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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 05.11.2013

Wir brauchen keine Schubladen
Deborah S. Phillips

Die j├╝dische K├╝nstlerin Deborah S. Phillips und ihr Gegen├╝ber, die im Irak geborene Diplom-Architektin Maha Alusi haben in vielen Gespr├Ąchen in Kreuzberg und Neuk├Âlln ihre Gemeinsamkeiten entdeckt



Maha Alusi und ich haben sehr viel Gemeinsames entdeckt w├Ąhrend unserer Gespr├Ąche im Rahmen des Dialogprojekts Lokale Geschichte(n). Ihr Zeitgef├╝hl und die Vorstellung, auf indirekte Weise Geschichten zu erz├Ąhlen, spielen in ihrer Arbeit eine sehr wichtige Rolle. Statt einer klassischen Biographie entstehen hier deswegen Aspekte unseren Austausches und das sagt doch genug ├╝ber jede Einzelne aus, oder?

Statt zu erwartender Verschiedenheiten liefern wir, ach, wie langweilig, ├Ąhnliche Interessen, gar Motivationen, sehr viele. Kalligraphische Formen haben Spuren in Mahas Kerzen hinterlassen (wie auch in meinem eigenen Werk). Flie├čende Formen sind in unser beider Bildsprachen, auch wenn wir unterschiedliche Medien verwenden, wichtig. Bei ihr ist das halt auch die Natur, von Wachs bestimmt. Materialit├Ąt spielt bei uns beiden eine sehr wichtige Rolle, Materialeigenschaften in den Gestaltungsprozessen Raum zu geben ist f├╝r Maha auch sehr wichtig. Sie ist fasziniert von dem, was der Verlauf der Zeit gestalterisch bewirken kann: das verstehe ich auch sehr gut. Wir sind beide ehemalige Architektinnen (auch wenn ich nicht bis zum Diplom studiert habe), die sich heutzutage mit fl├╝chtigen Materialien besch├Ąftigen.

Maha kann souver├Ąner mit Zeit umgehen als jede andere Person, der ich hierzulande je begegnet bin. Egal, wie sp├Ąt dran sie ist, wie sp├Ąt jemand anderes dran ist, sie bleibt ruhig und beruhigt andere um sie herum. Energetisch und gut gelaunt ist Maha, weil "Was bringt┬┤s, schlecht gelaunt durch die Gegend zu laufen?"
Vorbildlich in dieser Hinsicht: eine Frage der Veranlagung, oder Erziehung, oder eine Kombination davon? So hat sie sicherlich die Br├╝che in ihrem Leben so gut bew├Ąltigen k├Ânnen wie damals, als ihre Familie Baghdad verlassen hat.

Sie behauptet, dass sie sich als Geschichtenerz├Ąhlerin versteht. Wie definiert sie hier Geschichte? Meint Maha etwa eine Serie oder eine konventionelle Geschichte mit Anfang und Ende? Nein: f├╝r Maha ist eine Geschichte eine Reihe von Ideen oder Gegebenheiten, nicht unbedingt eine "konventionelle" Geschichte. Das hei├čt f├╝r mich, dass sie eigentlich Abenteuer meint. Vieles kommt zusammen und f├╝hrt irgendwohin und das ist viel spannender als eine Art Geschichte ohne offene Elemente, wie es sie so oft gibt.

Beeindruckend ist der Raum in Mahas Kelleratelier, wo der Boden ganz mit Wachs bedeckt ist. Es ist eine Art Spielzimmer, ein Ort, wo man sich austoben kann. Ihre Werkstatt ist ein sehr sozialer Ort. Es ist tats├Ąchlich ein Keller, der zum Verweilen einl├Ądt. Jetzt entsteht dort ein Gew├Âlbe: sie hat sich von meinem MOSA├»C-Buch inspirieren lassen und baut dort eine Kuppel mit Wachs. Bis ich mich mit Maha unterhalten habe, war mir nicht bewusst, wie vielf├Ąltig dieses Material ist. Eines ihrer Talente ist, ihre Begeisterung zu teilen: ich habe mich auch davon anstecken lassen!

Kategorien/Grenzen ├╝berwindet Maha sehr souver├Ąn. Sie hat, komplett mit theoretischem ├ťberbau, zusammen mit ihren HelferInnen eine Technik entwickelt, um ihr Material ganz anders zu behandeln als ├╝blich: sie macht Kunst, aber sie macht auch dar├╝ber hinaus etwas k├Ąufliches, in Serien. Das kann man auch als gemeinsamen Nenner wahrnehmen.

Sprachlich l├Ąsst sie sich vielleicht leicht als Irakerin einordnen, aber ihre pr├Ągenden Erlebnisse haben an unterschiedlichen Orte stattgefunden: die Menschen und weniger die Orte sind ausschlaggebend.
Wir haben gemeinsam, dass wir uns nicht einen Ort oder Bereich sondern mehrere von beidem als Inspirationsquellen wahrnehmen.

Es war sehr spannend, mich regelm├Ą├čig mit Maha zu treffen und wir werden┬┤s sicherlich immer wieder machen, dank dieses Programms von AVIVA-Berlin.

Maha Alusi stammt urspr├╝nglich aus Baghdad, kam als Jugendliche nach London und studierte dort Architektur. Sie hat ein Faible f├╝r ausget├╝ftelte Dinge und hat eine Maschine entwickelt, mit der sie brennende Skulpturen aus Wachs herstellen kann. Ich bewundere ihre F├Ąhigkeit, ihre universelle Phantasie umzusetzen!




Die K├╝nstlerin Deborah S. Phillips ist in sehr verschiedenen Bereichen medien├╝bergreifend t├Ątig, zum Beispiel als bildende K├╝nstlerin (die Bilder in zwei, drei oder vier Dimensionen macht) macht, als ├ťbersetzerin und Organisatorin.
Inspiriert durch Begegnungen w├Ąhrend der Deutschen Kulturtage in Zentralasien hat sie daraufhin ihr Projekt MOSA├»C ├╝ber einen Zeitraum von sechs Jahren realisiert. Bestehend aus Collagen entstand eine Installation, eine Performance, ein 35mm Film und ein Buch in Zusammenarbeit mit der UNESCO. Gegenstand ihrer Collage waren Tausende Details aus Moscheen und Synagogen in sechs L├Ąndern. Sie arbeitet derzeit an einem Projekt ├╝ber die Farbe Blau, T┬┤chelet.



"Inspiriert von Maha", 2013, Tusche und Buntstift auf B├╝ttenpapier von Deborah S. Phillips



Mehr Infos zu Deborah S. Phillips unter:

deborahsp.wordpress.com

Mehr Infos zu Maha Alusi unter:

vimeo.com




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Agentur f├╝r Arbeit Berlin-Brandenburg




Women + Work Beitrag vom 05.11.2013 AVIVA-Redaktion 





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