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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 14.05.2013

Barbie Dreamhouse Experience: Ein Alptraum in Pink
Lou Zucker

Model oder Popstar werden, gesundheitsschädlichen Körpermaßen entsprechen und sich mit pinkem Luxus umgeben: Das sind die Träume, in die junge Mädchen ab dem 16. Mai am Alex eintauchen können.



2500 Quadratmeter Glitzer, Glamour und Geschlechterstereotype:
Gleich hinter dem Alexanderplatz, an einem der zentralsten Orte Berlins, verweben sich ab dem 16. Mai 2013 Sexismus und Kapitalismus in ihrer pinkesten Form. Laut der Firma EMS Entertainment, welche f√ľr das Spektakel verantwortlich ist, entsteht hier die "einzigartige, lebensgro√üe und interaktive Installation, die das weltber√ľhmte Barbie‚ĄĘ Spielzeughaus zum Leben erweckt."

Catwalk f√ľr Kinder

Endlich brauchen Kinder ‚Äď und √§ltere Besucher_innen - nicht einmal mehr ihre eigene Fantasie anzustrengen, um in das "Leben" des Puppen-Klassikers einzutauchen. Bad, K√ľche, Wohnzimmer, Schlafzimmer und nat√ľrlich Barbies begehbarer Kleiderschrank lassen sich nun in Lebensgr√∂√üe durchlaufen. Um die Ausstellung zum echten Erlebnis zu machen, wird mit viel Technik aufgewartet: Besucher_innen erhalten am Eingang ein RFID-Armband (Radio Frequency Identification), welches, laut offizieller Website, mit LED-Touchscreens und anderen interaktiven Stationen kommuniziert und Fans"ihr ganz pers√∂nliches und auf sie ma√ügeschneidertes Erlebnis" erm√∂glicht ‚Äď wie beispielsweise virtuelles Cupcake-Backen oder die Anprobe von hunderten von Barbies Outfits auf dem Bildschirm. Gegen den Erwerb eines Zusatztickets haben Kinder und Begleitpersonen au√üerdem Zugang zur "Fashion World" und zur "Pop Star Stage", Outfit-Wahl, Make-Up, und Auftritt auf dem "Barbie Catwalk" inklusive.

Die Barbiepuppe, kinderlos und in verschiedensten prestigetr√§chtigen Berufen zu sehen, wurde 1959 als Alternative zur Baby-Puppe konzipiert. Anstatt ihre sp√§tere Mutterrolle zu erproben, lud Barbie junge M√§dchen zu vielf√§ltigeren Tr√§umen vom Leben als erwachsene Frau ein. Doch der Versuch, Barbie irgendeine emanzipatorische Errungenschaft abzugewinnen, scheitert kl√§glich bei n√§herer Betrachtung ihrer Entstehungsgeschichte. Die Inspiration f√ľr das Kinderspielzeug lieferte eine Puppe namens Lilli, die urspr√ľnglich in Bars und Tabakl√§den an erwachsene M√§nner verkauft wurde. Lilli wiederum war einem Cartoon nachempfunden, der in den 1950er Jahren in einer deutschen Tageszeitung erschien, welche noch heute f√ľr ihren Hang zum Softporno bekannt ist: die Bild.

Wenn Barbie also f√ľr junge M√§dchen eine Alternative zum Mutter-Spielen bot, so bestand sie darin, schon fr√ľh von einem Sch√∂nheitsideal tr√§umen zu lernen, welches m√§nnlichen Fantasien entsprang, kaum realistisch und √ľberdies gesundheitssch√§dlich ist. Barbies K√∂rperma√üe w√ľrden, auf Lebensgr√∂√üe hochgerechnet, 99-46-84 betragen. Die Wahrscheinlichkeit f√ľr solche Proportionen, so fand eine Gruppe von Wissenschaftler_innen 1996 heraus, betr√§gt in der Realit√§t 1 zu 100.000. Und diese 100.000ste Frau zu sein, ist niemandem zu w√ľnschen: Drei √Ąrzt_innen verschiedener Fachrichtungen am Universit√§tsklinikum zu K√∂ln diagnostizierten Barbie unter anderem Arthrose, ein erh√∂htes Risiko f√ľr einen Bandscheibenvorfall, Atemprobleme, eine eingeschr√§nkte Funktion der inneren Organe, Unfruchtbarkeit sowie Osteoporose.




Negativer Einfluss auf das eigene Körperbild junger Mädchen

Dass die Puppe ‚Äď w√§re sie lebendig ‚Äď einen derart hohen Preis f√ľr ihre realit√§tsfernen K√∂rperma√üe zahlen w√ľrde, ist hinter ihrem Plastikl√§cheln nat√ľrlich nicht zu vermuten. So √ľberrascht das Ergebnis kaum, zu dem eine Studie der britischen Sussex-Universit√§t kam: Die Forscherinnen entdeckten bei f√ľnf- bis achtj√§hrigen M√§dchen einen Zusammenhang zwischen h√§ufigem Spielen mit Barbie-Puppen und einer niedrigeren Zufriedenheit mit dem eigenen K√∂rper, so wie einem gr√∂√üeren Verlangen, m√∂glichst d√ľnn zu sein.

