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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 12.12.2002

Die Universit√§t der K√ľnste ist Vorreiterin: Mentoring in Kunst und Kultur
Anja Kesting

Der erste Mentor war ein Mann, Freund und F√∂rderer von Odysseus. Er wachte √ľber sein Haus und Hof als Odysseus auf Reisen ging. Damals gab es also auch schon das old-boys-network...



... und heute schachert sich das "starke Geschlecht" immer noch gegenseitig die Jobs zu. "Bei dieser Stelle haben wir dich nicht durchgebracht, aber die nächste ist deine, oder wir schreiben die Stelle so aus, dass sie auf dich zugeschnitten ist", sagt Adrienne Goehler, Kuratorin des Hauptstadtkulturfonds, das undurchschaubare Geflecht der Herren, die sich untereinander alle mal einen "Gefallen" schulden. Frauen bleiben draußen, kommen bei diesem Geschachere nicht vor.

Gibt es eigentlich funktionierende Netzwerke zwischen Frauen oder ist ihr Arbeitsleben durch Stutenbissigkeit geprägt?

Eine rhetorische Frage? Bei weitem nicht. Damit dieser Zustand nicht so bleibt, hat die Universit√§t der K√ľnste Berlin (UdK) als erste Hochschule bundesweit ein Mentoring-Programm ins Leben gerufen. So sollen erstmalig K√ľnstlerinnen und Wissenschaftlerinnen mit dem Berufsziel "Professorin an einer Kunsthochschule" gezielt in Netzwerke eingef√ľhrt und bei der Karriereplanung von ihren MentorInnen, ProfessorInnen der UdK, systematisch beraten werden. Ganz nach dem Vorbild von Athene, Schutzg√∂ttin der Kunst und Wissenschaft, die in Gestalt eines Mannes Telemachos, dem Sohn von Odysseus, als erste weibliche Mentorin zur Seite stand.

Das Besondere bei diesem Konzept sind die Teilnehmenden: K√ľnstlerinnen aller Sparten und Wissenschaftlerinnen mit fachlicher N√§he zur Bildenden Kunst, Gestaltung, Darstellenden Kunst, Theater oder Musik treffen auf ProfessorInnen aus der Hochschullandschaft. Daraus ergibt sich eine Symbiose: Die einen geben Erfahrungen und Insiderwissen weiter und profitieren aber auch von den j√ľngeren Mentees, die sich bereits in der zeitgen√∂ssischen Kunst-, Kultur- und Wissenschaftsszene positioniert haben, aber noch nicht an der Kunsthochschule etabliert sind.

Initiatorin des Mentoring-Programms, Dr. Sigrid Haase, Frauenbeauftragte der UdK, zeigte sich √ľberrascht √ľber die gro√üe Resonanz der Ausschreibung. √úber hundert K√ľnstlerinnen und Wissenschaftlerinnen, nicht nur aus Berlin, sondern bundesweit, bewarben sich als Mentee f√ľr die zehn freien Stellen. "Die Begeisterung ist gro√ü. In Ihren Bewerbungsschreiben schlagen die Mentees ungew√∂hnliche Ma√ünahmen vor, die im Mentoring-Programm an einer Kunsthochschule entwickelt werden k√∂nnen", freut sich Dr. Sigrid. Haase bei der Pr√§sentation des Programms am 5. Dezember 2002 in der UdK. Frau darf auf die Ergebnisse gespannt sein, die in einem Jahr von MentorIn und Mentee pr√§sentiert werden.

Dass sich nicht nur in den oberen F√ľhrungsetagen, sondern auch in den K√∂pfen der Frauen, etwas √§ndern muss, zeigt das Ergebnis einer internen Studie unter Studentinnen: 96 Prozent von ihnen geben als Berufziel "Professor an einer Kunsthochschule" an. Erschreckend! Deshalb sollte das Mentoring-Programm der Universit√§t der K√ľnste Schule machen, so dass in den n√§chsten Jahren bundesweit an Hochschulen K√ľnstlerinnen und Wissenschaftlerinnen in diesem Sinne gef√∂rdert werden.

Weitere Informationen sind unter www.mentoring.udk-berlin.de erhältlich.

Women + Work Beitrag vom 12.12.2002 AVIVA-Redaktion 





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