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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 29.04.2003

Frauen & Geld
Sharon Adler

5 Jahre finesse, die Frauenfinanzberatung. Ein GesprĂ€ch mit der GeschĂ€ftsfĂŒhrerin, Barbara Wambutt.





. . . . PR . . . .

AVIVA-Berlin: 17. April 2003: FĂŒnf Jahre Finesse - was fĂŒr ein ResĂŒmee ziehen Sie?
finesse
: Mittlerweile haben wir ĂŒber tausend Frauen beraten. Wir sind sehr glĂŒcklich, dass wir so einen Zuspruch gefunden haben - nicht nur hier im Kiez in Schöneberg, sondern in ganz Berlin, auch in Brandenburg, selbst in Westdeutschland haben schon Frauen den Weg zu uns gefunden: ĂŒber unsere Website oder auf Empfehlung. Immer mehr Frauen haben festgestellt, dass sie die Beratung von Frauen fĂŒr Frauen besser finden.

AVIVA-Berlin: Stichwort: "Weiblich Wirtschaften". Investieren Frauen anders, sind Frauen vorsichtiger in ihrer Finanzplanung?
finesse
: Die Frauen erwarten mehr, denken mehr nach, wollen die ZusammenhĂ€nge verstehen. Sie erwarten, ĂŒber alle Vor- und Nachteile informiert zu werden. Sie wollen nicht in irgendwas gedrĂ€ngt werden, wollen Zeit haben, nachfragen zu können. Sie fĂŒhren mindestens zwei - drei GesprĂ€che, ehe sie sich fĂŒr oder gegen etwas entscheiden.

AVIVA-Berlin: In welchen speziellen Situationen lassen die Frauen sich beraten? Oft fragen sie sich erst kurz vor der Scheidung "Wie bin ich ĂŒberhaupt finanziell abgesichert?"
finesse
: Man muss den Frauen klarmachen, was ihnen zusteht, dass eine Ehe keine Einbahnstrasse ist und hier keine Sicherheiten gelten, auch wenn die Beziehung glĂŒcklich ist.
Die MĂ€nner sind meist viel cleverer und schneller. Die private, finanzielle Situation ist ganz entscheidend: Frauen entschließen sich wegen der Kinder, zuhause zu bleiben, oder planen einen Wiedereinstieg, ein Kinderwunsch besteht. Wir weisen auf VersorgungslĂŒcken hin und bieten LösungsvorschlĂ€ge an. Wir fĂŒhren auch gemeinsame GesprĂ€che mit den Partnern und schnĂŒren ein individuelles, maßgeschneidertes Paket, was auch immer mal wieder in grĂ¶ĂŸeren AbstĂ€nden ĂŒberprĂŒft werden muss.

AVIVA-Berlin: Weg vom Thema Altersvorsorge und in Richtung Fonds-GeschÀfte und Investitionen. Wie sieht es bei einer Geldanlage in Immobilien aus?
finesse
: Optimal ist es, sich nicht nur auf eine Anlageform zu konzentrieren, sondern ErgĂ€nzungsformen zu finden. Entscheidend fĂŒr eine Geldanlage ist der Anlagehorizont, d.h. Anlagedauer und die Risikobereitschaft. Muss man jederzeit an das Geld herankommen können, da Steuern oder unvorhergesehene Ausgaben anfallen bzw. GeldeingĂ€nge ausbleiben, scheiden Fondsanlagen aus. Wer aber neben einer konservativen Grundabsicherung noch FreirĂ€ume fĂŒr eine Anlage ĂŒber 10 Jahre und mehr hat, sollte eine Fondsanlage wagen, da diese aussichtsreiche Ertragschancen bietet. Immobilien sollten nur zur Eigennutzung erworben werden. Eine reine Geldanlage ist unflexibel. Als Alternative bieten sich offene Immobilienfonds an.

