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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 10.02.2011

Tal der Wölfe - Palästina
AVIVA-Redaktion

"Hauptsache, unser Film wird diskutiert!" Drehbuchautor Bahadir √Ėzdener hatte zumindest mit diesem Ziel Erfolg. Die gewaltverherrlichende, antiisraelische, antizionistische und antisemitische...



... Neuerscheinung aus der t√ľrkischen Kino-Serie "Tal der W√∂lfe" bot schon vor dem Start in deutschen Kinos Anlass zu hitzigen Diskussionen.

Es ging eine Welle des Aufschreis durch Deutschland. Ob deutsche VertreterInnen aus Medien oder Politik, fast einstimmig herrschte die Meinung: "Tal der W√∂lfe - Pal√§stina", der vierte Film des Regisseurs Z√ľbeyr Sasmaz, geh√∂rt nicht in die deutschen Kinos. Sein antiisraelischer und antisemitischer, von Gewalt und Hass gegen√ľber dem Staat Israel und der westlichen Welt gepr√§gter Inhalt, sollte in Deutschland keinem Kinobesucher und keiner Kinobesucherin frei zug√§nglich sein, so urteilt der integrationspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Serkan T√∂ren: "Der Film wirkt auf jugendliche Migranten extrem sozial desorientierend. Hier geht es schlichtweg um Provokation und die Vertiefung von Gr√§ben."

Nun ist er es doch. Ausgerechnet am 27. Januar, dem Holocaust-Gedenktag, sollte der extrem gewaltverherrlichende und nationalistische Actionfilm erstmals in deutschen Kinos gezeigt werden. Dies f√ľhrte zu zus√§tzlicher Emp√∂rung, wurde es doch als reine Provokation verstanden, den Streifen an genau diesem Tag anlaufen zu lassen. Die Presse verriss den Film einstimmig, PolitikerInnen aller Parteien waren sich einig, dass die Premiere an einem solchen Gedenktag geschmacklos und besorgniserregend w√§re. "Einen solchen Film ausgerechnet an diesem wichtigen Gedenktag in Deutschland zu starten, ist an Geschmacklosigkeit kaum zu √ľberbieten", kritisiert Philipp Mi√üfelder, au√üenpolitischer Sprecher der CDU/CSU im Bundestag. Besonders r√ľcksichtslos sei dies gegen√ľber den Gef√ľhlen der Opfer. Auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese war dieser Meinung: "Der Film ist ohnehin problematisch, weil er gewaltverherrlichend ist und antiisraelische sowie antisemitische Emotionen sch√ľrt. Ihn am 27. Januar starten zu lassen, ist geschichtslos und unverantwortlich". Der √∂sterreichische Bundesverband der Israelitischen Kultusgemeinden (IKG) leitete "nach genauer juristischer Pr√ľfung und Beratung" eine Sachverhaltsdarstellung wegen Verhetzung ein. "Unsere Anw√§lte haben den Film minuzi√∂s studiert", so IKG-Generalsekret√§r Raimund Fastenbauer.
Die "T√ľrkische Kulturgemeinde in √Ėsterreich" hat anl√§sslich des Kinostarts einen Trauertag angek√ľndigt und sich in scharfer Form vom "brandstiftenden" Film "Tal der W√∂lfe" distanziert. Der Streifen habe eine "extrem destruktive" Wirkung auf Jugendliche und MigrantInnen vor allem aus der T√ľrkei.
Auch die J√ľdische Gemeinde zu Berlin schloss sich √∂ffentlich dem Widerstand gegen die Ausstrahlung in Deutschland an: "Der Film ist pure antiisraelische und antisemitische Hasspropaganda und verkehrt Realit√§ten." Die J√ľdische Gemeinde zu Berlin appelliert deshalb an alle KinobetreiberInnen, den Film nicht zu zeigen, denn: "Hasspropaganda und Demokratie sind nicht vereinbar." Auch wird die Darstellung des Vorfalls auf der sogenannten "Free Gaza"-Flottille von Seiten der Presse und Politik erneut von der J√ľdischen Gemeinde zu Berlin kritisiert. So werde beispielweise verschwiegen, "dass sich auf der Mavi Marmara ein B√ľndnis befand, das unter antisemitischen Schlachtges√§ngen ausgelaufen war", und auch "der Lynchmob, dem sich die israelischen Soldaten gegen√ľber sahen und dass Menschen an Bord waren, die als "M√§rtyrer" sterben wollten" findet wenig internationale Resonanz.

Der nach einigen Unstimmigkeiten von der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK) ab 18 Jahren freigegebene, propagandistische Film lief dennoch um einen Tag versp√§tet in den deutschen Kinos an. Mittlerweile hat jedoch immerhin die Cinestar Gruppe in Kassel als Reaktion auf ein Protestschreiben von Oberb√ľrgermeister Bertram Hilgen und VertreterInnen der Rathaus-Fraktionen von SPD und Gr√ľnen entschieden, den Film nicht mehr im Programm des Kasseler Cinestar-Kinos zu zeigen.

Verzerrungen realer politischer Hintergr√ľnde

Der Film nimmt den Angriff der israelischen Armee auf das unter t√ľrkischer Flagge fahrende Schiff "Mavi Marmara" am 31. Mai 2010 als Ausgangspunkt f√ľr seine Handlung: Nachdem "FriedensaktivistInnen" bei dem Versuch, Hilfsg√ľter in den Gaza-Streifen zu bringen, von israelischen Soldaten angegriffen und neun von ihnen get√∂tet wurden, reist Geheimagent Polat Alemdar mit seinen Freunden nach Pal√§stina um die Toten zu r√§chen. Ziel seiner Reise ist der f√ľr den Angriff verantwortliche israelische Kommandeur Moshe Ben Eliezer.

