Terre des Femmes - Protestaufruf zu erschreckendem Urteil in Vergewaltigungsprozess - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Public Affairs
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

Finanzkontor
AVIVA-Berlin > Public Affairs AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Politik + Wirtschaft
   Diskriminierung
   Veranstaltungen in Berlin
   Kultur
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 07.04.2009

Terre des Femmes - Protestaufruf zu erschreckendem Urteil in Vergewaltigungsprozess
AVIVA-Redaktion

Frauenrechtlerinnen, wie Christa Stolle von Terre des Femmes, sind emp├Ârt ├╝ber die Entscheidung des OLG Saarbr├╝cken zum Thema Vergewaltigung. Sind Frauen etwa schuld, wenn sie vergewaltigt werden?



TERRE DES FEMMES verurteilt Entscheidung des OLG Saarbr├╝cken zum Thema Vergewaltigung
"Wir sind zutiefst schockiert, dass durch das OLG Saarbr├╝cken die Tat eines Vergewaltigers verharmlost wird", so Bundesgesch├Ąftsf├╝hrerin Christa Stolle. "Denn mit dem Urteil, dass sich die Frau ┬┤aus freier Entscheidung in eine f├╝r sie erkennbar verf├Ąngliche Situation┬┤ begeben habe, wird Frauen eine durch nichts zu rechtfertigende Verantwortung gegeben, welche vielmehr allein bei dem T├Ąter und der Gesellschaft zu suchen ist".

Die Rechtsprechung bezog sich auf einen Fall, bei dem eine Frau nach Alkoholkonsum von einem Mann (genauer: ihrem Chef, Anm. der Red.) in dessen Wohnung vergewaltigt wurde. Das Saarl├Ąndische Oberlandesgericht (OLG) Saarbr├╝cken hebt die Entscheidung des Landgerichtes Saarbr├╝cken ├╝ber die Schmerzensgeldzahlung einer vergewaltigten Frau teilweise auf.

Solche Rechtsauslegungen leisten zudem Vorschub f├╝r diskriminierende Aussagen und Ansichten, wie "Frauen im Minirock seien selbst schuld" oder f├╝r besch├Ąmende Umformulierungen wie "vergewohlt├Ątigen". Sie zeugen von einer zynischen Toleranz gegen├╝ber frauenverachtenden Straftaten, welche sich auf ein falsches Verst├Ąndnis und sogar Sympathisierung mit dem T├Ąter st├╝tzen.

"Eine derartige Schuldzuweisung beg├╝nstigt eine ├╝beraus gef├Ąhrliche gesellschaftliche Entwicklung, denn angstvolle Vorsichtsma├čnahmen und die st├Ąndige Vermeidung von mutma├člich ┬┤verf├Ąnglichen┬┤ Situationen schr├Ąnken das selbstbestimmte Leben von Frauen ein und unterst├╝tzen noch die Sichtweisen der T├Ąter", sagt Serap Altinisik, Referentin f├╝r H├Ąusliche Gewalt. Weiterhin f├╝hrt sie an, "dass so ein Urteil diskriminierende Strukturen gegen├╝ber Frauen zementiert und stark kontraproduktiv f├╝r ein gleichberechtigtes Miteinander von Frauen und M├Ąnnern ist."

Nach der Statistik des Bundeskriminalamtes aus dem Jahr 2007 sind 9,1 Frauen pro 100.000 EinwohnerInnen von Vergewaltigungen und sexueller N├Âtigung betroffen.

Christa Stolle fordert eine konsequente Ahndung und Bek├Ąmpfung dieses Zustandes, "da eine Vergewaltigung stets als ein Angriff auf die Menschenrechte von Frauen und M├Ądchen zu werten ist und T├Ąter in jedem Fall zur Rechenschaft gezogen werden m├╝ssen."

Hier eine Vorlage f├╝r einen Prostbrief:

AdressatInnen:
An: Prof. Dr. Roland Rixecker, Saarl├Ąndisches Oberlandesgericht, Franz-Josef-R├Âder-Stra├če 15, 66119 Saarbr├╝cken
An: Bundesjustizministerin Brigitte Zypries, Bundesministerium der Justiz, Mohrenstra├če 37, 10117 Berlin
An: Dr. Martina K├Âppen, Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Alexanderstr. 1, 10178 Berlin
An: Ministerin Ursula von der Leyen, Bundesministerium f├╝r Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 11018 Berlin

Sehr geehrte/r Frau/Herr (Name),

ich protestiere gegen die Entscheidung des OLG Saarbr├╝cken, in der vergewaltigten Frauen eine Mitschuld an der Gewalttat unterstellt wird.

Die Rechtsprechung bezieht sich auf einen Fall, bei dem eine Frau nach Alkoholkonsum von einem Mann in dessen Wohnung vergewaltigt wurde. Das Saarl├Ąndische Oberlandesgericht (OLG) Saarbr├╝cken hob die Entscheidung des Landgerichtes Saarbr├╝cken ├╝ber die Schmerzensgeldzahlung einer vergewaltigten Frau teilweise auf.

Die Entscheidung verharmlost die Tat eines Vergewaltigers, denn mit dem Urteil, dass sich die Frau "aus freier Entscheidung in eine f├╝r sie erkennbar verf├Ąngliche Situation" begeben habe, wird Frauen eine durch nichts zu rechtfertigende Verantwortung gegeben, welche vielmehr allein bei dem T├Ąter und der Gesellschaft zu suchen ist.

Solche Rechtsauslegungen leisten zudem Vorschub f├╝r diskriminierende Aussagen und Ansichten, wie "Frauen im Minirock seien selbst schuld". Sie zeugen von einer zynischen Toleranz gegen├╝ber frauenverachtenden Straftaten, welche sich auf ein falsches Verst├Ąndnis und sogar Sympathisierung mit dem T├Ąter st├╝tzen. Zudem schr├Ąnken sie das selbstbestimmte Leben von Frauen ein und unterst├╝tzen die Sichtweisen der T├Ąter.

Ich bitte Sie um Unterst├╝tzung beim Schutz von Frauen vor diskriminierender Rechtsprechung.

Mit freundlichen Gr├╝├čen

(Unterschrift)


Weitere Infos: www.terre-des-femmes.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Kommentar zu skandal├Âsem Gerichtsurteil in Italien: "mildernde Umst├Ąnde", weil 14-j├Ąhriges Opfer keine Jungfrau war
Sunny Graff, Birgit Rieger "M├Ądchen sind unschlagbar - Selbstverteidigung kannst du lernen!"

Quelle: PM/TDF

Public Affairs Beitrag vom 07.04.2009 AVIVA-Redaktion 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken