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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 19.06.2008

Komm, mach MINT. Der Verein MINT-EC ist am 16. Juni 2010 dem Nationalen Pakt f├╝r Frauen in MINT-Berufen beigetreten
Anna-Lena Berscheid

VertreterInnen aus Wirtschaft und Wissenschaft wollen mehr Frauen f├╝r Zukunftsberufe gewinnen - dazu wurde ein neuer Pakt f├╝r weiblichen Nachwuchs in Naturwissenschaft und Technik gestartet.



Fachkr├Ąfte mit Abschl├╝ssen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - kurz MINT - haben vielf├Ąltige Arbeitsm├Âglichkeiten und hervorragende Berufsaussichten. Doch gerade junge Frauen nutzen das Potenzial in diesen Zukunftsberufen bislang nur unzureichend. Ein breites B├╝ndnis aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik hat sich nun zum Ziel gesetzt, dies zu ├Ąndern und deutlich mehr junge Frauen f├╝r MINT-Berufe zu gewinnen. Dies ist vor allem aufgrund des drohenden ExpertInnenmangels in den IT- und Ingenieursberufen notwendig geworden: In diesen Bereichen gibt es derzeit ├╝ber 130.000 offene Stellen. Dieser Fachkr├Ąftemangel bedeutet f├╝r die deutsche Wirtschaft laut Dr. Willi Fuchs, dem Vorsitzenden des Vereins Deutsche Ingenieure, einen Wertsch├Âpfungsverlust von 7 Milliarden Euro pro Jahr.

Drei Millionen Euro Unterst├╝tzung vom Bund

Auf Initiative von Bundesbildungsministerin Annette Schavan wurde am 17.06.2008 in Berlin der nationale Pakt f├╝r mehr Frauen in MINT-Berufen gestartet. Unter dem Motto "Komm, mach MINT!" will die Bundesregierung mit mehr als 40 PartnerInnen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik das Engagement aller Beteiligten st├Ąrken und b├╝ndeln. Der Pakt ist Teil der Qualifizierungsinitiativeder Bundesregierung und richtet sich an Frauen, die sich im ├ťbergang zwischen Schule und Studium bzw. zwischen Studienabschluss und Berufswahl stehen.

"Wir brauchen mehr sichtbare Rollenvorbilder, bessere Informationen ├╝ber den Berufsalltag und Angebote, die bei jungen M├Ądchen fr├╝hzeitig das Interesse an Naturwissenschaft, Mathematik und Technik wecken und erhalten. Hier m├╝ssen wir ansetzen. Wir m├╝ssen zudem vermitteln, dass auch die MINT-Berufe mittelbar oder unmittelbar mit Menschen zu tun haben, denn dies ist ein wichtiges Kriterium bei der Berufswahl von M├Ądchen", sagte Schavan bei der Auftaktveranstaltung des Paktes.

Das Bundesministerium f├╝r Bildung und Forschung unterst├╝tzt den Pakt mit drei Millionen Euro im Jahr. Die PartnerInnen verpflichten sich, die Ziele durch eigene Ma├čnahmen zu unterst├╝tzen. Die Hochschulen etwa wollen ihre naturwissenschaftlichen und technischen Studieng├Ąnge attraktiver gestalten und die Studienorientierung f├╝r Frauen erleichtern. Unternehmen werden jungen Frauen verst├Ąrkt deutlich machen, dass in den MINT-Berufen attraktive Arbeitspl├Ątze zur Verf├╝gung stehen.

Offene Gestaltungsm├Âglichkeiten und gemeinsame Ziele

Der Pakt soll f├╝r die PartnerInnen offen gestaltet werden, bestehende Projekte und Initiativen k├Ânnen eingebracht, geb├╝ndelt und durch gemeinsame ├ľffentlichkeitsarbeit sichtbar gemacht werden. Ein Transfer erfolgreicher Ma├čnahmen in andere Regionen und Institutionen soll erm├Âglicht und neue Aktivit├Ąten der PartnerInnen angesto├čen werden. Die geplanten Ma├čnahmen sollen jungen Frauen unter anderem Entscheidungshilfen f├╝r den Studieneinstieg geben, fr├╝hzeitige Kontakte mit Vorbildfrauen erm├Âglichen und mehr Selbstvertrauen in die eigene Leistungsf├Ąhigkeit f├╝r ein technisches Studium bewirken.

Die PaktpartnerInnen haben sich konkrete gemeinsame Ziele gesetzt: Der Anteil an Studienanf├Ąngerinnen in den naturwissenschaftlich-technischen F├Ąchern soll um durchschnittlich f├╝nf Prozentpunkte steigen, bei Neueinstellungen im MINT-Bereich sollen Frauen mindestens entsprechend ihres Anteils an den AbsolventInnen ber├╝cksichtigt und ihr Anteil an F├╝hrungspositionen soll deutlich erh├Âht werden. "Junge Frauen in Deutschland sind so gut ausgebildet wie noch nie. Sie haben die besten Voraussetzungen gerade f├╝r technische und naturwissenschaftliche Berufe. Jetzt m├╝ssen wir sie dazu motivieren, diese hervorragenden Chancen in ihrer Studien- und Berufswahl auch zu nutzen. Daf├╝r m├╝ssen wir Paktpartner all unsere Kr├Ąfte b├╝ndeln", so Schavan.

Der Anteil junger Frauen an den AbiturientInnen betr├Ągt 56 Prozent, ihr Anteil an Ausbildungs- und Studieng├Ąngen im MINT-Bereich ist liegt jedoch nur bei insgesamt 16%. In Elektrotechnik beispielsweise nehmen nur 9 Prozent Frauen ein Studium auf, in Informatik 17 Prozent.

