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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 27.02.2004

WORLD WOMEN WORK, 2. Konferenztag, 18. Februar 2004
Dr. Edith Niehuis

Roundtable 3 - Frauenförderung, Gender Mainstreaming, Diversity - AnsÀtze im europÀischen Vergleich. Referentin: Dr. Edith Niehuis, Parlamentarische StaatssekretÀrin a.D.




Frauenförderung, Gender Mainstreaming, Diversity - Die unterschiedlichen AnsÀtze in Kurzdarstellung

Frauenförderung: Spezifische Maßnahmen, die direkt auf die Beseitigung von Benachteiligung von Frauen zielen. Es gibt Maßnahmen von innen (FörderplĂ€ne, Quoten etc.) und von außen (Antidiskriminierungsgesetze, Affirmative Action etc.)

+ Vorteil: Gezielter Ansatz

- Nachteil: Von außen herangetragene Regeln können bei Fehlen von Sanktionen von den Akteuren in den Unternehmen kreativ umgangen werden.

Managing Diversity: Bessere Ausnutzung der im Unternehmen vielfĂ€ltig vorhandenen Qualifikationen durch Verhinderung einer sog dominanten Gruppe (i.d.R. mĂ€nnl.), die durch ihre Monokultur weniger SensibilitĂ€t fĂŒr KundenwĂŒnsche, weniger ProduktivitĂ€t fĂŒr das Unternehmen erwarten lĂ€ĂŸt.

+ Vorteil: Durch die bewusste WertschĂ€tzung von Pluralismus, die BerĂŒcksichtigung aller BeschĂ€ftigtengruppen auf allen Entscheidungs- und Hierarchieebenen haben auch Frauen bei Managing Diversity Chancen auf vermehrte ErwerbstĂ€tigkeit und höhere Positionen.

- Nachteil: Der ausschließlich profitorientierte Ansatz von Managing Diversity könnte dem ganzheitlichen Denken der jungen Frauengeneration zukĂŒnftig nicht mehr gerecht werden (Accenture - Studie, Frauen im Profil, 2004), da jedweder gesellschaftspolitische Ansatz fehlt.

Gender Mainstreaming: "Gender Mainstreaming besteht in der (Re-)Organisation, Verbesserung, Entwicklung und Evaluierung von Entscheidungsprozessen mit dem Ziel, dass die an politischer Gestaltung beteiligten Akteure/innen den Blickwinkel der Gleichstellung zwischen Frauen und MĂ€nner in allen Bereichen und auf allen Ebenen einnehmen"(Council of Europe)

+ Vorteil: Ganzheitliches Denken sowohl prozess- als auch zielorientiert inclusive einer VerÀnderung der tradierten sozialen Geschlechterrollen.

- Nachteil: Starke Abwehr der mÀnnlichen EntscheidungstrÀger, da auch ihre soziale Geschlechterrolle hinterfragt wird.

Fazit: Erfahrungen aus USA und einigen europĂ€ischen LĂ€ndern zeigen, dass geschlechterspezifische Potentiale in der Wirtschaft nur dann genutzt werden, wenn Gesetze von außen mit Kontrollbefugnis und entsprechender Rechtsprechung die Gleichstellung der Geschlechter fordern und so auf die betriebliche Entscheidungsebene einwirken sowie die Infrastruktur (Kinderbetreuung) die notwendigen Rahmenbedingungen bereit hĂ€lt.

Deutschland wird den gleichstellungspolitischen und wirtschaftspolitischen Anschluss weiterhin verpassen, solange Bundeskanzler Hand in Hand mit unflexiblen und verstockten Wirtschafts- und ArbeitgeberverbÀnden aufgrund ihrer monokulturellen/mÀnnlichen Struktur wirksame Gleichstellungsgesetzgebung verhindern.

Deutschland wird den Anschluss weiterhin verpassen, solange die Defizite in der außerhĂ€uslichen Kinderbetreuung bestehen.

Deutschland wird den Anschluss weiterhin verpassen, wenn Frauen nicht stÀrker lernen, Positionen einzufordern, und EntscheidungstrÀger nicht besser lernen, geschlechterspezifische Potentiale zu erkennen und zu nutzen.


AusfĂŒhrlicheres auf Anfrage: edith.niehuis@netvisao.pt


Women + Work Beitrag vom 27.02.2004 AVIVA-Redaktion 





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