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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 05.11.2002

Weiterbildung im Qualitätstest
Ilka Fleischer

Die Stiftung Bildungstest im kritischen Austausch mit VertreterInnen von Berliner Weiterbildungseinrichtungen.



Läßt sich Bildung wie eine Waschmaschine testen?

"Weiterbildung im Qualit√§tstest" - Unter diesem Motto versammelte sich am letzten Oktober-Mittwoch das Berliner Edukations-Management in der City Volkshochschule. Auf Einladung der Senatsverwaltung f√ľr Bildung, Jugend und Sport stand die Arbeit der k√ľrzlich gegr√ľndeten Abteilung Bildungstest der Stiftung Warentest im Focus der Diskussion.

Das Test-Team der "Ware Bildung" hatte die hauptst√§dtische Weiterbildungslandschaft bereits mit ersten Ergebnissen in Aufruhr versetzt: ob in Internet-Einf√ľhrungskursen, Weiterbildungsdatenbanken oder Fortbildungsberatungen von Arbeitslosen - √ľberall wurden eklatante M√§ngel ausgemacht. Wenig erstaunlich also, da√ü sich Alfred T√∂pper, Abteilungsleiter der "Stiftung Bildungstest", einem skeptischen Publikum gegen√ľber sah. Kern-Kritik: Bildung lasse sich nicht wie eine Waschmaschine testen.


Die Basis f√ľr die geplanten √úberpr√ľfungen im Bildungs-Bereich bildet die von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn in Auftrag gegebene "Machbarkeitsstudie Bildungstest". Kurz nach Ver√∂ffentlichung im Dezember 2001 hatte die Ministerin das Vorhaben verk√ľndet, deutsche Bildungsqualit√§t durch unabh√§ngige Tests sichern und erh√∂hen zu wollen.
In Kooperation mit der perspektivisch einzurichtenden Stiftung Bildungstest werden bis zum Jahresende 2005 schwerpunktm√§√üig Kursangebote im Bereich beruflicher Weiterbildung untersucht - vorerst unter dem Dach der Stiftung Warentest. Langfristig sollen au√üerdem die Bildungsangebote von Schulen und Hochschulen getestet werden. Bis Ende 2005 werden zun√§chst 6 Millionen Euro aus Mitteln des Bundesbildungsministeriums und des Europ√§ischen Sozialfonds zur Verf√ľgung gestellt.

Die √ľbergeordneten Ziele der mittelfristigen Testreihen werden einerseits in der Schaffung von Orientierungshilfen f√ľr VerbraucherInnen und andererseits in der Anhebung des Qualit√§tsbewu√ütseins von Weiterbildungsanbietern gesehen. Laut Stiftung Warentest-Vorstand Dr. Werner Brinkmann sei der deutsche Weiterbildungsmarkt mit seinen 400.000 unterschiedlichen Produkten nicht nur hinsichtlich seiner Transparenz optimierbar: Die ca. 35.000 Veranstalter erwirtschafteten j√§hrlich 40 Milliarden Euro, w√§hrend die Erwartungen der Verbraucher nicht immer erf√ľllt w√ľrden.

Bis auf weiteres mit einem Jahresbudget von nur 1,7 Millionen Euro sowie 12 festen und einer Handvoll freien MitarbeiterInnen ausgestattet, verlangt die Arbeit des Test-Teams um den Mathematiker Alfred T√∂pper eine minimalistische Vorgehensweise - zumal j√§hrlich 20 Untersuchungen geplant sind. Trotz der thematischen Eingrenzung f√ľr die kommenden 3 Jahre auf berufliche Fortbildungsangebote stehen vielf√§ltige Testfelder auf dem Programm: von Existenzgr√ľndungsseminaren √ľber Bewerbungstrainings und Wirtschaftsenglisch-Kurse bis hin zu arbeitsamtgef√∂rderten Langzeit-Ma√ünahmen im kaufm√§nnischen Bereich und den bereits "angetesteten" Weiterbildungsdatenbanken. Ohne eine starke Beschr√§nkung der zu testenden Einrichtungen und der Testreihen l√§sst sich das Vorhaben vor diesem Hintergrund kaum realisieren.

Wie k√∂nnen punktuelle Stichproben Repr√§sentativit√§t gew√§hrleisten? Angrenzende Fragen: Wie k√∂nnen einzelne DozentInnen davor gesch√ľtzt werden, als "Bauernopfer" ihrer Arbeitgeber funktionalisiert zu werden? Wie k√∂nnen getestete Einrichtungen sich davor bewahren, f√ľr getestete "Ausnahmesituationen" ins Schu√üfeuer der Kritik zu geraten? Welche Folgen bringt die Auswahl der Test-Einrichtungen in Bezug auf die Positionierung gegen√ľber nicht-getesteten Mitbewerbern mit sich? Fragen, die Herrn T√∂pper und sein Test-Team schon seit Monaten begleiten und bei aller selbstkritischen Reflexion nicht aus der Fassung bringen.
Die Vorgehensweise "in dubio pro reo" sch√ľtze die getesteten Einrichtungen im Zweifelsfalle vor verallgemeinernder Kritik und die einzelnen KursleiterInnen w√ľrden in den Ver√∂ffentlichungen niemals genannt, erkl√§rt Herr T√∂pper. Ohne √úberheblichkeit erl√§utert er Grundlagen der Wahrscheinlichkeitsrechnung und berichtet, inwiefern die Unterstellung, zur falschen Zeit am falschen Ort getestet zu haben, zum Alltag der Stiftung Warentest geh√∂rt.

Der zweite neuralgische Bereich dreht sich um den zugrunde gelegten Qualit√§tsbegriff und hatte im Vorfeld bereits gro√üe Zweifel aufgeworfen: Inwieweit k√∂nnte die Arbeit der Abteilung Bildungstest als "K√∂nigsweg f√ľr eine aktive Qualit√§tssicherungspolitik der Bundesregierung" instrumentalisiert werden, hatte sich GEW-Weiterbildungsexpertin Ursula Herdt skeptisch ge√§u√üert.
Ohne regierungspolitische Bez√ľge herzustellen, dennoch mit √§hnlich grundlegenden Zweifeln, wurde auch in der j√ľngsten Veranstaltung Kritik an Aussagekraft und Bedeutung der Testkriterien laut. Zu viele schwer messbare Faktoren - wie p√§dagogische Qualit√§t und Pers√∂nlichkeitsbildung - w√ľrden zugunsten leichter evaluierbarer Kriterien - wie Ausstattung und Gruppengr√∂√üe - ausgeklammert. Bei der Definition der Testkriterien w√ľrden demnach fachliche Kriterien ausgespart, die f√ľr die Beurteilung von Bildungsqualit√§t ma√ügeblich w√§ren. In Konsequenz sei zwar eine Anpassung des Marktes auf die Testkriterien zu erwarten, aber u.U. kaum eine qualitative Verbesserung unter fachlichen Gesichtspunkten.

Finale Nachfrage aus dem Auditorium: K√∂nnte man die Arbeit der BildungstesterInnen mit einem Waschmaschinentest vergleichen, bei dem nur die Qualit√§t der technischen Vorrichtungen wie Trommel und Schalter beurteilt w√ľrden, nicht aber die Sauberkeit der W√§sche? Ohne Z√∂gern gesteht Herr T√∂pper eine gewisse Vergleichbarkeit ein, relativiert aber insofern, als dass zumindest eine "Schmuddeligkeit" der W√§sche nachgewiesen werden k√∂nne...



Women + Work Beitrag vom 05.11.2002 Ilka Fleischer 





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