AVIVA-Berlin: Nun gibt es ja die unterschiedlichsten Frauen. Zum Beispiel die Freiberuflerin, die sich aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation fragt: "Wovon soll ich denn jetzt noch was zurĂŒcklegen?"
finesse
: Eine Analyse der wirtschaftlichen Situation und konkreten Ausgaben zeigt in den meisten FĂ€llen Möglichkeiten auf. Manchmal hilft schon eine Optimierung vorhandener Geldanlagen, der Ausschluss unnötiger bzw. Änderung von Versicherungen, die Ausnutzung steuerlicher Vorteile im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge sowie staatlicher Förderungen, die Einbeziehung von verdienenden Partnern.
Die Schwerpunkte setzt jede Frau anders. Es ist aber falsch, diese Frage immer zu verdrĂ€ngen und den Kopf in den Sand zu stecken. Anfangen heißt es und StĂŒck fĂŒr StĂŒck sich der optimalen Vorsorgeaufwendung, die sich errechnen lĂ€sst, annĂ€hern. Es nie aus den Augen verlieren.

AVIVA-Berlin: Sollten Frauen mehr Risikobereitschaft zeigen?
finesse
: Ja, ich denke schon. Sie sind oft zu vorsichtig, auch bei relativ sicheren Anlagen.
Jede Frau sollte sich viel mehr mit den grundlegenden Begriffen der Finanzwelt befassen, damit sie Banken, Versicherungen und andere Anbieter besser verstehen und die entscheidenden Fragen stellen können.

AVIVA-Berlin: Wenn Sie jetzt noch mal zurĂŒckblicken: FĂŒnf Jahre Finesse - Sie haben ja mit Sicherheit vor 5 Jahren anders beraten als heute.
finesse
: In den letzten 5 Jahren hat sich auf dem Finanzsektor enorm viel entwickelt. Der Staat sorgt fĂŒr immer neue tiefgreifende VerĂ€nderungen auf dem Gebiet von Steuern und Sozialsystemen. Nicht selten handelt es sich dabei um SchnellschĂŒsse, die nicht bis zu Ende gedacht sind. Auch in der Beratung wird es immer schwieriger, den Überblick zu behalten.
Wir haben sehr viel Erfahrung gesammelt. Anbieter, die vor fĂŒnf Jahren top waren, zĂ€hlen jetzt zu den schlechteren.
Das sind Entwicklungen, die man zur Kenntnis nehmen muss, aber auch nicht voraussehen kann. Das muss man natĂŒrlich auch dem Kunden vermitteln können. Viele denken dann vielleicht "Ich bin fehlberaten worden". Viele, die vor drei Jahren Aktien gekauft haben, verdrĂ€ngen heute auch allzu gern das in der Beratung Gesagte, dass die Börse auch in die andere Richtung gehen kann. Im Nachhinein sind alle schlauer, vor allem die Medien und auch der Gott Stiftung Warentest.

AVIVA-Berlin: Frauen und Geld -gespaltenes VerhÀltnis?
finesse
: Ja, sagt man so, nicht wahr? Es gibt verschiedene statistische Erhebungen, in denen immer wieder festgestellt wird, dass sie da immer noch ein gebrochenes VerhĂ€ltnis haben. Das war eben immer die DomĂ€ne der MĂ€nner. Wenn man sich aber Frauen anschaut, die eine Firma gegrĂŒndet haben, sind sie oftmals erfolgreicher, weil sie einfach mehr tragen können, auch langfristiger denken, mehr planen als MĂ€nner.

AVIVA-Berlin: Weil Frauen auch eher gelernt haben fĂŒr andere zu sorgen?
finesse
: Ja, sie fĂŒhlen sich viel mehr verantwortlich, das ist bei MĂ€nnern eben doch nicht so, die wollen auch nicht an die Zukunft und Absicherung denken, die Frage kommt eben gar nicht so auf. Frauen sind da anders.

AVIVA-Berlin: Welche ZukunftsplÀne haben Sie mit Finesse, können Sie sich vorstellen, weitere Finesse-Filialen zu eröffnen?
finesse
: Ja, wir haben schon mit dem Gedanken gespielt, weitere Standorte zu eröffnen, aber das ist auch ein wirtschaftliches Problem. Wir sind eben kein gemeinnĂŒtziger Verein, sondern von den AbschlĂŒssen, die wir vermitteln und den Einnahmen, die wir daraus erzielen können, abhĂ€ngig. Wir können nur gute Arbeit leisten und hoffen, dass wir weiter empfohlen werden und auch die Möglichkeit bekommen, unabhĂ€ngig weiterzukommen. Mit den VerĂ€nderungen die ab 2005 durch BeschlĂŒsse der EU anstehen, wird uns das Leben leider etwas erschwert.....