Das Spielzeugunternehmen Mattel vermittelt mit Barbie aber nicht nur ein ungesundes sondern auch ein latent rassistisches Sch√∂nheitsideal. Die Standard-Puppe ist stets wei√ü, blond und blau√§ugig. Ausnahmen hierzu finden sich allein in der Dolls Of The World Collection, welche aber eher dazu geeignet ist, nationale Stereotype zu zementieren, als Vielfalt sichtbar zu machen: die "India Barbie" beispielsweise tr√§gt Sari und einen Affen auf dem Arm, Kleidung und Schmuck der "Kenia Barbie" sind einem traditionellen Masai-Kost√ľm nachempfunden. Jede der Dolls Of The World tr√§gt dazu ihren jeweiligen Pass bei sich ‚Äď nicht dass die Kinder noch auf die Idee k√§men, eine Barbie of Color k√∂nnte beispielsweise die US-amerikanische oder die deutsche Staatsangeh√∂rigkeit besitzen. Die 2012 erschiene "Mexico Barbie" mit Pass erntete auf Twitter viel Kritik. Nutzerin Anita Caro schlug beispielsweise sarkastisch vor: "Why didn¬īt you just shove a green card in one hand and an INS agent in the other?" - Der US-amerikanische INS (Immigration and Naturalization Service) ist unter anderem f√ľr die Festnahme und Deportation illegaler Einwander_innen zust√§ndig.

CDU-Abgeordneter bezeichnet Protest als "aggressive Intoleranz"

Nicht alle Berliner_innen zeigen sich indes einverstanden mit der Errichtung des gigantischen Gew√§chshauses f√ľr ungesunde und undifferenzierte K√∂rper- und Rollenbilder im Herzen ihrer Stadt: "Wir wollen nicht, dass junge M√§dchen bereits im Grundschulalter sexistischer Propaganda ausgesetzt werden. Darum protestieren wir ‚Äď gegen die Er√∂ffnung des Barbie-Dreamhouses und f√ľr eine Kindererziehung ohne Sexismus!" - mit diesen Worten ruft die Linksjugend Kreuzk√∂lln auf ihrer Website zu einer Demonstration am Er√∂ffnungstag des pinken Konsumtempels auf.




Wer auf der Alexanderstra√üe am Bauzaun entlanggeht, erh√§lt dort schon jetzt Inspiration zum vielf√§ltigen Frausein jenseits von Barbie: "Barbaras Traumhaus", die Kunstinstallation einer kreativen Einzelperson, l√§dt zum Spielen mit den Rollenbildern ein. Hinter den mit "K√ľche", "Bad", oder "Garage" beschrifteten T√ľrchen auf der gro√üen Pappe k√∂nnen die Betrachter_innen nach Lust und Laune verschiedenste bereitgestellte Fotos aufkleben. So kann mensch beispielsweise daf√ľr sorgen, dass sich hinter dem T√ľrchen "Kleiderschrank" eine Stange voller Bauarbeiter_innen-Funktionskleidung verbirgt, dass wir im "Arbeitszimmer" eine Frau an einem Roboter basteln sehen oder im "Bad" statt einer Kosmetiksammlung eine Badewanne voller gek√ľhlter Bierflaschen vorfinden. Im Gegensatz zu Barbie kann Barbara alt sein oder dick, sie kann Kopftuch tragen, Schwarz sein - je nach Fantasie der Besucher_innen.

Philipp Lengsfeld, der CDU-Abgeordnete f√ľr Berlin-Mitte im Bundestag, hat f√ľr Kritik an der Dreamhouse Experience jedoch wenig Verst√§ndnis. Als Reaktion auf die angek√ľndigte Demonstration lie√ü er in einer Pressemitteilung verlauten: "Vor dieser Art von aggressiver Intoleranz darf man keinen Schritt zur√ľckweichen."

Weitere Infos unter:

www.barbiedreamhouse.com

Studie der University of Sussex

Demoaufruf der Linksjugend Kreuzkölln

www.mattel.de

www.lengsfeld-mitte.de

Dolls Of The World

ems-entertainment germany

www.criminaljusticeusa.com

www.wdr.de

www.bazonline.ch

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Bau Dir Deine rosa Parallelwelt - Wie Lego¬ģ Geschlechterrollen zementiert

Fotos: © Sharon Adler





Public Affairs Beitrag vom 14.05.2013 AVIVA-Redaktion 





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