Der an einen t√ľrkischen James Bond erinnernde Polat Alemdar(vom t√ľrkischen Actionstar Necati Sasmaz gespielt) kommt nach Pal√§stina (ausdr√ľcklich nicht nach Israel, der Film spielt ausschlie√ülich im gegenw√§rtigen Pal√§stina (Filistin), also in den von der pal√§stinensischen Bev√∂lkerung beanspruchten Gebieten). Kein israelischer St√ľtzpunkt ist sicher genug, als dass ihn der Retter der Pal√§stinenser nicht fast im Alleingang in die Luft sprengen k√∂nnte. Wie James Bond, so gelingt es auch diesem Geheimagenten scheinbar problemlos, eine gro√üe Zahl von Elitesoldaten zu erschie√üen und Moshe mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Bis es soweit ist, sieht man jedoch Stra√üenk√§mpfe, die Bilder der Intifada wachrufen.

Als Personifizierung des B√∂sen, der Gewaltpolitik und der Tyrannei Israels stehen zwei M√§nner: Der schon erw√§hnte Einsatzleiter und Waffenh√§ndler Moshe Ben Elieser (dem Polat fr√ľh ein Auge wegschie√üt, so dass er danach eine Augenklappe tragen muss, was ihm eine gewisse √Ąhnlichkeit mit dem israelischen Helden von 1967 gibt, dem General und Verteidigungsminister Moshe Dayan) und der Gef√§ngnisdirektor Avi. Ihm wird der Satz in den Mund gelegt: "Tiere (Ratten) lernen nur durch Schmerz." Die Aussage ist klar, taucht hier doch das von den Nazis gebrauchte Vokabular auf, nur wird es von einem Juden auf die Pal√§stinenser angewandt.

Der Film baut ein klares Feindbild auf: √ľberall dort, wo Schusswechsel und Morde geschehen, ist auch der Davidstern zu sehen. Nur eine (amerikanische) J√ľdin wird im Film als Mensch und nicht als Scheusal dargestellt und dient so als Alibi f√ľr das Statement "Unsere Feinde sind nicht die Juden, sondern die Tyrannen." Simone Levi, die bei einer Pal√§stinenserfamilie unterschl√ľpfen kann, im Verlauf der K√§mpfe die Seite wechselt und sich mit den Pal√§stinensern identifiziert. Sie wird von den Israelis als Verr√§terin ge√§chtet und wird von Polats M√§nnern vor der Ermordung durch die Israelis gerettet. Dass die einzige im Film etwas n√§her beschriebene Frau eine Metamorphose durchlebt, geh√∂rt zu einer Nebenhandlung. Am Ende legt Simone nicht nur die westliche Kleidung und ihre zwanghafte Medikamenteneinnahme ab, sondern verschm√§ht auch das ihr angebotene Essen nicht l√§nger. Damit die Botschaft klar erkennbar ist, weisen die arabischen Frauen sie mehr als einmal darauf hin, dass eine Frau nur mit Kindern √ľberhaupt als Frau bezeichnet werden kann.
T√ľrkische Propaganda in deutschen Kinos√§len

"Tal der W√∂lfe ‚Äď Pal√§stina" hat es geschafft, mit zehn Millionen Dollar der teuerste t√ľrkische Film seit langem zu sein. Au√üer Actionszenen und Hassparolen bietet er leider nichts. W√ľrde nicht die Gefahr bestehen, dass sich angesprochene Bev√∂lkerungsgruppen mangels Vorwissen und einer gewissen Distanz beeinflussen lassen, so k√∂nnte man den Film eigentlich nur als l√§cherlich abtun. Er ist eine Blamage - f√ľr die T√ľrkei, f√ľr das Kino. Nicht zuletzt dem pal√§stinensischen Volk wurde mit diesem Film kein Gefallen getan.

Dieser Film dient vor allem dazu, die T√ľrkei als moralisch anst√§ndige und starke Retternation darzustellen, die Muslime und Musliminnen aus aller Welt verteidigt. Blickt man auf den neuen au√üenpolitischen Kurs in Ankara, so sollte nicht nur die hier gezeigte neue Art von Antisemitismus auf deutschen Leinw√§nden Besorgnis erregen - sondern auch der Boden, auf dem ein solcher Film erfolgreich werden k√∂nnte.

Tal der W√∂lfe ‚Äď Pal√§stina
Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Originaltitel: Kurtlar Vadisi: Filistin
T√ľrkei, 2010
Regie: Z√ľbeyr Sasmaz
Drehbuch: Raci Sasmaz / Bahadir √Ėzdener / C√ľneyt Aysan
DarstellerInnen: Necati Sasmaz / Erdal Besikcioglu
Verleih: PERA Film GmbH, Köln
Gesamtlänge: 109 Min. 39 Sek.
Kinostart: 27.01.2011

Quellen:
www.migazin.de

www.spiegel.de

www.welt.de/kultur

www.koordinierungsrat-gegen-antisemitismus.org

www.welt.de/politik

www.kino-zeit.de

www.stern.de

www.kuvi.de

www.3sat.de

www.imdb.de

www.turkishpress.de

www.kurier.at

www.jg-berlin.de

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