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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 01.08.2002

Tuscheln und Tratschen oder böswilliges Mobbing?
Meike Bölts

Soziale Kompetenz, Teamf√§higkeit und Konfliktbereitschaft stehen am Arbeitsmarkt hoch im Kurs. Im Gerangel um Jobs wird aber zunehmend √ľber Mobbing geklagt...



Mobbing leitet sich ab von "to mob" und meint: jemanden anp√∂beln oder bedr√§ngen. Der genaue Inhalt des Begriffes ist h√§ufig nur individuell und subjektiv zu ermessen, generell l√§sst sich sagen: Gemobbt wird, wer √ľber einen l√§ngeren Zeitraum hinweg systematisch erniedrigt, gedem√ľtigt, schikaniert und damit ausgegrenzt wird. MobberInnen k√∂nnen einzeln oder auch in einer Gruppe auftreten. Der durch Mobbing verursachte volkswirtschaftliche Schaden wird pro Jahr auf bis zu 50 Milliarden Euro gesch√§tzt.

Mobbing-Opfer beschreiben unterschiedlichste Folgen des Psychoterrors: Physische Leiden wie zum Beispiel Magengeschw√ľre, Schlaf- und Sehst√∂rungen stehen neben psychischen Leiden. Bis hin zu schweren Depressionen reicht hier das Spektrum der Mobbing-Folgen. Diese Leiden werden h√§ufig von Alkohol- und Medikamentenmissbrauch begleitet.

Bereits im Juni 2002 pr√§sentierte Ulrike Rascher, Staatssekret√§rin, die von der Bundesanstalt f√ľr Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Auftrag gegebene Studie Der Mobbing-Report - Eine Repr√§sentativstudie f√ľr Deutschland. Sie erbrachte unter anderem folgende Ergebnisse:

  • 2,7 % aller Erwerbst√§tigen geben an, gemobbt zu werden: Das sind ca. 800.000 Menschen, die aktuell mit Mobbing konfrontiert sind! Deutschland liegt damit im Mittelfeld der europ√§ischen Staaten.

  • Ein besonders hohes Mobbingrisiko ist bei Besch√§ftigten in sozialen Berufen - zum Beispiel bei SozialarbeiterInnen, ErzieherInnen oder AltenpflegerInnen - zu verzeichnen.

  • In etwas mehr als der H√§lfte der F√§lle mobben ausschlie√ülich Vorgesetzte oder sind zumindest daran beteiligt.

  • Frauen haben im Vergleich zu M√§nnern ein um 75 % h√∂heres Mobbingrisiko.

  • Die am st√§rksten betroffene Altersgruppe sind die unter 25-J√§hrigen, gefolgt von den 55-J√§hrigen und √§lteren Mitarbeitern.


Genau genommen, besteht bei Mobbing kein direkter Straftatbestand. √úber den Umweg der N√∂tigung oder des Rufmordes kann jedoch gerichtlich gegen MobberInnen vorgegangen werden. Schwer kann es dann allerdings werden den Straftatbestand zu beweisen. BeraterInnen empfehlen daher eine Art Mobbing-Tagebuch zu f√ľhren um sp√§ter auf genaue Daten zur√ľckgreifen zu k√∂nnen. Bevor es tats√§chlich zu einer Anzeige kommt, kann es sinnvoll sein, zun√§chst das direkte Gespr√§ch zu suchen. Auch die Vorgesetzten k√∂nnen eingeweiht werden.

Hier gibt es seit Anfang August durch eine Gesetzes√§nderung ein weiteres Druckmittel, das Mobbing-Opfer zur Aufl√∂sung ihrer Situation einsetzen k√∂nnen. Durch die Erg√§nzung im Zivilrecht (Paragraph 253 BGB) ist es nun m√∂glich, nicht nur bei MobberInnen Schadensersatz bzw. Schmerzensgeld geltend zu machen aufgrund der k√∂rperlichen Beeintr√§chtigung durch das Mobbing. Nun haften auch die ArbeitgeberInnen f√ľr solche Anspr√ľche. Dadurch werden diese st√§rker in Zugzwang gebracht zu handelt, wenn ihnen Mobbing-Vorw√ľrfe zu Ohren kommen. Bisher musste in solchen F√§llen sich die ArbeitgeberIn selbst ein Fehlverhalten zuschulden kommen lassen, zum Beispiel bei der Auswahl der MitarbeiterInnen, was so gut wie nie durchgriff. Nach der neuen Regelung gibt es quasi eine Art Unternehmenshaftung. Die ArbeitgeberIn gen√ľgt den auferlegten Schutzpflichten gegen√ľber den ArbeitnehmerInnen nur, wenn sie t√§tig wird, sobald entsprechende Vorw√ľrfe bekannt werden. Als verletzte G√ľter kommen nach der neuen Regelung neben der Gesundheit auch die sexuelle Selbstbestimmung in Frage. Diese Neuerungen k√∂nnen aber nur f√ľr Schadensereignisse in Anspruch genommen werden, die sich nach dem 31.07.2002 zugetragen haben.

Generell gilt: Bevor das Selbstwertgef√ľhl am Boden liegt, aktiv werden. Eine K√ľndigung sollte nicht unbedingt zu weit herausgeschoben werden, da h√§ufig untersch√§tzt wird, wie weit Mobbing in die Pers√∂nlichkeit eingreifen kann.


Weitere Informationen zu dem Thema:

www.dgb.de: in der Rubrik "Themen"
www.igmetall.de, in der Rubrik "Recht + Rat"
www.wirkstoff.org: Beratung f√ľr Frauen in Berlin
www.mobbing-abwehr.de: bundesweite Mobbing-Beratung durch KLIMA e.V. (Hamburg).Rechtliche Hinweise Rechtsanwältin Gudrun E. Alexandra Hölzer hoelzer@domain-law.de

Women + Work Beitrag vom 01.08.2002 AVIVA-Redaktion 





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