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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 29.09.2002

Das AVIVA-BERLIN-Interview mit Eva Maria Paa├č
Sharon Adler

Eine F├╝hrungsfrau der E-Learning-Branche ├╝ber Frauen & Technik, Frauen in F├╝hrungspositionen, Netzwerke, Mentoring und den Versuch, Privatleben und Job zu trennen



Eva Maria Paa├čEva Maria Paa├č ist seit Oktober 2000 Vorstand / COO der TEIA AG in Berlin (Teles European Internet Academy), einem der f├╝hrenden europ├Ąischen Internet-Ausbildungsbetriebe.
Diese Aufgabe ├╝bernahm die Managerin nach dem Wechsel von der Muttergesellschaft, Teles AG, wo sie drei Jahre als Head of Administration & Human Resources t├Ątig war.
Die 47-j├Ąhrige ist auch Gesch├Ąftsf├╝hrerin des SPC TEIA Lehrbuch Verlags und Mitglied des Kuratoriums des IEB (Institute of Electronic Business).
Als Diplom-Politologin basiert ihre berufliche Laufbahn auf Studien der Lateinamerikanistik, der Politik und des Kultur- und Bildungsmanagements.
Als E-Learning Spezialistin war sie in verschiedenen Positionen im Bildungsbereich t├Ątig, darunter beim Institut f├╝r Gruppenforschung in Hamburg und der design akademie Berlin. Ihr Schwerpunkt liegt dabei seit Langem in der Erwachsenenbildung.
Eva Maria Paa├č hat einen achtzehnj├Ąhrigen Sohn.

  • AVIVA-BERLIN: Wie trennen Sie Job & Privatleben?
  • Eva Maria Paa├č: Ich versuche beides strikt zu trennen. Es wird Sie nicht ├╝berraschen, wenn ich Ihnen sage, dass es nicht geht. Wenn Sie so viel arbeiten, geht das auf Kosten des Privatlebens. Au├čer am Wochenende bleibt wenig Zeit, aber damit muss man leben, wenn man sich f├╝r so einen Job entscheidet.

    Ich w├╝nsche mir noch f├╝nf Jahre so arbeiten zu k├Ânnen. Vorher will ich das Unternehmen an unser Ziel gebracht haben: Tausend Anmeldungen im Monat. Dann w├Ąre ich zufrieden und w├╝rde mich auf┬┤s Land zur├╝ckziehen und andere Dinge machen.

  • AVIVA-BERLIN: Sie sind Diplom-Politologin - also Quereinsteigerin im IT- und Weiterbildungsbereich. Welches Res├╝mee ziehen Sie aus Ihren bisherigen Erfahrungen und welche Vorhaben planen Sie f├╝r die Zukunft? Hat Bildung eine besondere Bedeutung f├╝r Sie?
  • Eva Maria Paa├č: Den Schwerpunkt auf die Erwachsenenbildung habe ich schon gelegt, als ich noch Politologie studiert habe. Damals konnte man damit, au├čer als freiberufliche Trainerin, noch kein Geld verdienen. Mit einer Familie und Kindern ist das nicht zu meistern, weil man dauernd unterwegs ist. Als ich in der Tourismusindustrie gearbeitet habe, hatte ich auf einer anderen Ebene wieder mit Bildung, in Form von Organisation- und Managementseminaren, zu tun.

    Das Thema Bildung hat mich von Anfang an begleitet, wenn auch nicht immer hauptberuflich. Bildung ist f├╝r mich pers├Ânlich sehr wichtig, weil ich einfach mehr wissen will. Es gibt spannende Themen, die nie ersch├Âpfend behandelt werden k├Ânnen.

    Eva Maria Paa├čDurch die neuen Medien haben wir qualitativ und quantitativ ganz andere Bildungsm├Âglichkeiten, was bei der zunehmenden Kurzlebigkeit des Wissens eine nahezu nat├╝rliche Entwicklung ist. Sicherlich kommt es in diesem Zusammenhang auch zu negativen Begleiterscheinungen f├╝r einzelne gesellschaftliche Gruppen, die beobachtet und analysiert werden m├╝ssen.

