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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 16.04.2007

Vom Mythos der Karrierefrau als Superfrau
Clarissa Lempp

Eine Studie des nordrhein-westf├Ąlische Ministeriums f├╝r Generationen, Familie, Frauen und Integration hat das Bild von Unternehmerinnen in den Medien untersucht: S├╝├čes Leben mit bitteren Noten...



Die ├Âffentliche Wahrnehmung von Unternehmerinnen hat mit der Realit├Ąt kaum etwas zu tun. Zu diesem Ergebnis kommt die Untersuchung "S├╝├čes Leben mit bitteren Noten", die das nordrhein-westf├Ąlische Ministerium f├╝r Generationen, Familie, Frauen und Integration (MGFFI) Ende 2006 vorgestellt hat. Trotz positiver Entwicklungen des institutionellen und gesellschaftspolitischen Umfelds in Deutschland werden Gr├╝nderinnen und Unternehmerinnen oft noch skeptisch betrachtet oder als "Superfrauen" verherrlicht. Als hart arbeitende Powerfrauen, sehen sie dazu blendend aus und k├╝mmern sich gleicherma├čen um Job, Familie und Haushalt. "Kurz gesagt, Unternehmerinnen sind wahre Superfrauen, die ihre "Frau" in einem m├Ąnnerdominierten Bereich stehen" so der zust├Ąndige Landesminister Armin Laschet. In diesem Zusammenhang untersuchte die Universit├Ąt Siegen, im Auftrag des MGFFI, das von Medien transportierte Bild deutscher Unternehmerinnen und Gr├╝nderinnen. Der Fokus lag auf der Zeitungsberichterstattung und bezog sich im speziellen auf die gro├čen Tageszeitungen Berliner Zeitung, Bild-Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), Das Neue Deutschland (ND), Die S├╝ddeutsche Zeitung (SZ), Die Tageszeitung (TAZ) und Die Welt. Insbesondere Zeitungen vermitteln schlie├člich, auch in Zeiten der zunehmenden Internetnutzung, akzeptierte Wertvorstellungen einer Gesellschaft und tragen im ├Âffentlichen Diskurs dazu bei, die T├Ątigkeit von Unternehmerinnen positiv zu besetzen.

Sprachlich wurde bei der gesch├Ąftsbezogenen Berichterstattung ├╝ber Gr├╝nderinnen insgesamt auf einen sachlich und neutralen Gebrauch geachtet, w├Ąhrend beim Unternehmerinnenbegriff vor allem Bilder verwendet werden und insbesondere in Portr├Ąts, eine emotionalisierte Beschreibung auftritt. Vor allem das Aussehen und Verhalten der betreffenden Frauen wird betont und "typisch weibliche" Merkmale (z.B. ihre "weiche Stimme") hervorgehoben. Auch die Einbettung in unterschiedliche Dossiers spielt eine erhebliche Rolle. Artikel im Kulturbereich verwenden eher eine anschauliche, bebilderte Sprache, Artikel im Wirtschaftsteil zeichnen sich durch neutralere, sachlichere Beschreibungen aus. Bei ausf├╝hrlichen Portr├Ąts von Unternehmerinnen oder Gr├╝nderinnen wird auch ihre Herkunft betont, die auf eine Notwendigkeit sp├Ąter selbst erfolgreich zu sein hinweisen soll. Dabei wird impliziert, dass der Erfolg f├╝r Frauen sich in "etwas leisten zu k├Ânnen", kostspieligen Hobbys und dem Gef├╝hl sich aus einer Notlage befreit zu haben, ausdr├╝ckt. Gleichzeitig werden durch implizite Hinweise auf die Rolle des Ehemannes beim Unternehmensaufbau oder auf das Aussehen der Unternehmerinnen, die Selbstst├Ąndigkeit in der Erreichung ihrer Ziele abgesprochen.

Geschlechtstypische Bilder werden auch durch Beispiele konstatiert, wenn z.B. betont wird, dass Frauen nicht mit Geld umgehen k├Ânnten oder eher f├╝r das Kreative zust├Ąndig seien. Das Unternehmerinnen-Dasein ist im Vergleich zum Unternehmerdasein immer noch etwas Besonderes, was im 21. Jahrhundert ├╝berraschen d├╝rfte. Das traditionelle Rollenbild, das sich dahinter verbirgt wird nur von wenigen der untersuchten Zeitungen aufgebrochen. Nicht ├╝berraschend ist deshalb, dass Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein beliebtes Thema in der Unternehmerinnendiskussion ist. Der Unternehmenserfolg wird h├Ąufig als negativ f├╝r das Familienleben dargestellt und explizit mit Statussymbolen verkn├╝pft. So erw├Ąhnt die Welt in einem 2004 ver├Âffentlichten Portr├Ąt einer jungen chinesischen Unternehmerin, den Zusammenbruch der Ehe als "Preis f├╝r den Erfolg", w├Ąhrend auf der anderen Seite betont wird, welche Statussymbole sie sich mittlerweile leisten kann. Zudem werden Unternehmerinnen an einer m├Ąnnlich-orientierten Norm gemessen. Sie sind hart arbeitende Power-Frauen, die Enthusiasmus, Energie und H├Ąrte zeigen, schlau sind und eben auch noch gut aussehen. Kurz: Sie sind Superfrauen in einer m├Ąnner-dominierten Welt. Gleichzeitig finden sich gerade in der Berichterstattung ├╝ber Gr├╝nderinnen vor allem Portr├Ąts aus dem Kulturbereich (Tanztheater, Museen, Galerien, freischaffende K├╝nstlerinnen usw.), aber auch im Sozialbereich, beides Gebiete die im allgemeinen eher Frauen zu gesprochen werden.

JournalistInnen sollten sich der Macht von Bildern und Sprache bei der Konstruktion von veralteten Rollenzuschreibungen bewusst sein. Die Gendertrainings des Journalistinnenbunds bieten hier einen guten Ankn├╝pfungspunkt, um auf gendersensible Themen aufmerksam zu machen und die Geschlechterperspektive, wie auch eine geschlechtsneutrale Sprache als Selbstverst├Ąndlichkeiten in die Berichterstattung einzubeziehen. Das sich dabei auch das Geschlecht der Berichterstatter auf die verwendete Sprache auswirkt liegt auf der Hand. Interessanterweise sind aber die beiden sachlichsten Portr├Ąts von M├Ąnnern, die drei emotionalisierten dagegen von Frauen verfasst.

"S├╝├čes Leben mit bitteren Noten". Unternehmerinnen und Gr├╝nderinnen in der deutschen Presse - eine diskursanalytische Betrachtung.
Herausgegeben vom Ministerium f├╝r Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, 2006.

├ťber die Internetseite des MGFFI ist die Publikation als PDF-Download erh├Ąltlich.
www.mgffi.nrw.de

Women + Work Beitrag vom 16.04.2007 Clarissa Lempp 





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