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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2019 - Beitrag vom 24.05.2007


Bundesverdienstkreuz für Professorin Ilse Kokula
Tonia Aurfali

Am 22. Mai 2007 erhielt die couragierte Soziologin Dr. Ilse Kokula das Bundesverdienstkreuz für ihr 30 Jahre währendes Engagement zur Integration lesbischer Lebensweisen in der Gesellschaft.



Dr. Ilse Kokula hat durch ihr Wirken dafür gesorgt, dass Lesben heute kein Schattendasein mehr in heimlichen Verstecks und Flucht in Scheinehen führen müssen. Über drei Jahrzehnte hinweg kämpfte sie beharrlich für die Emanzipation von Lesben. Dafür hat sie sich auf zahlreichen Ebenen engagiert.

Sie selbst hat einen langen und beschwerlichen Weg zurücklegen müssen, um sich für andere einsetzen zu können: Die 1944 geborene Schlesierin wuchs in Franken auf. Nach einer Stelle als Hilfskraft in der Küche gelang es ihr, einen Ausbildungsplatz als Köchin zu erhalten. Im Anschluss an einige Berufsjahre, besuchte sie dann bis 1967 die Höhere Fachschule in Bayern und ließ sich zur Sozialarbeiterin ausbilden. Anschließend holte sie die mittlere Reife nach und begann 1971 ein dreijähriges Pädagogikstudium in Berlin. Ihre Diplomarbeit schrieb sie über das "Lesbische Aktionszentrum" (LAZ), in dem sie selbst Mitglied war. Mitte der 70er Jahre wurden Lesben gesellschaftlich totgeschwiegen, deshalb veröffentlichte Kokula ihr Buch "Der Kampf gegen Unterdrückung" beim Frauenoffensive-Verlag noch unter dem Pseudonym Ina Kuckuck.

1982 promovierte sie an der Universität Bremen in Soziologie. 1985 wurde sie von der Universität Utrecht zur ersten Gastprofessorin für "soziale Geschichte und Sozialisation lesbischer Frauen" berufen und erhielt den Professorinnen-Titel. Es sind zahlreiche Bücher und Beiträge, zum Beispiel für die Lesbenzeitschriften "UkZ"
und "die", alias "Lesbenfront" von ihr erschienen.

  • Veröffentlichungen von Dr. Ilse Kokula
  • Der Kampf gegen Unterdrückung,1975
  • Weibliche Homosexualität um 1900 in zeitgenössischen Dokumenten, 1981
  • Formen lesbischer Subkultur, 1983
  • Jahre des Glücks, Jahre des Leids oder Gespräche mit älteren lesbischen Frauen, 1986
  • Wir leiden nicht mehr, sondern sind gelitten. Lesbisch leben in Deutschland, 1987
  • Die Welt gehört uns doch! Zusammenschluss lesbischer Frauen in der Schweiz der 30er Jahre (mit Ulrike Böhmer), 1991

    Darüber hinaus hat Dr. Ilse Kokula die lesbisch-schwule Gewerkschaftsgruppe der ÖTV/Verdi mit aufgebaut und den Katalog zur Ausstellung "Eldorado - Berlin 1850-1950" mitverfasst. Eine beachtliche Leistung ist auch der Aufbau des Referats für "Gleichgeschlechtliche Lebensweisen" in der Berliner Verwaltung, den sie 1989 bis 1996 mitgestaltet hat. Bis zu ihrer Pensionierung im Jahre 2004 war sie für den Jugendschutz tätig. Seither ist sie ehrenamtlich im Vorstand des "Frauenzentrums FRIEDA" und in der Lesbenforschung tätig.

    Für diesen außergewöhnlichen Kampfgeist und die enorme Ausdauer für die Realisierung ihrer Projekte für ein freieres Lebensgefühl von Lesben hat die Staatssekretärin Almuth Nehring-Venus ihr am 22. Mai 2007 das Bundesverdienstkreuz verliehen: "Dr. Ilse Kokula hat mit ihrem außerordentlichen, von Courage, Wissensdrang und Beharrlichkeit getragenen Engagement wesentlich zur Emanzipation von Lesben und Schwulen und zur Entwicklung einer toleranten und offenen Gesellschaft beigetragen."


    AVIVA-Buchtipp(2003): "Lesbisches Berlin. Die Stadtbegleiterin."

    Weitere Infos rund um Beratung von Lesben: www.lesbenberatung.de



  • Women + Work Beitrag vom 24.05.2007 AVIVA-Redaktion 





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