    F├╝r mich pers├Ânlich ist es das Wichtigste, die Fragen zu l├Âsen, die im Laufe des Lebens entstehen, oder zu versuchen, ihnen n├Ąher zu kommen. Dann braucht man sich keine k├╝nstlichen Fragen zu stellen, wie `Was ist meine Lebensaufgabe?┬┤ Das kommt dann von selbst. Wenn man m├Âglichst nahe an dem dran ist, was einen interessiert und wo einen die Leidenschaft hinzieht, f├Ąllt einem auch immer wieder etwas Gutes ein. Und dann ist Flei├č nach wie vor sehr wichtig, auch wenn sich das vielleicht altmodisch anh├Ârt.

  • Eva Maria Paa├č: F├╝r mich sind R├╝ckschl├Ąge wichtige Erfahrungen. Ein R├╝ckschlag ist ja immer auch eine neue Chance. Auch wenn das ein abgegriffener Spruch ist.
    Wenn man es aber in einer Krise schafft, differenziert hinzuschauen, kann man sehen, dass in einem R├╝ckschlag auch immer eine Information steckt, die man offensichtlich an dieser Stelle noch braucht, um erfolgreich weitermachen zu k├Ânnen. Es ist schwierig, das wei├č ich, sowohl in privatem als auch in beruflichem Bereich.
    Das lernt man, wenn man ├Ąlter wird: Lieber hinsehen, als vorbeischauen.

  • AVIVA-BERLIN: Wo sehen Sie die Vorteile im E-Learning speziell f├╝r Frauen?
  • Eva Maria Paa├č: Die Vorteile sehe ich darin, dass Frauen in der Regel immer noch h├Ąuslich st├Ąrker gebunden sind als M├Ąnner, ob sie nun alleinstehend oder verheiratet sind. Es wird nach wie vor als normal empfunden, dass Frauen sich mehr um den Haushalt und die Kindererziehung k├╝mmern, als M├Ąnner das tun. Insofern ist web-basiertes Lernen gerade f├╝r Frauen mit Kindern ideal, weil es eine zeitliche Flexibilit├Ąt bietet, die bisher nicht vorhanden war.

  • AVIVA-BERLIN: Abgesehen von der finanziellen Problematik gibt es ja auch eine technische Hemmschwelle. Warum ergreifen immer noch weniger Frauen als M├Ąnner Berufe im technischen Umfeld?
  • Eva Maria Paa├č: Ich denke, das ist eine Frage des fehlenden Selbstbewusstseins. Das ist schade, denn Frauen arbeiten in der Regel disziplinierter und sind besser organisiert. Beispielsweise ist E-Business ein Berufsfeld, in dem bestimmte Softskills ben├Âtigt werden, um Kunden bzw. Auftraggeber zu verstehen. Es ist ein kompliziertes Gesch├Ąft: Sie helfen einem Unternehmen, neue Absatzm├Ąrkte zu finden, sich neu zu pr├Ąsentieren und in einem Markt zu positionieren. Dabei gilt es auch Vorbehalte auszur├Ąumen und Ber├╝hrungs├Ąngste zu minimieren.
    Ich glaube, dass Frauen das gut k├Ânnen und es ihnen leichter f├Ąllt zuzuh├Âren als M├Ąnnern.

    Eva Maria Paa├č

  • AVIVA-BERLIN: Was m├╝sste getan werden, um mehr Frauen f├╝r IT-Berufe zu begeistern?
  • Eva Maria Paa├č: Immer wenn der Begriff Business auftaucht, sind Frauen ein wenig verschreckt, weil sie glauben, Business ist nur etwas f├╝r M├Ąnner. Weil sie sich selber gar nicht zutrauen, sich in dieser Welt zurechtfinden zu k├Ânnen oder behaupten zu k├Ânnen. Dabei werden die F├Ąhigkeiten von Frauen zunehmend wichtiger.
    Deswegen finde ich es auch gut, wenn man mit Medien zu tun hat, die Frauen ansprechen, weil man nicht oft genug sagen kann, dass F├Ąhigkeiten, die Frauen w├Ąhrend ihres Lebens erwerben - gerade durch Kindererziehung und Organisation, Aufgaben, die sie ja st├Ąndig bew├Ąltigen - besonders pr├Ądestiniert f├╝r Managementaufgaben sind und gar keine Veranlassung besteht, zu glauben, dass das unerreichbare Ziele sind.

