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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 17.01.2014

20 JAHRE LICHTIG VERLAG. Ein Portrait der Verlegerin Nea Weissberg
Gesine Strempel

Ausl├Âser f├╝r die Gr├╝ndung des Verlages, mit dem Nea Weissberg einen kontinuierlichen Dialog zwischen j├╝dischen und nichtj├╝dischen Deutschen f├Ârdert, war 1989 die Begegnung mit Halina Birenbaum



Die Eltern der Verlegerin, in Polen geboren, ├╝berlebten den Holocaust durch Flucht in den zentralasiatischen Teil der Sowjetunion. Sie lernten sich im Mai 1945 in Krakau kennen und heirateten im November 1945 in der "Tempel-Synagoge", die nur deshalb nicht zerst├Ârt wurde, weil das Nordschiff des Krakauer Bethauses seit 1939 von den Deutschen als Pferdestall genutzt wurde. Dies fand Nea Weissberg erst 2008 heraus.
"Als man Juden alles, sogar das Leben raubte", nannte Nea Weissberg eines ihrer B├╝cher, in dem sie Nachkommen der T├ĄterInnen und der Opfer zu Wort kommen l├Ąsst.

Als junges M├Ądchen hatte Nea Weissberg wenig Kontakt zu deutschen Kindern, sie schreibt dar├╝ber in dem 2009 herausgegebenen Buch "Nejusch, das Gl├╝ck hat mich umarmt". Im Mittelpunkt des Briefromans steht die Ann├Ąherung an ihre Familie und an ihren nichtj├╝dischen deutschen Brieffreund.

Ausl├Âser f├╝r die Gr├╝ndung des Verlages, mit dem Nea Weissberg einen kontinuierlichen Dialog zwischen j├╝dischen und nichtj├╝dischen Deutschen f├Ârdert, war die Begegnung mit Halina Birenbaum 1989 in Berlin - die als junges M├Ądchen Auschwitz-Birkenau ├╝berlebte - seit Jahrzehnten in Israel lebt und das Gegenteil ihrer eigenen schweigenden Eltern ist.

Yaacov Gilad, Liedertexter und der S├Ąnger Yehuda Poliker, erz├Ąhlten 1988 zusammen mit Halina Birenbaum in dem israelischen Dokumentarfilm "Wegen jenes Krieges" was es hei├čt, Kind von Holocausteltern zu sein. Diesem Thema sp├╝rt die Verlegerin in ihren B├╝chern nach, bereits seit 1996 gab sie auch den Nachkommen der T├ĄterInnen eine Stimme.
Und in den zwei Dekaden ihrer Arbeit hat sie erkannt, wie wichtig es ist, Licht ins Dunkel auf beiden Seiten zu bringen. Doch eine Verschmelzung der Leiden der zweiten Generation der Opfer und der Nachkommen der T├Ąter liegt ihr fern. F├╝r Nea Weissberg, zur gesellschaftspolitischen Wachsamkeit erzogen, ist es ein Muss: Die Abgr├╝nde m├╝ssen zugelassen werden, das ist der rote Faden ihres Programms.

Nea Weissberg sp├╝rt der Vergangenheit und der j├╝dischen Tradition seit 1993 auch mit der Ver├Âffentlichung von literarischen Kunstkalendern nach. Seit 2010 wurden Kinder und Jugendliche in ihrem Verlagsprogramm mitbedacht. In "Schabbat Ha Malka", eine Erz├Ąhlung ├╝ber den Schabbat, k├Ânnen Kinder und Erwachsene mehr ├╝ber den Zauber des Schabbats erfahren. Sie werden eingeladen, an einer beschwingten Schabbatfeier teilzunehmen, geschildert aus der Sicht der siebenj├Ąhrigen Deborah.
Seit 2012 gibt es ein Bilderbuch f├╝r die ganz Kleinen: "Mein erstes j├╝disches Bilderbuch", das auch nichtj├╝dischen Menschen, sowie Juden ohne religi├Âs tradierten Hintergrund eine Chance bietet, dem Judentum spielerisch zu begegnen. Es ist in Kooperation mit dem Familienzentrum Mishpacha der EJKA entstanden und von der Stiftung ZUR├ťCKGEBEN gef├Ârdert worden.
Wenn nachfolgende Generationen an j├╝disches Leben ankn├╝pfen, sind sie auf der Suche nach Erinnerungstr├Ągern, nach traditionellen Bildmotiven, Symbolen und rituellen Kultgegenst├Ąnden. In der 2011 herausgegeben Serie von Kunstpostkarten "Lichtigs Herrliche Postkarten ÔÇô eine Judaica Edition" spiegelt sich gelebter j├╝discher Alltag wieder.

Ihr neuestes Buchprojekt: "Identit├Ąten in Deutschland nach dem Holocaust" wird sich mit der Identit├Ątsfindung als innerer Prozess, mit Vorurteilen, Loyalit├Ąten und Zugeh├Ârigkeiten besch├Ąftigen und als Sammelband im Herbst 2014 erscheinen.

Weitere Informationen zum Verlagsprogramm und zu Nea Weissberg finden Sie unter: www.lichtig-verlag.de

2014 leitet Nea Weissberg gemeinsam mit Hilde G├Âtt die Jahresselbsterfahrungsgruppe "Identit├Ąten in Deutschland nach dem Holocaust" (14 t├Ągig jeweils dienstags zwischen 19.00 - 22.00 Uhr in Berlin ÔÇô Sch├Âneberg)
Mehr Informationen dazu erhalten Sie auf AVIVA-Berlin und unter www.lichtig-verlag.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Schabbat Ha Malka. K├Ânigin der Jontefftage"

Nejusch: Das Gl├╝ck hat mich umarmt"

Nejusch - Die Hand der Miriam

Lichtigs herrliche Postkarten - eine Judaica Edition


Copyright Foto von Nea Weissberg: Nea Weissberg

Women + Work Beitrag vom 17.01.2014 AVIVA-Redaktion 





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