AVIVA-Berlin: Was steht da an?
finesse
: GrundsĂ€tzlich ist die Festlegung zu begrĂŒĂŸen, dass nur ausgebildete Finanzberater und Finanzdienstleister tĂ€tig sein dĂŒrfen. Da verschwinden endlich viele schwarze Schafe vom Markt. So bleiben 400.000 unabhĂ€ngige Finanzberater auf der Strecke, da die Voraussetzungen dafĂŒr derzeit nur Banken und Ausschließlichkeitsvertreter fĂŒr eine Versicherung erfĂŒllen. Die von immer mehr Kunden gewĂŒnscht unabhĂ€ngige Beratung stĂ€nde damit vor dem Aus. Deutschland hat in der EU eine Entwicklung verpasst, Einfluss zu nehmen. Nun mĂŒssen Anpassungs- oder Übergangsgesetze verabschiedet werden. Leider ist der Spielraum dafĂŒr sehr klein geworden.

AVIVA-Berlin: Viele springen ja auf die Schiene auf:"Na, jetzt machen wir mal eine spezielle Frauenberatung."
finesse
: Ja, aber es gibt keine speziellen Produkte :gerade Versicherungen haben vorgeschriebene Kalkulationsrichtlinien zu befolgen, was in der unterschiedlichen Lebenserwartung von Frauen und MĂ€nnern begrĂŒndet ist. NatĂŒrlich kann durch ein höheres Maß an FlexibilitĂ€t auf die spezielle Situation der Frauen eingegangen werden. Es gibt auch keinen speziellen Fonds fĂŒr Frauen. Da herrschen dieselben Gesetze wie bei anderen Fonds.
Es gibt keine Aktiengesellschaft nur fĂŒr Frauen, es gibt höchstens Frauenfonds mit Produkten, die Frauen kennen und nutzen, Kosmetika etc. Aber nichts, was nur von Frauen gemanagt wird.

AVIVA-Berlin: Das mĂŒssten von Frauen gefĂŒhrte Unternehmen sein, die nicht unbedingt Produkte fĂŒr Frauen anbieten.
finesse
: Aber die mĂŒssten an die Börse gehen, was ja ein langwieriger Prozess ist. Wer soll das Unternehmen kaufen, wer soll da investieren? Das ist derzeit noch schwer vorstellbar.

AVIVA-Berlin: Dadurch wĂŒrden aber Frauen anderen Frauen wirtschaftliche Macht in die HĂ€nde legen!
finesse
: Ja, aber der Wert eines Fonds wird ja auch bestimmt durch den Anteil der einzelnen Unternehmen, die da drin sind, und selbst wenn Frauen dort mehr Einfluss haben: der Kurs wird an der Börse durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Das Konzept kann noch so gut sein, und trotzdem sinkt der Kurs. Man muss auch bei solchen Fonds immer wissen, dass es Risiken gibt. Er unterliegt den Gesetzen des Marktes wie jeder andere auch.
Aber vielen Frauen ist es ein BedĂŒrfnis, in eine gute Sache zu investieren. Zum Beispiel in Fonds, wo die AusschĂŒttungen in eine Bildungseinrichtungen gehen.
Eine Frauenbank ist bisher leider auch noch nicht zustande gekommen, die ist seit fast zwei Jahren immer noch in GrĂŒndung. Das wird durch MĂ€nner, die Entscheidungen treffen, erschwert.

AVIVA-Berlin: Was ist Ihre Prognose und Empfehlung? Wie könnte Frau das Àndern?
finesse
: Frauen sollten sich viel mehr mit solchen Fragen beschÀftigen. Sie sollten ihre Geschicke selber in die Hand nehmen.
Je mehr Wissen sie haben, desto besser. Wenn sie in eine Bank gehen, mĂŒssen sie die entsprechenden Fragen finden, nicht locker lassen. Wenn man in einer Bank war, weiß man was dort geht und was nicht. Das A und O ist ein selbstbewußtes Auftreten. MĂ€nner können sich besser verkaufen, wenn sie etwas wollen, beispielsweise Kredite. Frauen sind hĂ€ufig viel zu ehrlich, zu offen, und sie zweifeln auf allen Gebieten.

Mehr Informationen zu finesse:
www.frauen-finanzberatung.de



Women + Work Beitrag vom 29.04.2003 Sharon Adler 





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