Rollenvorbilder, Mentoring und Talentschools

Bei M├Ądchen sehr beliebt sind Technikcamps, die vereinzelt von Hochschulen, Stiftungen und gro├čen Firmen veranstaltet werden. Um hierf├╝r gr├Â├čere Breitenwirkung zu erzielen, wird ein breit gef├Ąchertes Angebot entwickelt bzw. vorhandene Ma├čnahmen wie die Talentschools ausgebaut. In Zusammenarbeit mit Unternehmen und Forschungseinrichtungen k├Ânnen diese Angebote unter anderem f├╝r Projektwochen in Schulen, f├╝r Wochenend- und Ferienangebote eingesetzt werden. Die Deutsche Telekom Stiftung und die Fraunhofer-Gesellschaft beteiligen sich auf diese Weise mit einem gemeinsamen Angebot aus Ingenieur-Akademien und Talent Schools an dem Pakt. Dr. Klaus Kinkel, Vorsitzender der Stiftung, sagte dazu: "Wenn wir das Potenzial weiblicher Nachwuchskr├Ąfte in MINT nicht aussch├Âpfen, lassen wir die halbe Mannschaft auf der Reservebank."

Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) hat ein Projekt entwickelt, ├╝ber das junge M├Ądchen gezielt durch Rollenvorbilder aus dem MINT-Bereich angesprochen werden. Viele Ingenieurinnen und Naturwissenschaftlerinnen sind bereit, als Vorbilder jungen Frauen ihren Beruf nahe zu bringen. Die Vorbilder sollen dabei den pers├Ânlichen Kontakt mit der Zielgruppe herstellen.

Die Bundesagentur f├╝r Arbeit verst├Ąrkt ihre Berufsorientierungsma├čnahmen speziell f├╝r junge Frauen. Rudolf Knorr, Gesch├Ąftsf├╝hrer der Agentur dazu: "Unsere Beratungsfachkr├Ąfte stellen jungen M├Ądchen Berufsinhalte und Entwicklungsperspektiven vor und zeigen Realisierungswege auf. Wir haben die Medienpalette zur Beruforientierung angepasst und sprechen auch direkt junge Frauen an, um sie f├╝r den naturwissenschaftlich-technischen Bereich zu begeistern. Durch Modellprojekte mit Schulen und Hochschulen wollen wir beispielgebend sein f├╝r breite Initiativen."

Zudem bieten Paktmitglieder neue Formen des Mentoring und neue Formate der Begegnung zwischen erfahrenen Frauen aus dem MINT-Bereich und Sch├╝lerinnen an: Um bereits bei M├Ądchen in den Klassen 8 bis 10 den Blick f├╝r berufliche Perspektiven zu sch├Ąrfen und um gegebenenfalls noch Handlungsm├Âglichkeiten bei der Wahl der Leistungskurse zu nutzen, soll interessierten M├Ądchen zum Beispiel nach der Teilnahme am Girls┬┤ Day ein lockerer fortlaufender Kontakt mit den beteiligten Betrieben und Hochschulen angeboten werden.

Ein weiteres Projekt will ├╝ber die Zusammenarbeit von DrehbuchautorInnen und MINT-Fachleuten f├╝r ein realistisches Bild der MINT Berufe in Filmen und Fernsehserien sorgen. Ein entsprechendes Projekt u.a. zur Sensibilisierung von Drehbuchautoren/innen wird bereits im Rahmen der Bekanntmachung Frauen an die Spitze" gef├Ârdert.

Die Website www.komm-mach-mint.de bietet mit einer dynamischen Projektlandkarte einen bundesweiten ├ťberblick von derzeit mehr als 350 Projekten und Initiativen f├╝r Frauen in MINT an den Schnittstellen Schule - Studium und Studium - Beruf. Umfangreiche Suchfunktionen erm├Âglichen eine gezielte Auswahl hinsichtlich Zuordnung zu einer der beiden Schnittstellen, thematischer Ausrichtung des Projektes, Zielgruppen und Veranstaltungsort. Konkrete Informationen zu den jeweiligen Projekten sind jeweils in Form einer Visitenkarte hinterlegt, die neben der Beschreibung der Projektinhalte auch die Kontaktperson und Web-Adresse angibt. Ein aktuelles Newsangebot zu den Themen und Projekten des Nationalen Pakts, Termine und Veranstaltungshinweise der Paktpartnerinnen und Paktpartner, sowie Links zu den PartnerInnenwebsites vervollst├Ąndigen das Angebot.

Als Excellence-Netzwerk mathematisch-naturwissenschaftlicher Schulen ist der Verein MINT-EC am 16. Juni 2010 dem Nationalen Pakt f├╝r Frauen in MINT-Berufen beigetreten. Unter dem Motto "Komm, mach MINT" will der Nationale Pakt gemeinsam mit ├╝ber 70 anderen PartnerInnen der Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien mehr junge Frauen f├╝r Zukunftsberufe im MINT-Bereich gewinnen.

Mit dem Beitritt zum Nationalen Pakt f├╝hrt der Verein sein Engagement konsequent fort und setzt damit auf eine st├Ąrkere Wahrnehmung des Themas in der ├ľffentlichkeit.
Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall im Rahmen der Initiative THINK ING., die Siemens Stiftung und die Deutsche Telekom AG f├Ârdern den Verein MINT-EC ma├čgeblich. 2009 hat das Pr├Ąsidium der Kultusministerkonferenz der L├Ąnder die Schirmherrschaft ├╝ber das MINT-EC-Netzwerk f├╝r die kommenden f├╝nf Jahre ├╝bernommen.

Women + Work Beitrag vom 19.06.2008 AVIVA-Redaktion 





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