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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 16.10.2012

Erster internationaler Weltmädchentag - TERRE DES FEMMES stellt neues Internetportal gegen Zwangsheirat vor
AVIVA-Redaktion

Erzwungene Eheschlie√üungen sind ein Schrecken ferner L√§nder, finden in einem s√§kularen Staat nicht statt und betreffen vor allem nicht die beste Freundin oder eine selbst ‚Äď so der Mythos. Real...



... sind in Deutschland einige Tausend Mädchen und junge Frauen von Zwangsehen bedroht, oder sogar schon betroffen.

Der erste Tag der Mädchen dieser Welt

Die Kampagne "Because I am a Girl" des Kinderhilfswerks "Plan International" rief bereits 2008 den ersten Internationalen M√§dchentag in Berlin ins Leben. 2009 schlossen sich die weltweiten Plan Organisationen zusammen, und forderten einen internationalen M√§dchentag auf UN-Ebene. 2011 schlie√ülich stimmten die Vereinten Nationen f√ľr den Welt-M√§dchentag und setzten den 11. Oktober zum "International Day of the Girl Child" fest, der 2012 zum ersten Mal begangen wurde.

Am Abend des 1. Internationalen Mädchentags wurden nicht durch in Berlin die Mädchenrechte beleuchtet: Das Dach des Sony-Centers erstrahlte in Pink - zeitlich parallel zum Riesenrad "London Eye" in London, der Meerjungfrau in Kopenhagen, dem CN-Tower in Toronto, dem "Red Fort" in Dehli, den Niagarafällen, dem Empire State Building in New York und vielen weiteren Gebäuden weltweit.

Theoretisch ist alles in Ordnung

Wozu denn einen Weltm√§dchentag in Deutschland begehen? Jungen und M√§dchen haben hier doch die gleichen Ausgangschancen auf eine gute Ausbildung, sie k√∂nnen jeden Beruf ergreifen, f√ľr den ihre Leistungen sie qualifizieren und werden durch das Gesetz selbstverst√§ndlich davor gesch√ľtzt, von Eltern oder Verwandten gegen ihren Willen verheiratet zu werden.

Realit√§t k√ľmmert sich nicht besonders um Theorie

Neben all den anderen strukturellen und direkten Diskriminierungen, die M√§dchen und Frauen hierzulande jeden Tag aufs Neue erleben, ist die Gefahr, zu einer Ehe gezwungen zu werden, leider kein reiner Stoff aus Alptr√§umen und Hollywoodfilmen. Laut dem Bundesministerium f√ľr Frauen, Familie, Senioren und Jugend (BMFSFJ) wurden im Jahr 2008 in Deutschland 3.443 von Zwangsverheiratung bedrohte oder betroffene Personen beraten ‚Äď und das sind nur die, die sich in eine Beratungsstelle getraut haben, beziehungsweise √ľberhaupt wussten, dass ihnen solche Stellen zur Verf√ľgung stehen.

93 Prozent der beratenen Personen waren M√§dchen und Frauen, darunter knapp 30 Prozent siebzehn Jahre alt oder noch j√ľnger, 40 Prozent zwischen achtzehn und 21 Jahren. Die meisten steckten noch mitten in ihrer ‚Äď zu 37 Prozent schulischen und zu 21 Prozent beruflichen ‚Äď Ausbildung. √úber die H√§lfte der Beratenen hatten bereits k√∂rperliche Gewalt in der Familie erlebt und in 27 Prozent der F√§lle war die Zwangsverheiratung mit Waffengewalt und/oder Morddrohungen verbunden. Die j√ľngste Beratene war erst neun, die √§lteste 55 Jahre alt.

Auch das erst 2011 verabschiedete Gesetz gegen Zwangsverheiratung reicht vorne und hinten nicht aus, um erzwungene Verheiratungen wirkungsvoll verhindern oder ahnden zu können: wenn das Mädchen zur Eheschließung ins Ausland gebracht wird, sind die deutschen Behörden machtlos, da der Straftatbestand "Zwangsverheiratung" unbegreiflicherweise nicht in den Katalog der Auslandstraftaten aufgenommen wurde.

Zeig uns deine Superheldin

Ausgerechnet dort, wo Betroffene den meisten Kontakt mit Gleichaltrigen und erwachsenen Vertrauenspersonen außerhalb ihrer Familien haben, werden erzwungene Eheschließungen immer noch kaum besprochen: an den Schulen. Der von TERRE DES FEMMES gestartete Kreativwettbewerb "Zeig uns Deine SUPERHELDIN!" hatte darum Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren aufgefordert, sich mit dem Thema Zwangsheirat auseinander zu setzen, es mit ihren AltersgenossInnen zu diskutieren und auch in ihre Schulen hinein zu tragen.

Aus dem Plakatmotiv der Gewinnerin Sarah Melz wurde schlie√ülich ein Sticker gestaltet, der nun in ganz Deutschland an Schulen verteilt werden wird und er auf das neue Internetportal www.zwangsheirat.de aufmerksam macht, das am 11. Oktober 2012 online ging. Dort k√∂nnen sich betroffene M√§dchen und Frauen - anonym oder pers√∂nlich - √ľber ihre Rechte, M√∂glichkeiten und den wichtigsten Fragen zu ihrer Sicherheit informieren und beraten lassen.

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.zwangsheirat.de

www.terre-des-femmes.de

Zwangsverheiratung in Deutschland ‚Äď Anzahl und Analyse von Beratungsf√§llen (BMFSFJ, 2011)

Im Namen der Ehre. Misshandelt, zwangsverheiratet, ermordet. Hilfsleitfaden f√ľr die Arbeit mit von Zwangsheirat / Gewalt im Namen der Ehre bedrohten oder betroffenen M√§dchen und Frauen

Studie des Bundeskriminalamts. Dietrich Oberwittler, Julia Kasselt: Ehrenmorde in Deutschland 1996 - 2005 (2011)


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Public Affairs Beitrag vom 16.10.2012 AVIVA-Redaktion 





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