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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 06.03.2014

Ergebnisse der EU-Studie der Agentur der EuropĂ€ischen Union fĂŒr Grundrechte (FRA) zu sexualisierter Gewalt gegen Frauen sind alarmierend
Philippa Schindler

Alle drei Minuten wird eine Frau vergewaltigt, weniger als ein Prozent der TĂ€ter wird verurteilt. Die Ergebnisse des Berichts sind alarmierend und rufen zu dringenden politischen Gegenmaßnahmen auf.



AnlĂ€sslich des Internationalen Frauentags am 8. MĂ€rz 2014 veröffentlicht die Agentur der EuropĂ€ischen Union fĂŒr Grundrechte (FRA) die bislang weltgrĂ¶ĂŸte Erhebung zu sexualisierter Gewalt gegen Frauen. FĂŒr den Bericht wurden ĂŒber 42.000 Frauen in den EU-Mitgliedstaaten befragt – mit erschreckendem Ergebnis. Jede Dritte erlebte seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt.

Die EU-Studie belegt nicht nur die weitverbreitete Gewalt gegen erwachsene Frauen, sondern schildert auch gewaltvolle Übergriffe, die Frauen in ihrer Kindheit erfahren haben. Befragt wurden die Teilnehmerinnen zu ihren Erfahrungen mit körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt, einschließlich hĂ€uslicher Gewalt. Thematisiert wird in der Erhebung aber auch Stalking, sexuelle BelĂ€stigung und die Rolle, die neue Technologien bei Missbrauchserfahrungen spielen.

Die Antworten der Studie fĂŒhrten dabei zu folgenden Ergebnissen:

  • 33 % der Frauen haben seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren. Dies entspricht etwa 62 Millionen Frauen.
  • ebenfalls 33 % der Frauen haben in der Kindheit körperliche oder sexuelle Gewalt durch eine/n Erwachsenen erfahren.
  • 55 % der Frauen haben irgendeine Form der sexuellen BelĂ€stigung erlebt. 32 % der Opfer sexueller BelĂ€stigung nannten als TĂ€terInnen Vorgesetzte, KollegInnen oder KundInnen.
  • 67 % meldeten die schwerwiegendsten GewaltvorfĂ€lle innerhalb einer Partnerschaft nicht der Polizei oder einer anderen Organisation.

    Weitere Statistiken sind auf der Internetseite der FRA zusammengefasst.

    Das enorme Ausmaß der Gewalt gegen Frauen zeigt deutlich, dass politische EntscheidungstrĂ€gerInnen endlich Gegenmaßnahmen ergreifen mĂŒssen. "Körperliche, sexuelle und psychische Gewalt gegen Frauen ist eine gravierende Menschenrechtsverletzung, die in allen EU-Mitgliedstaaten anzutreffen ist.", erklĂ€rt der FRA-Direktor, Morten Kjaerum und betont: "Die Ergebnisse dieser Erhebung können und dĂŒrfen nicht ignoriert werden."
    Doch auch andere Gruppen, wie etwa ArbeitgeberInnen, medizinisches Fachpersonal und Internet-ProviderInnen, sind in der Verantwortung, sich diesem Problem zu stellen. Denn Gewalt gegen Frauen geschieht tagtĂ€glich – und ĂŒberall.

    Aus diesem Grund ruft auch TERRE DES FEMMES zu einer Unterschriftenaktion auf. Unter dem Titel "Vergewaltigung – Schluss mit der Straflosigkeit!" haben bereits 10.000 Menschen unterschrieben und fordern eine Reform des Strafgesetzes (§ 177) und die psychosoziale Prozessbegleitung fĂŒr Betroffene. Laut den OrganisatorInnen der Aktion weist das Gesetz zu Vergewaltigung gravierende LĂŒcken auf und steht auch im Widerspruch zu internationalen Menschenrechtskonventionen. Auch der Umgang mit Betroffenen im Gerichtsverfahren muss verbessert werden. WĂ€hrend der Verhandlungen durchleben diese den Übergriff hĂ€ufig noch einmal und sind dabei die meiste Zeit völlig auf sich alleine gestellt.

    Einen Beitrag gegen die weltweite Gewalt an Frauen will auch UN Women, das Nationale Komitee Deutschland e.V., leisten. Mit einer Spendenaktion sollen Gelder fĂŒr die Organisation Grassroot Soccer in SĂŒdafrika gesammelt werden. In diesem Land wird seit Jahren die höchste Quote von Gewalt gegen Frauen und MĂ€dchen gemessen: alle acht Stunden wird eine Frau durch ihren Intimpartner getötet und alle vier Minuten eine Frau oder ein MĂ€dchen vergewaltigt. Gegen diese Zahlen kĂ€mpft Grassroot Soccer, eine anerkannte und mit Preisen ausgezeichnete Initiative, an – und zwar mit Fußball. Das Programm bildet Coaches aus, die Jugendliche ĂŒber geschlechtsspezifische Gewalt aufklĂ€ren und gezielt MĂ€dchen in ihrem Recht auf ein Leben frei von Gewalt stĂ€rken. Eine Besonderheit des Programms ist die Einbindung von Jungen und MĂ€nnern. Nicht als Gegenspieler sondern als Partner.


    Weitere Informationen und Initiativen finden Sie unter:

    www.fra.europa.eu

    www.frauenrechte.de

    www.unwomen.de

    Blog des Aktionskreises gegen sexualisierte Gewalt / Kofra

    #ichhabnichtangezeigt, die Social-Media-Kampagne zur gesellschaftlichen Enttabuisierung sexualisierter Gewalt

    Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

    TeilnehmerInnen fĂŒr anonyme Online-Befragung zum Thema sexuelle Übergriffe gesucht - Studie des Instituts fĂŒr Kriminologie lĂ€uft noch bis MĂ€rz 2014

    Nein heißt Nein. Zur Situation in Deutschland zehn Jahre nach Verabschiedung des Gewaltschutzgesetzes, (2012)

    Auswertung der Online-Kampagne #ichhabnichtangezeigt widerlegt Vergewaltigungsmythen, (2012)

    Kongress Streitsache Sexualdelikte - Frauen in der GerechtigkeitslĂŒcke, (2010)

    (Quellen: Pressemitteilung der Agentur der EuropĂ€ischen Union fĂŒr Grundrechte (FRA), Pressemitteilung von TERRE DES FEMMES, Menschenrechte fĂŒr die Frau e.V., Pressemitteilung von UN WOMEN Nationales Komitee Deutschland e.V.)



  • Public Affairs Beitrag vom 06.03.2014 Philippa Schindler 





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