  • AVIVA-BERLIN: In welchen Frauennetzwerken sind Sie aktiv?
  • Eva Maria Paa├č: Ich bin im Verband der Unternehmerinnen. Ich bin regelm├Ą├čige Besucherin von Veranstaltungen des EWMD. Au├čerdem habe ich lange im Webgrrls-Netzwerk mitgearbeitet, habe aber immer weniger Zeit daf├╝r.

  • AVIVA-BERLIN: Warum gibt es Ihrer Meinung nach zu wenig Frauen in F├╝hrungspositionen? Chancen und Hindernisse?
  • Eva Maria Paa├č: Ich glaube, das ist eine Mischung aus fehlendem Selbstvertrauen und objektiven Gr├╝nden, die auf Seiten der M├Ąnner liegen. M├Ąnner lassen sich nicht gerne in die Karten gucken und M├Ąnner wollen bestimmte Privilegien nicht verlieren. Es muss aber bei Frauen auch die Bereitschaft bestehen, zunehmend Verantwortung zu ├╝bernehmen.

  • AVIVA-BERLIN: Es wird Frauen oft nachgesagt, in bestimmten Positionen zu emotional zu werden...
  • Eva Maria Paa├č: Oder man wird zu hart, weil man den anderen, mittleren Weg noch nicht kennt. In der Durchsetzung bestimmter Entscheidungen gelte ich eher als hart. Ich glaube aber, dass ich als Autorit├Ąt akzeptiert werde, auch ohne "brutal" werden zu m├╝ssen. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass wir in unserem Unternehmen immer offene T├╝ren haben.

    Auf der einen Seite ist klar, dass Entscheidungen konsequent durchgesetzt werden m├╝ssen und auf der anderen Seite stehe ich immer f├╝r ein Gespr├Ąch zur Verf├╝gung. Ich glaube, das kommt beides r├╝ber.

    AVIVA-BERLIN: Was halten Sie von Mentoring als F├Ârderungsm├Âglichkeit f├╝r junge Frauen?

  • Eva Maria Paa├č: Ich berate junge Leute, die auf mich zukommen, wenn es um Schul- oder Berufsfragen geht. Allerdings arbeite ich nicht organisiert als Mentorin f├╝r andere Frauen. Ich habe schon dar├╝ber nachgedacht, ob das nicht sinnvoll w├Ąre. Aber daf├╝r muss man sich Zeit nehmen und ich kann nie vorhersehen, wie mein Zeitbudget ist.

    Andere anzuleiten und zu begleiten, ist eine ernstzunehmende Sache. Das kann man nicht so nach Belieben anfangen und dann wieder aufh├Âren. Ich k├Ânnte mir aber vorstellen, das mal richtig organisiert zu machen. Es ist auf jeden Fall einfacher, wenn man jung ist und jemanden hat, mit dem man sprechen kann.

  • AVIVA-BERLIN: Haben Sie selber einen Coach?
  • Eva Maria Paa├č: Anderen kann man schnell Ratschl├Ąge geben, aber es ist auch wichtig, selber mit jemandem sprechen zu k├Ânnen, der au├čerhalb eines bestimmten Konflikts steht. Ich hatte aus diesem Grund auch einen Coach, eine Frau, zu der ich gehen konnte, wenn es schwierige Fragen gab, um zu einer objektiveren Sichtweise zur├╝ckzufinden.

  • AVIVA-BERLIN: Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Woche frei. Was tun Sie?
  • Eva Maria Paa├č: Ich fahre nach Karlsbad und mache eine Badekur.

  • AVIVA-BERLIN: Da w├╝nschen wir Ihnen, dass das bald klappt! Vielen Dank!

Women + Work Beitrag vom 29.09.2002 Sharon Adler 





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