, die die laufende Debatte emotionalisieren anstatt sie zu versachlichen.

Leider k├Ânnen solche unsachlichen Argumentationslinien auch einen N├Ąhrboden f├╝r Trittbrettfahrer bieten. Es ist erschreckend, wie im Zuge dieser Debatte vor allem im Internet antisemitische Vorurteile verbreitet werden. So schreibt etwa die NPD Niedersachen auf ihrer Homepage: ┬┤Die NPD [ÔÇŽ] w├╝nscht allen Verst├╝mmelungslobbyisten, religi├Âs motivierten Tierqu├Ąlern und anderen Fanatikern, die uns Deutschen ihre Vorstellung von Religionsfreiheit aufzwingen wollen, eine gute Heimreise!┬┤

Besonders alarmierend ist die Anzeige gegen Rabbiner David Goldberg aus Hof, der wegen seiner T├Ątigkeit als Mohel (j├╝discher Beschneider) von einem der 700 Unterzeichner des Offenen Briefes angezeigt wurde. Zum ersten mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wurde nun ein Rabbiner wegen der Aus├╝bung seiner religi├Âsen Pflichten bei der Staatsanwaltschaft angezeigt, berichtet die J├╝dische Allgemeine am 21. August. Dies macht die Dringlichkeit einer gesetzlichen Regelung zur Knabenbeschneidung deutlich.

Es ist nun die Aufgabe der Politik schnell Rechtssicherheit f├╝r j├╝dische Eltern sowie f├╝r ├ärzte und Beschneider zu schaffen. Dabei sollten die politisch Verantwortlichen das K├Âlner Urteil kritisch betrachten. Hans-J├╝rgen Papier, fr├╝herer Pr├Ąsident des Bundesverfassungsgerichts, hat kommentiert, dass das Urteil ┬┤nicht hinreichend die Religionsfreiheit ber├╝cksichtigt, die [ÔÇŽ] grunds├Ątzlich vorbehaltlos und ohne weitere Einschr├Ąnkung gew├Ąhrleistet wird.┬┤ Der Rechtsprofessor Jan Roggenkamp betont, dass die Richter es sich mit dem Urteil zu leicht gemacht haben, es sei ┬┤handwerklich unsauber┬┤. Und auch der evangelische Theologieprofessor Jens Schr├Âter ist der Meinung, dass die Richter die Bedeutung f├╝r die Religion im Gegensatz zur St├Ąrke des Eingriffes falsch abgewogen haben. Das K├Âlner Landgericht hat sich bei der Urteilssprechung einseitig auf die umstrittene Rechtsauslegung des Juristen Holm Putzke gest├╝tzt.

Eine gesetzliche Regelung muss die Religionsfreiheit sichern, ohne in innere Angelegenheiten des Judentums einzugreifen. ┬┤Wir sind bereit mit allen Menschen ├╝ber das Thema zu diskutieren. Ver├Ąnderungen des religi├Âsen Ritus k├Ânnen aber nur aus einer Debatte innerhalb des Judentums resultieren. Wir lassen uns nicht von Au├čenstehenden vorschreiben, wie wir unsere Religion zu leben haben┬┤, so Lala S├╝sskind, Vorsitzende des JFDA."


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

First Grass, dann das. Recht auf Beschneidung beschnitten. Sign the petition. Aufruf von Tamara Guggenheim, Brief an den Zentralrat der Juden in Deutschland. Artikel von Dr. med. Altsch├╝ler

(Quelle: JFDA, AVIVA-Berlin)



Public Affairs Beitrag vom 24.08.2012 AVIVA-Redaktion 





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